Untergeschobene Verträge Vodafone zeigt Vertriebspartner an

Vodafone-Vertreter schieben mitunter sogar Katzen einen Internetvertrag unter: Nach anonymen Hinweisen auf Betrug und verkaufte Kundendaten hat das Unternehmen mehrere Strafanzeigen gestellt.
Vodafone-Zentrale in Düsseldorf: Provisionsmaßnahmen überarbeitet und Kontrollsysteme verschärft

Vodafone-Zentrale in Düsseldorf: Provisionsmaßnahmen überarbeitet und Kontrollsysteme verschärft

Foto: Federico Gambarini/DPA

Manche Vertriebler beweisen an der Haustür, am Telefon und sogar in ihren Shops eine bemerkenswerte Energie. Dass diese mitunter auch kriminell sein kann, weiß auch Vodafone. Wie die Verbraucherzentrale Bremen kürzlich mitteilte , hatte eine Vertreterin 2019 sogar mal einer Katze einen Vertrag verpasst. Der Frau wurde gekündigt, betonte Vodafone auf Anfrage von »golem.de« . Aber das Problem mit betrügerischen Vertriebspartnern ist geblieben.

Nun hat der Telekommunikationskonzern Strafanzeige gegen mehrere solcher Partner erstattet. Es gehe im Wesentlichen um Vertragsabschlüsse und Buchungen von Angeboten ohne Zustimmung der Kunden, teilte ein Vodafone-Sprecher am Mittwoch mit.

Daneben habe Vodafone Indizien dafür, dass durch Vertriebspartner datenschutzrechtliche Bestimmungen verletzt worden seien, sprich: Sie sollen Kundendaten an Dritte verkauft haben. Darüber habe man den Bundesbeauftragten für Datenschutz sowie potenziell betroffene Kunden informiert. In den fertig ermittelten Fällen habe Vodafone umgehend Strafanzeige gegen die Beteiligten erstattet und außerordentliche Kündigungen gegenüber Partneragenturen ausgesprochen. Über die Fälle hatte zuerst die »WAZ« berichtet . 13 Shops wurden demnach geschlossen.

Hinweise auf »Vetternwirtschaft und Unterschlagung«

Vodafone sei unter anderem durch Missbrauch bei Provisionen und Rabattierungen geschädigt worden, teilte der Sprecher weiter mit. Auf die Fälle war das Unternehmen nach seinen Angaben durch Hinweise von außen aufmerksam geworden. Ein anonymer Verfasser hatte dem Unternehmen in E-Mails von »Vetternwirtschaft, Datenschutzverstößen, Unterschlagung von Geldern und Kundenwaren bis zu einer Art Geldwäsche« berichtet, schrieb die »WAZ«, mitsamt Namen von Personen und Firmen.

»Insgesamt haben wir rund 20 Themenkomplexe untersucht«, teilte der Vodafone-Sprecher mit. Weitere Fälle würden untersucht. Sollten sich weitere Sachverhalte konkretisieren, werde Vodafone auch hier Strafanzeige erstatten.

Als Reaktion auf einige Hinweise habe Vodafone erste Sofortmaßnahmen ergriffen. So seien verschiedene Provisionsmaßnahmen überarbeitet und Kontrollsysteme verschärft worden. Vodafone arbeitet beim Verkauf seiner Produkte mit rund 1400 selbstständigen Vertriebspartnern und Agenturen zusammen.

pbe/dpa
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