Von wegen Krise PC-Absatz erreicht Rekordwert

Der ITK-Markt entwickelt sich gegen den Trend: Für das laufende Jahr erwartet der Branchenverband Bitkom Absatzzahlen in Rekordhöhe. Die Umsatzzahlen der Konzerne werden das am Jahresende nicht unbedingt wiederspiegeln - denn gefragt ist vor allem, was klein, mobil und billig ist.

Sieht besser aus, als es in der Bilanz ausfällt: PC-Hersteller setzen Geräte in Rekordzahlen ab, verdienen aber immer weniger daran
bitcom.org

Sieht besser aus, als es in der Bilanz ausfällt: PC-Hersteller setzen Geräte in Rekordzahlen ab, verdienen aber immer weniger daran


Die Grafik zur Statistik ist unmissverständlich: Satte 66 Prozent aller 2009 verkauften Rechner sind mobile Geräte. Der klassische Desktop-PC wird zunehmend zu einer Bauform, die der Arbeitswelt vorbehalten bleibt. Seit die Rechen- und Grafikleistung von Notebooks ausreicht, auch die meisten populären Spiele zu spielen, gerät der Heim-PC immer mehr ins Hintertreffen.

Zumal das Preisniveau von Laptops und Co. nicht etwa krümelt, sondern massiv bröckelt: Spätestens seit die preiswerten Netbooks den Markt überschwemmen, fallen auch die Preise für herkömmliche Mobilrechner kräftig. Zeitgemäße kräftige Geräte gibt es inzwischen ab circa 500 Euro, Einsteigermodelle ab 350 Euro - noch vor zwei Jahren war das undenkbar.

Motor des angesichts der Krise von vielen nicht erwarteten Verkaufsbooms sind aber vor allem die Netbooks, die in ihrer Preisklasse von 200 bis 500 Euro auch ein immer breiteres Spektrum abdecken: Längst sind so manche mehr als nur Drittrechner für Early Adopters. Die neueste Generation dient als Schreib- und Surf-Maschine, aber auch als portabler Medien-Streamer fürs Wohnzimmer oder Multimediaplayer für unterwegs. Gut jeder fünfte in diesem Jahr in Deutschland verkaufte Rechner wird ein Netbook sein, prognostiziert der Bitkom.

Immer mehr Verkäufe

Das und der seit Jahren anhaltende Trend zu verminderten Verkaufsmargen dürften dafür sorgen, dass sich der Zuwachs von fast acht Prozent gegenüber dem Vorjahr nicht in den Bilanzen der PC-Verkäufer spiegeln wird. Der Durchschnittspreis für Notebooks fällt nach der Bitkom-Prognose um 13 Prozent auf 550 Euro im Vergleich zum Vorjahr und sogar um 30 Prozent im Vergleich zum Jahr 2007. "Viele Netbooks sind in der Einstiegsklasse schon für weniger als 300 Euro zu haben", wird der Bitkom-Vorsitzende August-Wilhelm Scheer in einer Pressemitteilung des Verbandes zitiert. "Trotz der etwas einfacheren Ausstattung sind alle gängigen Anwendungen von der Textverarbeitung über den Internetzugang bis zu Spielen mit den kompakten Geräten möglich."

... für immer weniger Geld

Und das reicht offenbar immer mehr Kunden - sei es als Zweit- oder Drittrechner für unterwegs, sei es als Ersatz für klobige Boliden, deren Leistung Gelegenheitssurfern, die am Rechner weder viel arbeiten noch spielen, durchaus genügen kann: Die Kunden entdecken den Leistungspragmatismus.

Für die Konzerne sind all das bittersüße Nachrichten. Zwar erreicht der Absatz wahrscheinlich rund 13,1 Millionen verkaufte Rechner und damit mehr als je zuvor, zugleich wird der Umsatz der Branche aber sinken. Um 4,8 Prozent, glaubt der Bitkom, werde der Umsatz einbrechen. Trotzdem bleiben Computer eines der wichtigsten Segmente im Elektronikmarkt: Rund 6,8 Milliarden Euro, so die Bitkom-Prognose, werden die von der Krise angeblich so verschüchterten Deutschen in diesem Jahr für ihre PC ausgeben - der PC-Kauf besitzt damit offenkundig weiter eine hohe Priorität.

Und die Aussichten im kommenden Jahr, frohlockt der Bitkom, sähen zudem rosig aus. Nach Überwindung der Krise würden auch die Unternehmen wieder mehr Desktop-PC kaufen - und die Einführung von Windows 7 werde ihr Übriges tun, den Umsatz wieder anzukurbeln.

pat



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