Vorneweg-Verteidigung Palm preist sich selbst zum Verkauf an

Die einstige Kultmarke Palm steckt in der Dauerkrise: Der Marktanteil sinkt immer weiter, Palm droht, zerdrückt oder geschluckt zu werden. Dem versucht das Management nun zuvorzukommen, es soll Agenturinformationen zufolge Kaufinteressenten suchen - und hat angeblich schon erste gefunden.

SPIEGEL ONLINE

New York - Der verlustreiche Smartphone-Hersteller Palm sucht einen Ausweg aus seiner misslichen Lage. Die Firma, die als Erfinder von PDA und Smartphone gilt, hat in den letzten Jahren nicht mehr an alte Erfolge anknüpfen können, sah sich von Konkurrenten wie Apple, RIM oder den Android-Handys rechts überholt.

Alle Hoffnungen ruhten zuletzt auf dem Palm Pre, dem ersten wirklich konkurrenzfähigen Smartphone der Firma seit Jahren. Doch obwohl das Pre bei den Kritikern punkten konnte, zeichnet sich inzwischen auch hier ab, dass die Kunden nicht mitziehen. Palm-Chef Jon Rubinstein hatte zuletzt einräumen müssen, dass die Leistung des Unternehmens "sehr enttäuschend" gewesen sei. Die Geräte liegen wie Blei in den Regalen der Händler. Rubinstein musste die Prognose zusammenstreichen. Jetzt griff das Palm-Management zu einer ungewöhnlichen Maßnahme, den weiteren Niedergang zu stoppen.

Das Unternehmen hat sich nach einem Bericht der Finanz-Nachrichtenagentur Bloomberg selbst zum Verkauf gestellt. Der taiwanische Rivale HTC und der chinesische Computerhersteller Lenovo hätten bereits Interesse gezeigt, hieß es am Montag. Schon diese Woche könnte Palm demnach die ersten Angebote einsammeln.

Besser Kaufkandidat als immer nur Thema für Krisengerüchte

Palm mag damit einer Übernahme zuvorkommen, auf deren Konditionen die Firma dann nur noch wenig Einfluss nehmen könnte. Denn das Standing der einstigen Kultmarke, deren Produkte auch Prestigeobjekte wie heute ein iPhone waren, wird immer schwächer: Der Taschen-Telefoniercomputer-Pionier droht, von Branchengrößen erdrückt zu werden. Palm verliert anhaltend Marktanteile und schreibt trotz des Booms der multifunktionalen Handys rote Zahlen. Apple setzte im wichtigen Weihnachtsgeschäft neunmal so viele seiner iPhones ab. Auch RIM mit seinen Blackberrys spielt in einer ganz anderen Liga.

Dass jetzt darüber geredet wird, Palm könne verkauft werden, ist dagegen gut für das Geschäft, zumindest aber für den Nennwert des Unternehmens: Bereits in der vergangenen Woche hatten wiederholte Übernahmespekulationen den arg gebeutelten Börsenkurs von Palm um fast ein Drittel steigen lassen. Größter Anteilseigner ist mit 30 Prozent der Risikokapitalgeber Elevation Partners. Käufer dürften es vor allem auf das neue Handy-Betriebssystem WebOS abgesehen haben. Auch der Name hat - vor allem in den USA - immer noch einen guten Klang.

Kaufkandidat HTC ist ein Aufsteiger der Branche. Die Taiwaner verkaufen erfolgreich Handys unter eigenem Namen und fertigen für andere Firmen. So kommt Googles Smartphone Nexus One aus dem Hause HTC. Für chinesische Unternehmen wie Lenovo würde der Kauf den boomenden Markt der multifunktionalen Handys öffnen. Palm ist aktuell gut 870 Millionen Dollar (650 Mio. Euro) wert.

pat/dpa



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heffenberg 13.04.2010
1. Selber schuld
Die sollten einen Nachfolger des Palm TX auf den Markt bringen, mit dem man telefonieren kann und auf dem die unzähligen alten Palm-Programme laufen. Mit einem Browser, der nicht bei jedem Start 15 Gedenksekunden braucht, der Flash abspielen kann und möglichst selten abstürzt. Dazu eine Version des Palm Desktop 4.1, die mit aktuellen Betriebssystemen klarkommt, Umlaute versteht und Termine zulässt, die länger als bis 23:59 dauern. Hunderttausende begeisterter und treuer Palm-Fans auf der Welt würden ihnen die Bude einrennen. Statt dessen müssen diese Fans hoffen und beten, daß ihre Palms nicht den Geist aufgeben, denn neu kaufen kann man sie ja nicht und ein Ersatz von Palm oder irgendeiner anderen Firma ist nicht in Sicht.
No.1, 13.04.2010
2. Presse: Pre Plus und Pixi Plus kommen bei O2 und Vodafone
Wie Golem (http://www.golem.de/1004/74436.html) berichtet, sollen die Plus-Modelle in Kürze auch in Deutschland erscheinen. Ob (und wenn ja: wann?) Palm verkauft wird, ist mir derzeit eher egal, denn ich glaube, dass die aktuellen Modelle noch ein paar Jahre gepflegt werden, und wenn es nur durch eine Entwicklergemeinde ist. Was dann in zwei Jahren auf dem Markt ist, werden wir sehen. Was die PalmOS-Modelle betrifft: Vielleicht kommt da von Dmitry Grinberg (http://dgosblog.blogspot.com/) noch was, sofern er Zeit findet. Ich bezweifle allerdings, dass Palm selbst die PalmOS-Reihe noch in irgendeiner Form weiterentwickelt. Schön wäre es, wenn PalmOS als OpenSource freigegeben würde. Dem stehen aber IMHO zahlreiche Patente entgegen.
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