Updates für iPhones Was Apple bei seiner Neuheiten-Show zu erwähnen vergaß

Fast zwei Stunden lang hat Apple am Montag neue Software präsentiert. Die News kamen im Sekundentakt. Einige spannende Informationen sind trotzdem auf der Strecke geblieben.
Betaversionen von iOS 15, iPad OS 15 und macOS Monterey

Betaversionen von iOS 15, iPad OS 15 und macOS Monterey

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

iOS 15, iPadOS 15 und macOS Monterey – da kommt einiges zusammen. Für einige Details hat Apple am Montag keine Zeit gefunden, trotz der rund zweistündigen Show:

iPhones werden zu XL-AirTags

Mit iOS 15 führt Apple die Möglichkeit ein, ein verlorenes oder gestohlenes iPhone auch dann noch zu orten, wenn es ausgeschaltet oder sogar auf die Werkseinstellungen zurückgesetzt worden ist. Wie genau das funktioniert, hat das Unternehmen nicht erklärt. Man kann aber annehmen, dass ein paar Komponenten auch nach dem Abschalten noch mit Strom versorgt werden und das iPhone quasi wie ein AirTag funktioniert und über das Wo-ist?-Netzwerk geortet werden kann – zumindest, solange irgendwelche anderen Apple-Geräte in der Umgebung sind.

Wie lange nach dem Abschalten diese Möglichkeit besteht, lässt Apple offen, ergänzt aber, dass Anwenderinnen und Anwender künftig auch benachrichtigt werden, wenn sie »ein AirTag, Apple Gerät oder Zubehör des Wo-ist?-Netzwerks an einem unbekannten Ort zurückgelassen«, also möglicherweise verloren, haben. Das klingt praktisch.

Wer gern gefährlich lebt, kann die Möglichkeit zur Ortung bei abgeschaltetem Handy in den Einstellungen deaktivieren.

Zweiter Faktor eingebaut

In vielen Diensten kann man seinen Account mithilfe eines sogenannten zweiten Faktors absichern. Zusätzlich zum Passwort muss man dann einen bei jedem Log-in generierten Code eingeben, um sich zu identifizieren. Firmenwebsites und -netzwerke verlangen oft nach einer solchen Absicherung. In der Regel werden dafür Apps wie Microsoft Authenticator oder Google Authenticator genutzt.

Apple hat diese Funktion nun direkt in die Betriebssysteme von iPhones, iPads und Macs eingebaut. In den Einstellungen für Passwörter gibt es dafür die neue Option »Bestätigungscode konfigurieren«. Hier kann man entweder einen Konfigurationsschlüssel eingeben oder, viel bequemer, einen QR-Code einscannen, falls der jeweilige Anbieter so etwas auf seiner Website anbietet und das System unterstützt. Manche Unternehmen legen sich jedoch auf eine bestimmte Authenticator-App fest.

Sollte jedoch alles klappen, füllt Apples Betriebssystem bei der Anmeldung künftig nicht nur automatisch Nutzername und Passwort aus, sondern setzt auch gleich den Zweifaktor-Code ein.

Mehr Privatsphäre, aber nicht überall

Optionen für Private Relay

Optionen für Private Relay

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Mit den neuen Betriebssystemen bekommen iCloud-Nutzer, die ein Speicherplatz-Abo bei Apple buchen (ab 99 Cent pro Monat), zum einen die Möglichkeit, Apple für die Anmeldung bei Onlinediensten eine anonyme E-Mail-Adresse einrichten zu lassen. Alle Nachrichten, die an diese Adresse geschickt werden, leitet der Dienst dann an die echte Adresse der Nutzerin oder des Nutzers weiter. Sollte eine solche Adresse, etwa aufgrund eines Datenlecks beim jeweiligen Anbieter, für den Versand von Spam oder Phishingmails genutzt werden, kann man sie leicht deaktivieren oder an sie gerichtete Mails herausfiltern.

Eine andere Funktion, die zahlenden iCloud-Kunden künftig bereitsteht, ist das sogenannte Private Relay, das den Datenverkehr eines Nutzers verschleiert, sodass beispielsweise für Internetprovider nicht nachvollziehbar ist, wer wann welche Internetadresse aufgerufen hat. Das System erinnert an die Funktionsweise von Virtual Private Networks (VPN) und des Anonymisierungsnetzwerks Tor, funktioniert technisch aber anders.

Im Nachgang schränkte Apple allerdings ein, dass diese Funktion aus »regulatorischen Gründen«  nicht überall auf der Welt verfügbar sein wird. Demnach wird die Privatsphärefunktion in Belarus, China, Kolumbien, Ägypten, Kasachstan, Saudi-Arabien, Südafrika, Turkmenistan, Uganda und den Philippinen nicht nutzbar sein.

Der Umstieg wird leichter

Offenbar hat Apple mitbekommen, dass viele Nutzer Schwierigkeiten haben, nach dem Kauf eines neuen iPhones ihre Daten komplett vom alten auf das neue Gerät zu übertragen. In den Einstellungen findet man unter Zurücksetzen deshalb in iOS 15 den Menüpunkt Für neues iPhone vorbereiten. Hier kann man zugleich prüfen, wie viel man bei Apple noch für das alte Modell bekommen würde, wenn man es beim Kauf eintauscht. Vor allem aber hilft die Funktion, Daten und Apps in die iCloud zu überspielen, um sie von dort auf das neue iPhone zu kopieren.

Temporärer iCloud-Speicherplatz

An der Regel, dass nicht zahlende iCloud-Nutzer sich mit mageren fünf Gigabyte Speicherplatz begnügen müssen, hat Apple seit vielen Jahren nichts geändert und tut das auch jetzt nicht. Wohl, weil dieses Limit den meisten Nutzerinnen und Nutzern nicht ausreicht, um ihre Daten via Cloud beispielsweise von einem alten auf ein neues iPhone zu übertragen, bietet das Unternehmen Nichtabonnenten jetzt für maximal drei Wochen unbegrenzten iCloud-Speicherplatz an. So soll man »ganz einfach Fotoalben, Dateien, Ordner und Einstellungen für Bedienungshilfen übertragen« können.

Die Wallet räumt auf

Wer Apples digitale Brieftasche »Wallet« viel benutzt, weiß, dass sich darin mit der Zeit regelrechte Berge digitaler Tickets anhäufen. Disziplinierte Menschen sorgen da natürlich selbst für Ordnung, indem sie abgelaufene Karten regelmäßig löschen. Alle anderen freuen sich, dass Wallet das in iOS 15 selbst erledigt. Nach welchen Kriterien die App dabei vorgeht, ist zumindest in der ersten Betaversion noch nicht erkennbar, denn zum Teil wurden in einem ersten Test noch längst veraltete Karten angezeigt.

Wer nicht will, muss nicht auf iOS 15 umsteigen

Betaversion von iPadOS 15: Wer nicht will, kann auch die finale Version auslassen

Betaversion von iPadOS 15: Wer nicht will, kann auch die finale Version auslassen

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Nach der Veröffentlichung eines großen iOS-Updates war es für Besitzerinnen halbwegs aktueller iPhones bisher ratsam, dieses auch zu installieren. Denn Sicherheits-Updates für diese Geräte wurden dann nur noch für die neue iOS-Version bereitgestellt. Zwar lieferte Apple weiterhin auch Updates für ältere iOS-Versionen, schaltete diese jedoch nur für Geräte frei, die mit dem aktuellen iOS nicht kompatibel waren.

Mit iOS 15 hebt Apple diese Beschränkung auf, berichtet »9to5Mac «: »Benutzer haben die Wahl, auf iOS 14 zu bleiben und wichtige Sicherheitsupdates zu erhalten, oder auf iOS 15 zu aktualisieren, um alle neuen Funktionen zu nutzen.« Davon werden vor allem zwei Nutzergruppen profitieren: zum einen die Skeptiker, die sich an den Sinnspruch »Traue nie einer Version 1.0« halten und mindestens auf das erste kleinere Update der neuen Version warten, bevor sie ihr Gerät aktualisieren. Die andere Gruppe sind Unternehmen, die ein großes Update erst ausführlich testen wollen, bevor sie es ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern freigeben.

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