Wegen Windows-8-Leaks Ex-Microsoft-Mitarbeiter zu Haftstrafe verurteilt

Ein Mann, der einem Blogger aus Wut geheime Unterlagen über Windows 8 gegeben hatte, ist von einem US-Gericht zu mehreren Monaten Haft verurteilt worden. Die gleichzeitig ausgesprochen Geldstrafe nimmt sich dagegen milde aus.

Microsoft-Logo: Drei Monate Gefängnis wegen Verrat von Firmengeheimnissen
DPA

Microsoft-Logo: Drei Monate Gefängnis wegen Verrat von Firmengeheimnissen


Der ehemalige Microsoft-Mitarbeiter Alex Kibkalo muss ins Gefängnis. Ein Richter in Washington folgte dem Antrag der Staatsanwaltschaft und verurteilte den Russen zu einer dreimonatigen Gefängnisstrafe. Die gleichzeitig geforderte Geldstrafe von 22.500 Dollar mochte er aber nicht gegen den Mann aussprechen, der sieben Jahre lang im Libanon für Microsoft gearbeitet hat. Stattdessen beließ er es bei einer Buße von 100 Dollar.

Kibkalo hatte 2012 geheime Informationen über die Windows-8-Variante Windows RT, ein Software-Entwickler-Kit sowie Informationen über Microsofts Aktivierungsserver an einen französischen Blogger weitergegeben. Der Grund für sein illegales Handeln war die Wut über eine schlechte interne Bewertung seiner Arbeit.

Große Mühe seine Identität zu verschleiern, gab sich der der damalige Microsoft-Mitarbeiter allerdings nicht. So kommunizierte er mit dem Blogger über einen E-Mail-Account, der unter seinem Klarnamen lief. Fatal war für ihn, dass jener Blogger die von Kibkalo gelieferten Daten an Dritte weitergab, um deren Echtheit überprüfen zu lassen. Die Angesprochenen jedoch meldeten das Leck an Microsoft, woraufhin der Konzern Ermittlungen veranlasste.

Stöbern im Hotmail-Account

Eben diese Ermittlungen brachten dem Konzern allerdings reichlich Kritik ein. Um dem Urheber des Datenlecks auf die Spur zu kommen, durchsuchte das Unternehmen das Hotmail-Konto des Bloggers - ohne richterlichen Beschluss. Nicht nur angesichts der NSA-Enthüllungen eine Maßnahme, für das sich der Konzern rechtfertigen musste.

In einer Stellungnahme rechtfertigt sich Microsoft für sein Vorgehen: "Um unsere Kunden zu schützen und die Sicherheit und Integrität unserer Produkte zu gewährleisten, haben wir über mehrere Monate eine Untersuchung durchgeführt, gemeinsam mit Strafverfolgungsbehörden in mehreren Ländern", heißt es darin. Die Nutzungsbedingungen der Microsoft-Dienste würden Überprüfungen wie die nun kritisierte ganz klar zulassen. Praktisch vorkommen würden sie aber nur in absoluten Ausnahmefällen. Im konkreten Fall allerdings habe es klare Anzeichen für eine kriminelle Handlung gegeben.

Tatsächlich gelang es dann auch, Alex Kibkalo über Nachrichten im fraglichen Hotmail-Postfach zu identifizieren. Mit den Ermittlungsergebnisse konfrontiert, gestand der sein Fehlverhalten sofort ein und wurde wenig später festgenommen.

mak

Mehr zum Thema


insgesamt 7 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
leo19 16.06.2014
1. Wer vertraut schon microsoft?
Wie naiv muss man sein, um microsoft zu vertrauen? Naja, es soll sogar Leute geben, die Google oder facebook vertrauen. Vermutlich alles CDUSPD-Wähler!
Bakturs 16.06.2014
2. Zulässig
"Die Nutzungsbedingungen der Microsoft-Dienste würden Überprüfungen wie die nun kritisierte ganz klar zulassen." Microsoft darf also meine Hotmail E-Mail Accounts einfach so durchwühlen? Was sagen die Datenschützer in Deutschland zu dieser Aussage?
tpro, 16.06.2014
3.
Zitat von Bakturs"Die Nutzungsbedingungen der Microsoft-Dienste würden Überprüfungen wie die nun kritisierte ganz klar zulassen." Microsoft darf also meine Hotmail E-Mail Accounts einfach so durchwühlen? Was sagen die Datenschützer in Deutschland zu dieser Aussage?
Was sollen die Datenschützer sagen? Sie haben bei der Anlage Ihres Acounts den Datenschutzbedingungen zugestimmt. Und dort steht, was mit Ihren Daten passiert: http://www.microsoft.com/privacystatement/DE-DE/MSN/default.aspx Das kommt von der "Geiz ist Geil"-Mentalität. Für unter 1,-€/Monat bekommt man schon DE-Domains mit einer richtigen Mailadresse und massenhaft Speicher.
karl.brenner 16.06.2014
4. Microsoft ist noch etwas weit weg von der Transparenz eines Open-SW LINUX
Wozu schützen die ihre Orginalquellen. Der Code soll chaotisch und grottenschlecht geschrieben sein? Die einzigen Erklärung ist, dass man Motbewerber der Anwender-SW abhalten möchte. Und dass die NSA haufenweise Zeug eingebaut hat.
ralf_si 16.06.2014
5.
Zitat von Bakturs"Die Nutzungsbedingungen der Microsoft-Dienste würden Überprüfungen wie die nun kritisierte ganz klar zulassen." Microsoft darf also meine Hotmail E-Mail Accounts einfach so durchwühlen? Was sagen die Datenschützer in Deutschland zu dieser Aussage?
Wären Sie eigentlich überrascht, wenn gleiches auf Google und Yahoo zutrifft oder regen Sie sich nur auf, weil Microsoft erwähnt wurde? Angesichts dessen, wie Google auf SPON hochgelobt wird (von Herrn Kremp & Co) würde es mich nicht wundern, wenn Sie die Sache einseitig betrachteten.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.