Fünf Jahre Apple Watch Wie Apples Smartwatch vom Flop zum Klassiker wurde

Der Versuch, die Apple Watch als Luxusobjekt zu positionieren, schlug fehl. Fünf Jahre später weiß Apple, was Nutzer wirklich brauchen - und verkauft mehr Uhren als die ganze Schweizer Uhrenindustrie.
In ihrer aktuellen Inkarnation ist die Apple Watch endlich auch Uhr, mit einem Display, das die Zeit dauerhaft anzeigt

In ihrer aktuellen Inkarnation ist die Apple Watch endlich auch Uhr, mit einem Display, das die Zeit dauerhaft anzeigt

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Als Apple im April 2015 mit dem Verkauf der gut ein halbes Jahr zuvor angekündigten Apple Watch begann, verflog sich der Konzern im ersten Jahr gründlich. Als Sportuhr in Alu, wertigere Variante in Edelstahl und echtgoldene Luxusuhr sollte die Apple Watch zum Lifestyle-Objekt werden.

Aber die Software war lahm, Apps liefen nicht auf der Uhr selbst, sondern auf dem iPhone, sie liehen sich das Display der Smartwatch nur. Man musste schon viel Zeit und Liebe aufbringen, um ein paar Dutzend Sekunden lang auf eine Reaktion einer App wartend auf das Handgelenk zu starren, statt einfach das iPhone aus der Tasche zu holen.

Ein Softwareupdate versprach schnelle Besserung. Tatsächlich aber brachte erst ein Hardwareupdate, ein Jahr später, eine akzeptable Geschwindigkeit. Wer einen fünfstelligen Betrag in eine goldene Apple Watch investiert hatte, trug eine Investitionsruine am Handgelenk. Apple stellte die Gold-Edition ein.

Im Herbst 2016 sollten zwei neue Modelle erscheinen: Die wasserdichte Apple Watch Series 2 mit GPS sowie die Apple Watch Series 1, die bis auf den schnelleren Prozessor identisch mit dem ersten Modell war. Die Series 2 wurde ein wenig autarker vom iPhone, konnte Waldläufe und Radtouren nun selbstständig aufzeichnen und später auf dem iPhone darstellen.

Vor allem aber liefen Apps nun in akzeptabler Geschwindigkeit auf der Uhr selbst. Apples Smartwatch war vom iPhone-Anhängsel zum eigenständigen Gadget geworden. Zugleich veränderte sich, was die Kunden von einer Smartwatch erwarteten. Statt als Computer am Handgelenk sah man die Watch jetzt als Fitness-Gadget an.

Der Kenner erkennt den Punkt

Die entscheidende Innovation der darauf folgenden Apple Watch Series 3 war die LTE-Option. Auch ohne ein iPhone in der Tasche war man nun unterwegs für Benachrichtigungen und sogar Telefonanrufe erreichbar. Bemerkenswert bei alledem: Während die Technik mit jedem neuen Modell verfeinert und modernisiert wurde, blieb das Design der ersten vier Modelle stets gleich.

Während Konkurrenten wie Samsung jedes Jahr einen neuen Entwurf dessen lieferten, was sie sich unter einer Smartwatch vorstellten, veränderte Apple äußerlich nichts. Nur Insider konnten neue Modelle an feinen Details erkennen, die Apple veränderte, bei der LTE-Uhr etwa den dicken roten Punkt auf der Krone.

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Ein erstes echtes Redesign gab es erst Ende 2018 mit der Series 4, deren größeres Display abgerundet der Kontur des Gehäuses folgte. Mit diesem Modell verschob sich die Wahrnehmung der Uhr erneut. Nun rückte die Gesundheit in den Fokus. Die Uhr kann Stürze erkennen, bei einem unregelmäßigen Herzrhythmus warnen und ein einfaches EKG erzeugen, indem sie einen Stromkreis zwischen Handgelenk und einer Fingerspitze der gegenüberliegenden Hand vermisst. Die im vergangenen Jahr eingeführte Series 5 brachte einen Kompass sowie ein Display, das stets die Uhrzeit anzeigt. Aus der Apple Watch war eine richtige Uhr geworden - und ein für den Konzern mittlerweile essenzielles Produkt.

Fetter Beifang

Essenziell auch, weil die Watch nicht nur einmal, beim Verkauf, Geld in die Kassen des Konzerns spült. Auch die Möglichkeit, den Look der Uhr durch Armbänder in verschiedenen Farben und Größen zu personalisieren, spielt eine Rolle. So werden einerseits modebewusste Kunden gelockt, die mit Technik nichts am Hut haben, andererseits satte Gewinne erzielt. Mit der Einbindung eines eigenen App-Stores auf der Uhr selbst implementiert Apple zudem ein Erfolgskonzept seiner iPhones auf der Smartwatch: Denn bei jedem Verkauf einer App verdient das Unternehmen mit.

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Ohnehin dominiert Apples Smartwatch, die für viele anfangs nach einem Flop aussah, mittlerweile den Markt. Die Kalifornier verkaufen nicht nur mehr Smartwatches als alle Mitbewerber, sondern sogar mehr als die gesamte Schweizer Uhrenindustrie. Die konservative Sturheit des Unternehmens, jahrelang am ursprünglichen Design festzuhalten, zahlt sich längst aus: Eine Apple Watch erkennt man ebenso schnell wie einst Apples weiße iPhone-Kopfhörer. Und genau wie die Kopfhörer wird längst auch die Apple Watch kopiert. Eigentlich ein gutes Zeichen, denn kopiert wird nur, was Erfolg verspricht.