Finales Windows 10 Microsofts verräterische Versionsnummer

Microsoft hat begonnen, eine neue Variante von Windows 10 an Betatester zu verteilen. Schon die Versionsnummer legt nahe, dass es sich um die finale Fassung handeln könnte.

Matthias Kremp

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Wer sich bei Microsoft als freiwilliger Tester für Vorabversionen von Windows 10 angemeldet hat, kann seit Donnerstag eine besondere Fassung des neuen Betriebssystems installieren. Per Blogpost kündigte Microsofts Entwicklungschef Gabe Aul an, das System mit der Versionsnummer 10240 stehe ab sofort bereit.

Das ist in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert. Zum einen, weil die Software dieses Mal gleichzeitig für alle Teilnehmer bereitsteht. Bisher wurden die Betaversionen immer zuerst an Tester verteilt, die sich für den sogenannten Fast Ring angemeldet und damit signalisiert hatten, das Update besonders schnell bekommen zu wollen.

Zudem handelt es sich um die erste Version von Windows 10, die ausschließlich über die Updatefunktion des Betriebssystems erhältlich ist, also nicht mehr direkt heruntergeladen werden kann.

So sieht Windows 10 aus

Bereits mit der Version 10049 wurde der neue Webbrowser Spartan eingeführt. Mit dem Update vom 23. April bekommt er Detailverbesserungen und Fehlerkorrekturen.

Neue Vorabversionen von Windows 10 kann man in den Systemeinstellungen, unter Update und Wiederherstellung herunterladen. Ende April stehen dort neben der Vorabversion 10061 diverse Sicherheits-Updates bereit.

Das neue Startmenü: In ähnlicher Form wie hier in der zweiten Windows-10-Vorabversion gab es das auch schon in der ersten Preview-Version. Im Grunde ist es eine Mischung aus altem Startmenü und der Kacheloptik von Windows 8.

Darf es auch ein bisschen mehr sein? Neu ist, dass man das Startmenü per Mausklick jetzt bildschirmfüllend vergrößern kann. Das ähnelt sehr dem Erscheinungsbild von Windows 8 und ist vor allem auf Tablets nützlich. Vom Desktop aus lässt sich die vollflächige Darstellung auch über die Windows-Taste aktivieren.

Settings: In erster Linie heben sich die Systemeinstellungen von Windows 10 optisch durch eine feinere Grafik von denselben Funktionen in Vorversionen ab.

Wo soll es hin? Nutzer von Windows-Smartphones kennen diese Funktion bereits: Per Storage Sense kann man Dateien je nach Dateityp an unterschiedlichen Orten speichern lassen.

Alles auf Anfang! Oder lieber doch nicht? Windows 10 bietet verschiedene Möglichkeiten, das Betriebssystem aufzufrischen oder zu einer vorherigen Version zurückzukehren, ohne dass dabei Daten verloren gehen.

Mehr Privatsphäre: In den Privatsphäre-Einstellungen lässt sich sehr kleinteilig festlegen, welche Apps beispielsweise Mikrofon und Webcam nutzen dürfen und welche die Standortinformationen.

Individualisierung: Für viele Anwendungen lässt sich einstellen, welche App das System als Standard verwenden soll. Ist keine alternative App vorhanden, kann man sich passende Apps im Windows Store anzeigen lassen.

Windows-Explorer: Eine etwas aufgefrischte Optik sorgt für ein moderneres Erscheinungsbild. Zwischen unterschiedlichen Darstellungsgrößen kann man mit der Tastenkombination STRG-SHIFT-Zahl umschalten.

Mittendrin: Microsofts Online-Speicher OneDrive ist in Windows 10 so tief integriert, dass er sich fast wie eine lokale Festplatte nutzen lässt.

Benachrichtigungszentrum: Das sogenannte Notification Center informiert über aktuelle Systemmeldungen, neue Nachrichten und anstehende Termine. Auch Drittanbieter-Apps können diesen Platz nutzen.

Neuer Windows Store: Parallel zu Microsofts etablierten Onlineshop wird in der neuen Windows-10-Version die Betaversion einer überarbeiteten Variante angeboten.

Spielkram: Beim ersten Aufruf der neuen Xbox-App wird man unmissverständlich darauf hingewiesen, dass diese Software noch nicht fertig ist. Updates sollen aber regelmäßig eingespielt werden.

Der Beweis: Schon beim kurzen Ausprobieren der Xbox-App zeigt sich, welche großen Lücken darin noch klaffen. Beim Aufruf vieler Funktionen erscheint nur der Hinweis, diese würden "bald kommen".

Gut synchronisiert: Die Photos-App von Windows 10 erinnert an ihr Pendant auf Windows-Smartphones, mit dem die Bildbestände via Cloud abgeglichen werden. Auch hier klaffen noch viele Funktionslücken.

Da geht schon was: Grundlegende Bildbearbeitungsfunktionen lassen sich mit der Photos-App schon ausprobieren.

Wissen, was geht: Die Karten-App von Windows 10 basiert auf Nokias Here-Maps und zeigt deshalb dieselben Kartendaten und Verkehrsinformationen an, die man auch in den Here-Apps für Smartphones zu sehen bekommt.

Schiefes Bild: Auch eine perspektivische Ansicht bietet die Karten-App. Leider scheinen die Kartendaten nicht überall aktuell zu sein. Die hier eingezeichnete Tankstelle beispielsweise gibt es schon seit Jahren nicht mehr.

Ein bisschen spartanisch: Grundsätzlich wird Windows 10 noch mit dem Internet Explorer ausgeliefert. Indem man in dessen Adresszeile about:flags eintippt und dann die "Experimental Web Platform Features" auf "Enabled" stellt, kann man aber immerhin schon die dem künftigen Microsoft-Browser zugrundeliegende Trident-Engine aktivieren - auf eigene Gefahr.

Zum Plappern: In die US-Variante von Windows 10 ist bereits eine Vorabversion der sprachgesteuerten Assistenzfunktion Cortana integriert.

Verkehrte Wahrnehmung: Bei manchen Fragen, die man an Cortana richtet, merkt man eindeutig, dass die Software sich auf einem Smartphone wähnt. Hier haben wir gefragt: "What's up?" Cortana gab es bisher nur auf Windows-Smartphones.

Basiswissen: Grundsätzlich lässt sich Cortana mit fast beliebigen Fragen testen. Nicht immer aber erhält man so konkrete Antworten wie hier auf die Frage, wie viele Liter eine US-Gallone sind.

Weiterführende Antwort: Bei manchen komplexen Fragen verweist Cortana nur auf eine Websuche per Bing. Das System steckt eben noch in der Entwicklungsphase.

Ein wenig Humor: Auch auf die Frage, wer denn wohl Siri - Apples Gegenstück zu Cortana - ist, hat das System eine Antwort. Wenn auch eine nur teilweise ernst gemeinte.

Die Microsoft-Expertin Mary Jo Foley und das Tech-Magazin "The Verge" sind sich einig, dass es sich bei dem Update um die finale Version handeln müsse. Das hätten anonyme Quellen bestätigt. Offiziell wird das allerdings nicht bestätigt.

Gabe Aul spricht in seinem Blogpost beispielsweise davon, die aktuelle Version sei "einen Schritt näher an dem, was Kunden am 29. Juli erhalten werden". An diesem Tag sollen die ersten Nutzer das offizielle Update bekommen. Ein Microsoft-Sprecher erklärte Mary Jo Foley auf Anfrage, man werde "den Windows-10-Code bis zur Einführung des neuen Systems weiter updaten".

"The Verge" hat allerdings ein charmantes Indiz gefunden, das dafür spricht, dass das aktuelle Update tatsächlich die finale Fassung sein könnte: die Versionsnummer.

Fotostrecke

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Windows - die Chronologie: Von Windows 1 bis Windows 10
Schön früher habe sich Microsoft bemüht, die erste zur Veröffentlichung freigegebene Windows-Version mit einer bemerkenswerten Versionsnummer zu markieren, heißt es. Bei Windows 95 war es 4.00.950, bei Windows 98 4.10.1998, bei Vista 6.0.6000. Seither muss die finale Version immer mit einer Versionsnummer markiert werden, die ein Vielfaches von 16 ist.

So ist es nun auch bei der Nummer 10240. Die in dieser Zahl enthaltene Zahl 1024 hat in der Computertechnik eine besondere Bedeutung: Bei Speicherbausteinen ist 1024 die maximale Anzahl an Speicheradressen, die von zehn binären Schaltern verwaltet werden kann, erklärt die Wikipedia. Deshalb wird Speicher bis heute in Teilbereiche von jeweils 1024 Byte, entsprechend einem Kilobyte, eingeteilt.

Eine Bezug zu Windows 10 kann man nun auf vielerlei Weise herstellen. Beispielsweise durch die Feststellung, dass 1024 mathematisch 210 ist. Außerdem rechnet "The Verge" vor, dass 10240 im Binärcode der Zahlenfolge 10100000000000 entspricht.

Referenzen zur Zahl 10 kann man in der aktuellen Versionsnummer von Windows 10 also reichlich finden. Die 10240 würde deshalb bestens zu Microsofts bisherigen Gewohnheiten bei finalen Windows-Versionen passen. Und nebenbei sind die Zahlenspielereien ein hervorragender Nerd-Spaß. Man darf gespannt sein, welche Deutungen es noch zur Nummer des aktuellen Windows-10-Updates geben wird.

mak



insgesamt 68 Beiträge
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Seite 1
spontiki 16.07.2015
1. Wann...?
Nette Verschwörungstheorien! Was die Hitze nicht alles bewirkt :-) Wann aber wird eine wirklich stabile Version von Windows 10 auf dem Markt sein? Wir User müssen doch ganz sicher zuerst wieder als Tester herhalten. Was bewirken wird, dass verantwortungsvolle Computer-Menschen frühestens im nächsten Winter umsteigen werden.
Layer_8 16.07.2015
2. TH1 Professional 10240
Bin gerade am runterladen auf meine Testpartition. Und dann mach ich gleich eine Imagesicherung von Win7, wo gestern ja nochmal ein Riesenupdate kam. Zusammen mit meinem Debian werd ich wohl ne Zeitlang dreigleisig fahren.
mahrgell 16.07.2015
3.
Außerdem rechnet "The Verge" vor, dass 102400 Kilobyte exakt zehn Megabyte Es sind aber 100 MB und nicht 10.
mipez 16.07.2015
4.
"Und nebenbei sind die Zahlenspielereien ein hervorragender Nerd-Spaß." Och bitte Herr Kremp, wir müssen uns doch nicht noch weiter in Richting BILD-Niveau bewegen, als es der Spiegel ohnehin schon versucht.
Jürgen Klaaßen 16.07.2015
5. Bitte vom Gedanken der
...Abschied nehmen. Ja, es wird natürlich einen "Abzug" geben, der dann an die OEM's geht und/oder vielleicht auch in die Presswerke. Windows 10 ist aber eben auch das erste "OS as a Service" aus dem Hause MS und somit müssen wir uns von diesen alten Modellen verabschieden. Die Update-Mechanismen werden ebenfalls aktualisiert. Windows wird in Zukunft, ebenso wie Cloud-Dienste, permanenten Veränderungen unterliegen.
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