Neues PC-Betriebssystem Microsoft stellt Windows 11 vor

Die neue Software soll innovativ und vertraut zugleich werden. Dabei wirft der Konzern Altbekanntes über Bord und bringt sogar Android in seinem System unter.
Der neue Look: Windows 11 versucht, kuschelig zu wirken

Der neue Look: Windows 11 versucht, kuschelig zu wirken

Foto: Microsoft

»This is a first version of a new era of windows«, sagte Microsoft-Chef Satya Nadella, als er nach einer 45 Minuten dauernden Onlineshow die Präsentation des neuen Microsoft-Betriebssystems Windows 11 beendete. Nadellas Worten war eine Präsentation vorausgegangen, die den Eindruck vermittelte, der Konzern sei nun auch endgültig im Zeitalter der Onlineevents angekommen. Professionell produzierte Videoclips wechselten sich mit ebensolchen Präsentationen ab. Das Tempo war hoch, die Informationsdichte auch.

Jedenfalls, wenn man die Show sehen konnte. Denn kaum hatte das Event begonnen, klagten viele Zuschauer auf Twitter, dass der Stream ruckelt oder gar nicht läuft. Microsofts pragmatische Antwort: Schaut euch den Stream auf Twitter an, der läuft.

Auch ohne Stream hübsch anzusehen: Der Dark Mode von Windows 11

Auch ohne Stream hübsch anzusehen: Der Dark Mode von Windows 11

Foto: Microsoft

Was dann zu sehen war, war eine klug kalkulierte Marketing-Show vom Feinsten, in der Microsoft-Manager Panos Panay immer wieder klarstellte, dass Windows 11 ihm ein persönliches Anliegen ist und es bei der neuen Software darum gehe, etwas zu schaffen, das neu und vertraut zugleich ist.

Das Design

Und genau das ist Windows 11 offensichtlich. Zuerst fallen die optischen Neuerungen auf: Die Ecken von Fenstern werden künftig sanft abgerundet, Pastelltöne überwiegen, halbtransparente Fenster und Beleuchtungseffekte geben dem Betriebssystem einen reduzierten edlen Look.

Mehr Licht, mehr Transparenz

Mehr Licht, mehr Transparenz

Foto: Microsoft

Das gilt auch für das neue Startmenü, das eine Abkehr vom jahrzehntealten Mantra, das Startmenü müsse links unten zu finden sein, ist und stattdessen mittig über der Taskbar sitzt. Das wirkt moderner und könnte auf Computern mit Touch-Display und Tablets sinnvoll sein. Jedenfalls für Rechtshänder, die ihren Arm dann nicht mehr weit strecken müssen, um dort hinzugelangen. Und wer sich partout nicht daran gewöhnen kann, hat die Möglichkeit, das Menü wieder an seinen alten Platz, links unten auf dem Bildschirm, zurückzuschieben.

Steht im Zentrum: Das neue Startmenü

Steht im Zentrum: Das neue Startmenü

Foto: Microsoft

Allerdings wurde nicht nur die Position, sondern auch das Layout des Startmenüs verändert. Die alten Live-Kacheln, die Windows 10 von Windows 8 geerbt hatte, hat Microsoft endgültig über Bord geworfen. Stattdessen kann man dort Icons der Apps ablegen, die man regelmäßig benutzt. Darunter listet das System die Programme und Dokumente auf, die man zuletzt benutzt hat.

Besser mit mehr Monitoren

Mit dem Homeoffice-Boom haben sich viele Anwender einen zusätzlichen Monitor angeschafft oder aus dem Büro mitgenommen. Denn so schön es unterwegs ist, an einem Notebook zu arbeiten, kann ein großer Monitor die Arbeit enorm erleichtern, wenn man mit mehreren Programmen gleichzeitig arbeitet. Und allein Outlook und Teams brauchen ja schon einiges an Fläche.

Wenn man nun also einen zweiten oder gar zwei Bildschirme ans Notebook anschließt, kann man Windows 11 anweisen, sich die Position der Fenster zu merken, wenn man den Monitor entfernt oder das Notebook in den Ruhezustand versetzt. So erscheinen sie an derselben Stelle auf dem Bildschirm, wenn man das Notebook aufweckt oder wieder mit dem Monitor verbindet. Dazu passt die Option, Fenster von einem Monitor, den man entfernt hat, automatisch zu minimieren. So wird der Bildschirm nicht vollgemüllt, wenn man vom Schreibtisch aufs Sofa wechselt.

Einfacheres Multitasking

Den Umgang mit mehreren Programmen gleichzeitig will Microsoft mit einer Funktion vereinfachen, die es leichter macht, mehrere Fenster nebeneinander auf dem Bildschirm zu platzieren, ohne dass diese sich überdecken.

Welches Layout hätten Sie denn gern?

Welches Layout hätten Sie denn gern?

Foto: Microsoft

Dazu klickt man oben rechts in einem Fenster auf das »Verkleinern«-Symbol, links neben dem »Schließen«-Kreuz. Daraufhin ploppt ein Menü auf, in dem man verschiedene Varianten neben- und übereinander liegender Fenster aufrufen kann. Welche Fenster-Layouts man dort anwählen kann, wird jeweils passend zum Seitenverhältnis und der Auflösung des Monitors festgelegt.

Ein Update für Updates

Ein wichtiger Punkt bei der Entwicklung des neuen Windows scheint zu sein, PCs durch regelmäßige Updates gegen bekannte Sicherheitslücken abzudichten, tiefer zu legen. So sollen Windows-Updates künftig nicht nur deutlich kleiner sein, die Rede war von 40 Prozent geringeren Dateigrößen, sondern zudem im Hintergrund ohne Zutun der Anwender abgearbeitet werden.

Teams-Integration

Nur einen Klick weit entfernt: Teams in Windows 11

Nur einen Klick weit entfernt: Teams in Windows 11

Foto: Microsoft

Die Chatsoftware Teams wird bei Windows 11 direkt ins System integriert, Unterhaltungen können damit aus der Taskbar heraus gestartet werden. Das gilt für Textchats, Videochats und Sprachanrufe gleichermaßen und kann für berufliche und private Chats genutzt werden. Ganz klar: Microsoft will Teams damit zur Standard-Chat-App machen, zumal es die Software auch für andere Betriebssysteme gibt.

Das Ende des Tablet-Modus

Den Tablet-Modus von Windows 10 gibt es in Windows 11 nicht mehr. Stattdessen ändert das System nur einige Details, die es leichter machen, das System mit Fingern zu steuern, wenn man etwa bei einem 2-in-1-PC die Tastatur abzieht: Die Icons in der Taskbar wandern etwas weiter auseinander, Bedienelemente werden etwas größer, damit man Fenster auch per Finger gut verschieben und deren Größe ändern kann. Zudem nutzt Windows 11 auf Tablets quasi den gesamten Bildschirm als Touchpad, auf dem die üblichen Touchpad-Gesten funktionieren.

Spielkram

Von den neuen Konsolen Xbox Series X und S leiht sich Windows 11 die Funktion Auto-HDR, die die Grafik von vielen Spielen automatisch auf einen größeren Dynamikumfang, HDR eben, umrechnet, sofern man einen HDR-fähigen Monitor hat. Eine weitere Technik, die von Microsofts Konsolen adaptiert wurde, ist DirectStorage, eine Technologie, die es Spielen ermöglicht, Inhalte direkt in die Grafikkarte des Rechners zu laden und so die Ladezeiten zu verkürzen. Eine Voraussetzung dafür ist allerdings ein dafür optimierter PC mit einer SSD der neuesten Generation.

Mit Windows 11 will Microsoft gezielt auch Gamer ansprechen

Mit Windows 11 will Microsoft gezielt auch Gamer ansprechen

Foto: Microsoft

Mit dem Xbox Game Pass bringt Microsoft außerdem sein Aboangebot für Spiele auf Windows 11, das Kunden eine große Zahl an Spielen gegen eine monatliche Gebühr zugänglich macht. Darin enthalten ist auch der Cloud-Gaming-Service xCloud, der es ermöglicht, Spiele in hoher Qualität zu streamen, wenn die Hardware des Rechners dafür zu schlapp ist. Voraussetzung dafür ist allerdings eine gute Internetanbindung.

Android-Apps

Im neuen Microsoft Store lässt Microsoft Entwickler von der Leine. Wer sein eigenes Abrechnungssystem mitbringt, müsse keinerlei Abgaben an Microsoft zahlen, versprach Panay. Diese Ankündigung dürfte in der aktuellen Diskussion über App Stores und die damit verbundenen Abgaben an deren Betreiber hohe Wellen schlagen

Instagram für Android auf einem Windows-11-PC

Instagram für Android auf einem Windows-11-PC

Foto: Microsoft

Die möglicherweise größte Überraschung war allerdings die Ankündigung, dass man unter Windows 11 Android-Apps nutzen kann. Anwendungen wie Instagram und TikTok könne man über den Umweg über den Microsoft Store aus Amazons App Store laden, sagte Panos Panay. Auf dem PC würden sie dann durch eine Technologie von Intel zum Laufen gebracht.

Da fehlt noch was

Ein nicht ganz unwichtiges Detail hat Microsoft bei seiner Präsentation am Donnerstagabend allerdings ausgelassen: Das Veröffentlichungsdatum. Man kann orakeln, dass der Konzern die Veröffentlichung für den Herbst plant. Der späte September oder Anfang Oktober wären passende Daten, zu denen dann neben der Software auch dazu passende neue Hardware von Firmen wie Dell, HP und Acer auf den Markt kommen könnte.

Trotzdem wird man Windows 11 schon vorher ausprobieren können. Die erste öffentliche Betaversion wird schon sehr bald erscheinen. Mit der sollten Neugierige allerdings zurückhaltend umgehen. Zum einen, weil solche Vorabversionen immer Fehler enthalten, die zu Abstürzen und Datenverlust führen können, zum anderen, weil diese nach Auskunft von Microsoft-Managern noch nicht alle Funktionen enthalten wird, die am Donnerstag gezeigt wurden. Diese sollen erst nach und nach hinzugefügt werden, bis das System in einigen Monaten komplett ist.

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