Neues Microsoft-Betriebssystem Was Sie über Windows 11 wissen sollten

Mit Windows 11 hat Microsoft den Nachfolger seines erfolgreichsten Betriebssystems angekündigt. Die Präsentation zeigte eine auf Hochglanz polierte Software. Einige wichtige Details ließ der Konzern aber unerwähnt.
Computersimulation von Computern: Microsoft möchte, dass Windows 11 auf vielen verschiedenen Geräten läuft

Computersimulation von Computern: Microsoft möchte, dass Windows 11 auf vielen verschiedenen Geräten läuft

Foto: Microsoft

Mit seiner Ankündigung von Windows 11 hat Microsoft am Donnerstagabend einigen Staub aufgewirbelt. Das System wird einen neuen Look bekommen, mit halbtransparenten abgerundeten Fenstern, einem neuen Startmenü und Beleuchtungseffekten. In seiner Präsentation betonte der Konzern auch, wie Multitasking und der Umgang mit mehreren Monitoren verbessert, Updates vereinfacht und die Chatsoftware Teams in das Betriebssystem integriert werden sollen.

Gut 45 Minuten lang hechteten die Manager des Unternehmens von einer Neuerung zur nächsten, versuchten zu begeistern und bloß keine Langeweile aufkommen zu lassen. Ein paar wichtige Informationen aber haben sie trotzdem ausgelassen. Zum Beispiel die zum Preis. Klar ist bisher nur, dass Windows 11 »als kostenloses Upgrade für berechtigte Windows-10-PCs verfügbar« werden soll. Genau wie seinerzeit beim Umstieg auf Windows 10 werden Nutzer der Vorversion das Upgrade also einfach herunterladen können. Darüber hinaus kann man zunächst nur spekulieren, dass die Home-Edition  wie gehabt 145 Euro und die Pro-Edition  259 Euro kosten werden.

Was aber nach der eigentlichen Präsentation noch bekannt wurde, liefern wir hier nach:

Kein Datum, keine Preisangaben: Microsoft-Manager Panos Panay während der Windows-11-Präsentation

Kein Datum, keine Preisangaben: Microsoft-Manager Panos Panay während der Windows-11-Präsentation

Foto: Microsoft

Die neuen Systemvoraussetzungen

Gegenüber Windows 10 fallen die Systemanforderungen für Windows 11  deutlich höher aus. Genügten Microsofts Betriebssystem bisher beispielsweise ein Gigabyte (GB) Arbeitsspeicher, 16 GB auf der Festplatte und ein Bildschirm mit 800 mal 600 Pixeln, verlangt die neue Software deutlich leistungsfähigere Hardware. Dazu gehören 4 GB Arbeitsspeicher, eine 64 GB große SSD oder Festplatte und ein mindestens neun Zoll großer Bildschirm mit mindestens 1280 mal 720 Pixeln.

Während es den meisten PCs nicht schwerfällt, diese Anforderungen zu erfüllen, dürften manche daran scheitern, dass das neue Windows ein sogenanntes TPM (Trusted Platform Module) 2.0 voraussetzt, einen kleinen Sicherheitschip, der auf vielen älteren Computern fehlen dürfte, zumal die geforderte Version 2.0 erst 2014 eingeführt wurde.

Ob ein Computer zu Windows 11 kompatibel ist, lässt sich sehr einfach mit Microsofts App für die PC-Integritätsprüfung  feststellen.

Wenn bei der Kompatibilitätsprüfung diese Meldung erscheint, könnte es am fehlenden TPM-Modul liegen

Wenn bei der Kompatibilitätsprüfung diese Meldung erscheint, könnte es am fehlenden TPM-Modul liegen

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Microsoft weist allerdings schon jetzt darauf hin, dass sich die Systemanforderungen im Laufe der Zeit ändern können.

Android-Apps laufen auch auf AMD-PCs

Eine der größten Überraschungen während der Präsentation des neuen Betriebssystems war die Ankündigung, dass unter Windows 11 auch Android-Apps laufen werden. Das Versprechen: Anwenderinnen und Anwender sollen lieb gewonnene Handy-Apps künftig über den Microsoft Store auf ihre Computer laden können. Microsoft arbeitet dabei mit Amazons App Store zusammen. Die Technik, mit der die Apps dann tatsächlich auf dem Computer ausgeführt werden, bezeichnete Microsoft-Manager Panos Panay als »Intel Bridge Technology«, was manche Nutzer fragen ließ, ob sie nur für PCs mit Intel-Prozessor gilt.

Android-Apps im Microsoft Store

Android-Apps im Microsoft Store

Foto: Microsoft

Dem Magazin »The Verge«  erklärte Intel nun, dass dem nicht so sei und man die Bridge-Technologie so entwickelt habe, dass sie »alle x86-Plattformen (inklusive AMD-Plattformen) unterstützt«. Laut Microsoft geht das System aber noch einen Schritt weiter und soll auf Prozessoren aller Hersteller laufen, also auch auf Systemen, die mit einem ARM-Chip ausgestattet sind.

Webcam-Pflicht für Notebooks

Was Microsoft auf seiner Website zu den Systemanforderungen nicht erwähnt: Hersteller von Notebooks und Tablets müssen ab dem 1. Januar 2023 eine Webcam in ihre Geräte einbauen, wenn sie diese mit Windows 11 ausliefern wollen. Diese Information ist nur in einem PDF zu finden, in dem die Hardwarevoraussetzungen noch einmal sehr ausführlich erklärt werden . Dort steht auch, dass die geforderten Webcams mindestens HD-Auflösung, also 1280 mal 720 Pixel, haben müssen.

Ohne Microsoft-Konto und Internet geht gar nichts

Zumindest für die »Home Edition« von Windows 11 sind laut Microsoft »eine Internetverbindung und ein Microsoft-Konto erforderlich, um die Geräteeinrichtung bei der ersten Verwendung abzuschließen.« Die bisher zwar versteckte, aber vorhandene Option, Windows nur mit einem lokalen Account zu installieren, entfällt also künftig.

Cortana wird zurückhaltender, der Internet Explorer muss gehen

Wer sich bisher darüber geärgert hat, dass Microsofts Sprachassistentin Cortana sich während der Installation der Software zu Wort gemeldet hat, kann sich künftig beruhigt zurücklehnen. »Cortana wird nicht mehr in die Erfahrung beim erstmaligen Starten einbezogen oder an die Taskleiste angeheftet«, heißt es von Microsoft. Auch der Internet Explorer, sollte er installiert sein, wird deaktiviert. Microsoft weist darauf hin, dass der Edge-Browser über einen IE-Modus verfügt, »der in bestimmten Szenarien nützlich sein kann«.

Wie man an die Betaversion kommt

Schon in der kommenden Woche will Microsoft eine erste Vorschauversion von Windows 11 veröffentlichen. Um die installieren zu können, muss man sich für Microsofts Windows-Insider-Programm registrieren. Das geht sowohl über eine Website  als auch direkt auf dem Computer, indem man in den Einstellungen unter Update und Sicherheit/Windows-Insider-Programm ansteuert. Wählt man dort den Entwicklerkanal (»Dev Channel«), ist man immer bei den ersten Versionen dabei, muss aber auch mit den meisten Fehlern rechnen. Über den »Beta-Kanal« werden stabilere Versionen verteilt, man bekommt neue Features aber erst später zu sehen.

»Insider«-Einstellungen auf einem Windows-PC

»Insider«-Einstellungen auf einem Windows-PC

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Für beide Varianten gilt, dass sie nur verfügbar sind, wenn man einen Windows-11-kompatiblen PC nutzt.

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