Windows 11 Wie Microsoft mit einem kostenlosen Update Geld verdient

In dieser Woche wird das neue PC-Betriebssystem veröffentlicht – jedoch nicht für alle. Microsoft winkt ein Milliardengeschäft.
Windows 11 auf einem Laptop: Als Upgrade kostenlos – wenn die Hardware passt

Windows 11 auf einem Laptop: Als Upgrade kostenlos – wenn die Hardware passt

Foto: Microsoft

Microsoft räumt auf und verpasst seinem Betriebssystem Windows ein modernes Design. Eigentlich hatte der Konzern vor sechs Jahren in Aussicht gestellt, für immer bei Windows 10 zu bleiben: Doch nun hat der Konzern seinem runderneuerten Betriebssystem eine neue Versionsnummer verpasst. Windows 11 startet am 5. Oktober.

Zur Premiere wird das System auf jeden Fall auf neuen PCs verfügbar sein. Darunter sind zum einen die neuen Surface-Rechner von Microsoft. Mit an Bord sind aber auch zahlreiche Hardwarepartner wie Lenovo, HP, Dell, Acer und Huawei.

Hohe Upgrade-Hürden

Windows 11 wird aber schrittweise auch als kostenloses Upgrade für bestehende Rechner mit Windows 10 angeboten. Dabei werden allerdings nur PCs zum Zuge kommen, die eine lange Liste von Voraussetzungen erfüllen. So wird ein vergleichsweise neuer Prozessor verlangt. Das sind die Intel -Prozessoren der achten Generation, Zen-2-Chips von AMD sowie ARM-Chips der Serien 7 und 8 von Qualcomm. Damit werden die Benutzer älterer Systeme mit Prozessoren aus Intels sechster oder siebter Generation sowie älteren AMD-Modellen vom Wechsel auf Windows 11 ausgeschlossen.

Bei vielen Modellen aus den Jahren 2017 und früher wird das Upgrade auf Windows 11 aber auch daran scheitern, dass auf der Hauptplatine der Rechner noch kein Sicherheitschip verbaut wurde. Microsoft setzt für das neue Windows das umstrittene Trusted Platform Module (TPM) 2.0 voraus.

Ob es Microsoft gelingen wird, mit dem neuen Windows 11 in Verbindung mit der Sicherheitshardware moderner PCs die rapide wachsende Cyberkriminalität einzudämmern, werden die kommenden Monate und Jahre zeigen. Klar ist: Bei der Abwehr von Schadprogrammen, die ganze Computernetzwerke erobern und komplette Datenbestände verschlüsseln, könnte die Kombination von Windows 11 und TPM eine wichtige Rolle spielen.

Umstritten wird das TPM aber vermutlich dennoch bleiben, auch wenn die PCs dadurch sicherer werden. Schließlich lassen sich mit dieser Architektur auch Identitäten genauer erkennen, als es manchen Anwendern gefällt. Damit könnte beispielsweise ein Lizenzmanagement der installierten Programme viel rigider umgesetzt werden als bislang.

Die recht hohen Voraussetzungen für Windows 11 lösten Kritik aus. Microsoft rechtfertigte sich Ende Juni in einem Blogeintrag: Windows 11 sei als komplettes Erlebnispaket konzipiert und entwickelt worden. »Wir brauchen eine Mindestsystemanforderung, die es uns ermöglicht, Software und Hardware anzupassen, um mit den Erwartungen und Bedürfnissen der Menschen Schritt zu halten und den wahren Wert und die Leistung des PCs zu nutzen, um jetzt und in Zukunft die besten Erfahrungen zu bieten.« Dazu gehöre auch der TPM-Chip, der unter anderem ein sicheres Hochfahren der Rechner ermögliche.

Anwenderinnen und Anwender, die Windows 11 mit ihren Maschinen nicht nutzen können, erleiden kurzfristig keine Nachteile. Die Softwareunterstützung für Windows 10 soll erst 2025 enden. Die Erfahrung bei der Ablösung von inzwischen stark veralteten Versionen wie Windows XP hat allerdings gezeigt, dass viele private Nutzer und auch gewerbliche Anwender sich vermutlich nicht rechtzeitig um einen sicheren Ersatz kümmern werden.

Es winken Milliardenumsätze

Für Microsoft und seine Partner winkt mit dem geplanten Windows-10-Verfallsdatum aber ein riesiges Geschäft. Nach Expertenschätzungen sind derzeit rund 1,3 Milliarden Personal Computer mit Windows 10 im Einsatz. Davon werden mehrere Hundert Millionen Geräte beim Check mit der »PC Health App« von Microsoft kein grünes Licht für einen Umstieg auf Windows 11 anzeigen. Diese Rechner werden über kurz oder lang ersetzt werden müssen. Und Microsoft macht mit jedem neuen PC durch die Lizenzgebühr der Hersteller schätzungsweise 25 Dollar Umsatz.

Einen Umsatzschub könnte Windows 11 auch dem Segment der Produktivitäts-Software bescheren. So wird das Kommunikationstool Microsoft Teams in Windows integriert, sodass eine noch schnellere und einfachere Kontaktaufnahme mit Kollegen, Freunden und der Familie möglich ist. Das dürfte die Umsätze des dazugehörigen Programmpakets Office 365 fördern und Teams-Konkurrenten wie Zoom oder Slack Sorgen bereiten. Slack beschwerte sich wegen der Bündelung schon im Herbst bei der EU-Kommission.

Geduld könnte sich auszahlen

Die Funktion, auch Android-Apps auf dem Windows-PC laufen zu lassen, wurde nicht rechtzeitig zum Start von Windows 11 fertig. Die Unterstützung für Android-Anwendungen soll nun erst im kommenden Jahr Einzug halten. Microsoft hat das Projekt zusammen mit Amazon entwickelt. Der Internetkonzern betreibt selbst einen App-Store für Android-Apps und macht damit Google Konkurrenz. Microsoft bekäme über diese Kooperationen zumindest in Ansätzen wieder Einfluss auf das Geschäft mit mobilen Apps. Seit dem Ende von Windows Mobile verfügt das Unternehmen über keine eigene Mobilplattform mehr.

An der Börse kamen die angekündigten Windows-11-Innovationen gut an. Seit der ersten Vorstellung des Systems Ende Juni hat der Kurs der Microsoft-Aktie um rund zehn Prozent zugelegt. Dabei hat auch eine Rolle gespielt, dass Windows 11 bei Technik-Journalisten, die bereits die Betaversion ausprobiert haben, durchweg gute Noten bekam.

Potenzielle Käufer, die sich einen neuen PC zulegen wollten, sollten aber, wenn möglich, den Kauf um einige Monate verschieben, raten Verbraucherschützer. In der Coronakrise haben Unternehmen, Organisationen und Schulen insbesondere den Laptopmarkt quasi leergekauft. Vor diesem Hintergrund haben die Hersteller keinen Grund, attraktive Schnäppchen anzubieten. Im Sommer 2022 könnte die Lage anders aussehen.

Von Christoph Dernbach, dpa