Microsoft Blue Jedes Jahr ein neues Windows

Microsoft macht offenbar ernst: Der Konzern wolle ab 2013 jährlich neue Windows-Versionen anbieten, berichten diverse Medien. Für Anwender sollen die Updates kostenlos sein - wenn sie ehrlich sind. Für Firmen wäre der neue Rhythmus ein Problem.
Windows-Logo: Künftig Upgrades statt Service-Packs

Windows-Logo: Künftig Upgrades statt Service-Packs

Foto: AFP

Das sich am Update-Rhythmus von Windows etwas ändern wird, hatte sich schon vor Wochen angekündigt. Noch bevor das neue Betriebssystem in den Handel kam, veröffentlichte Microsoft die ersten Patches für Windows 8. Dutzende Apps wurden aktualisiert, Sicherheitslücken geschlossen. Mit den Updates habe man vermeiden wollen, dass sich Windows-8-Käufer noch monatelang mit bekannten Fehlern herumschlagen müssen, bevor das erste sogenannte Service-Pack veröffentlicht wird, erklärte der Konzern. Unterschwellig deutete sich damit das Ende dieser Update-Pakete an.

Denn bisher war es bei Microsoft üblich, Updates für eine neue Windows-Version zu sammeln und mit deutlicher Verzögerung, als Hunderte Megabyte großes Service Pack, an die Nutzer weiterzugeben. Windows 7 beispielsweise kam im Oktober 2009 in den Handel, das erste Service Pack für das PC-Betriebssystem erschien im Februar 2011. Eineinhalb Jahre später wurde Windows 8 veröffentlicht.

Dieser Rhythmus soll sich nun offenbar ändern. Anstelle von Service Packs wolle Microsoft künftig jährlich eine neue Betriebssystemversion als Update oder Upgrade anbieten, berichtet "ZDnet ". Der Codename für das erste Update dieser Art lautet demnach Blue. Anders als Service Packs, die sich weitgehend darauf beschränkten, Fehler zu beheben und bekannte Funktionen zu verbessern, werde Windows Blue auch Änderungen der Benutzeroberfläche sowie grundlegende neue Funktionen enthalten, schreibt "The Verge ".

Wie billig wird es wirklich?

Mit einer solchen Strategie nähere sich der Windows-Konzern noch mehr an Apples Erfolgsrezept an, als er es ohnehin schon tut, deutet "Boy Genius Report " die Berichte. So habe Microsoft mit seinen Ladengeschäften die Apple Stores kopiert und versuche mit Produkten wie dem Surface-Tablet Soft- und Hardwareentwicklung ähnlich eng zu verzahnen, wie Apple es tut.

Der Gedanke liegt nahe, schließlich veröffentlicht auch Apple alle ein bis zwei Jahre große Betriebssystem-Updates, die den Kunden zu niedrigen Preisen angeboten werden. Das aktuelle OS X 10.8 etwa kostet als Upgrade nur 18 Euro. Auch diesem Pfad will Microsoft nun offenbar folgen. So berichten verschiedene US-Medien, die für Sommer 2013 geplante neue Windows-Version solle Bestandskunden gegen ein geringes Entgelt oder gar kostenlos angeboten werden.

Updates gegen Raubkopierer

Ein Vorteil für Microsoft wird wohl sein, dass Windows Blue eine legale Windows-Kopie voraussetzt. Installiert man die Software über ein illegal kopiertes Windows, würden die vorinstallierten Apps ihren Dienst versagen, und der Windows Store könnte nicht mehr genutzt werden. Auf diese Weise könnte Microsoft versuchen, zahlungsunwillige Nutzer zu zahlenden Kunden umzuerziehen.

Schwerer dürfte es der Konzern haben, mit solchen jährlichen Updates Applaus von Firmenkunden zu bekommen, schreibt allerdings "Neowin ". Die Nachrichtenseite zitiert zwei Analysten mit ähnlich lautenden Aussagen: Für Heimanwender sein ein auf jährliche Updates beschleunigter Updatezyklus zwar wünschenswert, für Firmen aber nicht. Deren IT-Administratoren müssten eine neue Windows-Version erst ausführlich testen, bevor sie diese auf ihren Firmenrechnern verteilen. Sie raten zu getrennten Zyklen: Einem schnellen für Endanwender und einem in der gewohnt gemächlichen Weise, für Firmenkunden.

Noch allerdings gehen diese wohlgemeinten Tipps ins Leere. Microsoft selbst hat sich zu den Berichten über Windows Blue bislang nicht offiziell geäußert.

mak