Acer-Headset für Windows Mixed Reality Liebloser Fortschritt

Diese Woche sind gleich mehrere neue Virtual-Reality-Brillen für Windows 10 erschienen. Doch was taugt Windows Mixed Reality? Wir haben beispielhaft ein Acer-Headset ausprobiert.

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Ich habe gefühlt schon meine halbe Wohnung umgebaut, um Virtual-Reality-Brillen zu testen. Als ich etwa die HTC Vive daheim ausprobierte, brauchte ich mehrere Verlängerungskabel und baute mir einen Turm aus Bügelbrett, Wäschekorb und einem Ministativ. Nur so schaffte ich es, einen der Bewegungstracker auf der richtigen Raumseite und in den gewünschten zwei Metern Höhe anzubringen. Eine falsche Bewegung unter der Brille und alles wäre zusammengefallen.

Bei Acers neuer Brille für die virtuelle Realität (VR), Windows-Mixed-Reality-Headset genannt, gibt es solche Probleme nicht. Die Brille hat zwei integrierte Kameras. Inside-Out-Tracking wird dieses System genannt, für das man keine Sensoren oder Tracker im Raum anbringen muss - anders als bei den Konkurrenz-Brillen HTC Vive und der Oculus Rift.

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Brillen-Bilanz: So steht es gerade um Virtual Reality

Das 440-Gramm-Headset wird über ein vier Meter langes Kabel, das in einer USB-3.0-Buchse und in einem HDMI-Ausgang mündet, mit dem Rechner verbunden - es bleibt also bei nur einer Stolperfalle beim Spielen.

Und noch eine Sache gefällt: Die Vorderseite des Headsets lässt sich hochklappen. Das ist praktisch, wenn man zum Beispiel eine Wasserflasche oder ein Kopfhörerkabel sucht. Das Acer-Modell eignet sich zudem auch für Brillenträger wie mich, weil der Hersteller ausreichend Platz für eine doppelte Bebrillung gelassen hat.

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Neues Headset: Das ist Acers Mixed-Reality-Brille

449 Euro für Brille samt Controllern

Acers Mixed-Reality-Set kostet 449 Euro. In diese Größenordnung fallen auch technisch vergleichbare Pakete von den Firmen Dell, HP und Lenovo, die dieser Tage ebenfalls im Handel landen. Die Systemanforderungen für alle Windows-Mixed-Reality-Geräte lassen sich hier nachschauen.

Zum Acer-Paket gehören zwei Controller, die an die der HTC Vive erinnern. Ihre aufregendste Eigenschaft: Sie leuchten. Das lenkt davon ab, wie klobig ihr Design wirkt.

Den Eindruck, man habe für sein Geld ein extrem hochwertiges Produkt erworben, dürften Käufer der Acer-Brille selten haben: Das fängt bei der unspektakulären Verpackung an und endet bei der Feststellung, dass sich im Karton weder ein Kopfhörer zum Anschluss ans Headset befindet, noch ein Bluetooth-Dongle. Letzterer ist nicht in jedem PC standardmäßig eingebaut, wird aber gebraucht, damit der Rechner und die Controller sich verbinden.

Wenig einladend wirkt auch das Windows-Mixed-Reality-Programmfenster, das auftaucht, sobald man das "Fall Creators Update" für Windows 10 installiert und die Brille anschließt.

Die Spiele machen Spaß - auch hier

Besser wird das Erlebnis, sobald man in VR ist, in Spielen wie "Superhot VR" oder "Space Pirate Trainer". Die machten schon mit den anderen Headsets viel Spaß. Als virtuelle Benutzeroberfläche bietet Microsoft dem Nutzer eine Luxusvilla, in der man sich per Teleport umherbewegen kann, angeleitet von Cortanas Stimme. Wer will, kann hier auch per Edge-Browser via Großleinwand im Web surfen.

Von den bislang unbekannten Apps hat mich am ehesten das kostenlose "Halo: Recruit" angesprochen. Dieses Spiel ist trotz des großen Spielenamens aber leider nicht mehr als ein simpler Schießstand-Simulator.

Die Bildqualität der Acer-Brille ist mit der Konkurrenz vergleichbar, das Sichtfeld ist zwar merklich, aber auch nicht dramatisch kleiner als bei Rift und Vive. Auch die Controller tun, was sie sollen. Das Gesamterlebnis ist dank ihnen wie bei der PC-Konkurrenz um einiges eindrücklicher als mit Handybrillen wie der Samsung Gear VR oder Googles Daydream View.

Besserung in Sicht

Enttäuschend ist allerdings, dass sich mit der Acer-Brille bisher nur Apps und Spiele aus dem Windows-10-Store nutzen lassen, wo nur wenige Dutzend Anwendungen verfügbar sind - und zum Großteil eben bereits bekannte Titel wie der Zombie-Shooter "Arizona Sunshine".

Künftig soll man mit der Mixed-Reality-Brille auch Spiele von Valves Plattform SteamVR spielen können. Vermutlich erst dann wird die App-Auswahl wirklich mit der für Vive- und Rift-Käufer konkurrieren können.


Vorteile und Nachteile

Inside-Out-Tracking

simpler Anschluss, wenn Fall Creators Update installiert

Controller direkt im Paket

App-Auswahl noch übersichtlich

nicht gerade ein Design-Highlight

Bluetooth-Dongle und Kopfhörer nicht im Paket


So endet mein Test mit gemischten Gefühlen. Ja, die Acer-Brille kann, was die Konkurrenz kann, und das gut funktionierende Tracking über die integrierten Kameras macht die VR-Nutzung unkomplizierter. Gleichzeitig wirkt das Gesamtpaket ein wenig lieblos, und bei der App-Auswahl gibt es bisher noch zu wenige Highlights.

Ich persönlich würde mir auch wegen der aus meiner Sicht besseren Controller derzeit eher eine Oculus Rift samt Oculus Touch kaufen, jenes Paket kostet derzeit mit 449 Euro genauso viel. Und mit der Rift lassen sich schon jetzt Spiele von SteamVR nutzen, dazu kommen einige gute Exklusivtitel aus dem Oculus Store.


Update, 16. November: Wie die Kollegen von "Heise" berichten, ist mittlerweile zumindest eine Open Beta gestartet, durch die die Besitzer von Windows-Mixed-Reality-Headsets Anwendungen von Steam VR nutzen können.

Hintergrund: Produkttests im Netzwelt-Ressort
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Nonvaio01 19.10.2017
1. schlichte verpackung
was da als minus punkt angemerkt ist, finde ich laecherlich. Das design ist doch voellig wurscht, man hat das teil eh auf dem kopf und ist alleine in der whg bei spielen. Die verpackung wird eh weggeworfen, da ist es egal wie die aussieht. Technisch scheint das teil aber excellent zu sein.
Beorn 20.10.2017
2. Nur mit Windows 10?
Ein großer Nachteil wäre für mich, dass es nur auf Windows 10 läuft, oder verstehe ich da was falsch?
master-of-davinci 20.10.2017
3. Falsche Darstellung
Könntet ihr bitte die Überschrift korrigieren? Ihr habt das ASUS MR Set ausprobiert nicht WINDOWS MR getestet. Die Neuerungen von WINDOWS Mixed Reality sind völlig überzeugend und nicht lieblos. Dass das mit dem ASUS Set Up nicht so rüberkommt, da kann MS nix für aber genau das suggeriert die Überschrift. Es ist ein ASUS "Test", kein MS MR "Test".
joergz 20.10.2017
4. An master-of-davinci
Zitat von master-of-davinciKönntet ihr bitte die Überschrift korrigieren? Ihr habt das ASUS MR Set ausprobiert nicht WINDOWS MR getestet. Die Neuerungen von WINDOWS Mixed Reality sind völlig überzeugend und nicht lieblos. Dass das mit dem ASUS Set Up nicht so rüberkommt, da kann MS nix für aber genau das suggeriert die Überschrift. Es ist ein ASUS "Test", kein MS MR "Test".
Nein, es ist von Acer ;-)
Tobias Claren 05.12.2017
5. "World Scale" draußen... Einbeziehung realer Personen...
Was für mögliche Szenarien sich da ergeben. Z.B. könnte je nach Rechenleistung eines Rucksack-PC jemand draußen rumlaufen, und Menschen werden aus der Realität in die Virtualität übernommen. Auch provokante Szenarien wären möglich. Jemand lauft mit den Controllern rum, und wenn der Nutzer auf jemand "schießt", auch einen Polizist, dann wird die Person mit einem Modell überblendet, und der Einschuss dargestellt, und ein mögliches Fallen simuliert. Über den realen Körper der Person legt die Software einen künstlichen Hintergrund, berechnet aus dem umgebenden realen Hintergrund. Ähnlich wie Videoschnittsoftware mit einem Filter ein Senderlogo entfernen kann. Oder diese Funktion in Kameras die automatisch Menschen aus dem Bild heraus schneidet. Das Schöne und gesellschaftlich positive daran wäre die Provokation wenn die Person das aus ihrer Sicht gemachte Video ins Internet hoch lädt. Die Verbots-Forderer kriechen gleich aus ihrren Löchern, politische Hinterbänkler sehen eine Chance mal laut zu kläffen damit man sie wahr nimmt... Rainer Wendt und Co. wollen das verboten sehen... Und bei VR generell fände Ich es gut, gäbe es einen Ego-Shooter der im Regierungsviertel spielt, und man kann eine der folgenden Gruppen wählen. Politiker, Terroristen, Polizisten, SEK, Journalisten und Bürger... Das wäre sicher ein interessantes Spiel. Aber auch Provokativ. Ich sehe schon die Stimmen die das verbieten wollten, weil echte Terroristen online trainieren könnten ;-) . Taktiken durchprobieren, und zugleich ein Gefühl für die Räumlichkeiten, die Wege etc. gewinnen. Gibt es eine Map des Rechstages? Falls jemand noch diese Tischsets mit detailliertem Grundriss hat, die wegen zu vieler Details wieder abgeschafft wurden, bitte Map erstellen...
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