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29. März 2012, 12:34 Uhr

Mit Selberbau-Anleitung

Wissenschaftler erfindet Hobby-Tricorder

Bitte nachbauen: Ein US-Wissenschaftler hat den Tricorder aus der TV-Serie "Star Trek" nachgebaut. Daran haben sich schon viele andere versucht, sind aber meist gescheitert. Nicht so Peter Jansen, denn dessen Multimessgerät funktioniert wirklich -  wenn auch anders als das Original.

Wenn Spock das wüsste: In den USA hat ein Wissenschaftler das wichtigste Messinstrument des berühmten Sternenflottenoffiziers aus der US-TV-Serie "Star Trek" nachgebaut, den Tricorder. Und das auch noch lange vor dessen eigentlicher Erfindung, die dem Plot der Serie zufolge noch über hundert Jahre auf sich warten lassen dürfte. Schließlich spielt die erste Staffel der Weltraumoper im 22. Jahrhundert.

Aber von solchen Details wollte sich der Erkenntnistheoretiker Peter Jansen offenbar nicht aufhalten lassen. Das Leitmotto: "Der Spaß, Dinge zu begreifen." So hat Jansen den ersten Eintrag in seinem Blog betitelt. An dem Projekt, dass er gerade verwirklicht, haben sich jedenfalls schon viele andere die Zähne ausgebissen. Einen Tricorder zu bauen, wie ihn Spock und der Raumschiffdoktor "Pille" benutzten, macht man nicht so nebenbei.

Tatsächlich hat Jansen schon fünf Jahre Arbeit in sein Projekt investiert. Mit der aktuellen Entwicklungsstufe, dem Science Tricorder Mark 4, scheint er seinem Ziel ein gutes Stück näher gekommen zu sein. Was daran herausragend ist: Im Gegensatz zu manch anderem Tricorder-Projekt und vor allem den Smartphone-Tricorder-Apps, die längst angeboten werden, bietet Jansens Tricorder echte Funktionalität. Er kann atmosphärische Daten und elektromagnetische Felder ebenso messen wie Entfernungen und Positionen. Anders ausgedrückt: Er hat jede Menge Sensoren eingebaut, die sogar moderne Smartphones alt aussehen lassen. Die Tricorder-Apps, die es bislang gibt, können in der Regel bloß blinken und piepsen.

Bitte nachbauen

Zur Ausstattung von Jansens Tricorder gehören beispielsweise ein kontaktloses Infrarotthermometer vom Typ Melexis MLX90614, der Ultraschall-Entfernungsmesser MaxBotix MaxSonar LV sowie der dreiachsige Magnetfeldsensor PNI Corp MicroMag3. Jansen listet all diese Bauteile und noch Dutzende mehr auf seiner Website zum Tricorder-Projekt auf, weil er sein Science-Fiction-Messgerät als sogenannte Open-Source-Hardware für jedermann zum Nachbauen freigibt. Wer also mag und sich das zutraut, kann sich Bauteillisten, Schaltpläne und Platinen-Layouts des Tricorders herunterladen.

Die Hoffnung, daraus ein echtes Star-Trek-Analysegerät zusammenbauen zu können, sollte man aber lieber begraben. Auch wenn Jansens Konstruktion schon einiges kann, ist sie von den 200 Funktionen, mit denen Spock ganze Planeten analysierte, noch weit entfernt.

Nicht einmal Hoffnung auf denTricorder X-Prize der X-Price-Foundation kann er sich machen. Zehn Millionen Dollar hat die vom Chip-Hersteller Qualcomm gegründete Stiftung für denjenigen ausgelobt, der als erster ein benutzerfreundliches medizinisches Diagnosegerät nach Vorbild des medizinischen Tricorders aus "Star Trek" entwickelt. Ausgerechnet medizinische Funktionen aber bietet Jansens Tricorder nicht.

mak

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