Protest in Frankreich WM-Gegner schalten Fernseher in Bars mit Spezial-Fernbedienungen aus

Eine Gruppe von WM-Kritikern bastelt in Paris kleine Fernbedienungen, mit denen sich zahlreiche TV-Geräte abschalten lassen. Die Geräte testen sie in Kneipen, in denen Fußball läuft.
Eine Bar in Hamburg überträgt (ungestört) das erste WM-Spiel der deutschen Mannschaft: »Wir könnten ja auch die Werbung abschalten«

Eine Bar in Hamburg überträgt (ungestört) das erste WM-Spiel der deutschen Mannschaft: »Wir könnten ja auch die Werbung abschalten«

Foto: Jonas Walzberg / dpa

Aus Protest gegen die Fußball-Weltmeisterschaft in Katar stellt eine Gruppe in Paris spezielle Fernbedienungen her, mit denen sich viele verschiedene TV-Geräte ausschalten lassen. Das berichtete am Donnerstag die französische Zeitung »Le Parisien« , der die Bastler vorführten, wie sie die kleinen Sender mit der Bezeichnung »TV-B-Gone« montieren.

Die Zeitung begleitete einen der Aktivisten zu einem Lokal im 18. Arrondissement in Paris. Dort führte er beispielhaft vor, wie er plötzlich – zum lautstarken Unmut der Fans – den Fernseher ausschaltete.

»Die Idee ist nicht, politische Entscheidungen auf dem Rücken der Fans auszutragen oder sie zu ärgern«, sagte der Bastler Dan Geiselhart zu »Le Parisien«. »Vielmehr geht es darum, ein Zeichen zu setzen und zu sagen, dass man den Fußball lieben kann, aber auch sagen kann, dass bei dieser Weltmeisterschaft einige Dinge nicht in Ordnung sind.«

»Könnten auch die Werbung abschalten«

Geiselhart riet von einer unnötigen Konfrontation ab, wenn man eine WM-Übertragung in einer Bar unterbreche. Er wies darauf hin, dass es vielmehr wichtig sei, mit den Fans in einen Dialog zu treten. »Wenn man das Spiel abschaltet, kann man auch zu den Leuten gehen und es ihnen erklären«, meinte er. »Wir könnten ja auch die Werbung abschalten«, die wolle ohnehin niemand sehen, so Geiselhart.

Die Piraten-Fernbedienung der Bastler basiert auf einem Modell des bekannten Hackers und Erfinders Mitch Altmann. Er zählt zu den frühen Entwicklern von Virtual-Reality-Geräten und hat bereits vor knapp zwanzig Jahren eine Bauanleitung für seine Fernbedienung »TV-B-Gone« veröffentlicht. Das Modell ist kleiner als eine reguläre Fernbedienung und kann beispielsweise am Hosenbund getragen werden.

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Sie soll es laut dem Medienbericht von »Le Parisien« auf eine Entfernung von bis zu 45 Metern ermöglichen, die Fernseher unterschiedlichster Marken zu deaktivieren. Das Ausschalten von TV-Geräten ist die einzige Funktion des kleinen schwarzen Kastens.

hpp
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