Künstliche Intelligenz Diese Software verwandelt Worte in Bilder

Eine neue Software erlaubt es, mit der Tastatur Bilder zu erschaffen. Nutzer müssen "WordsEye" nur beschreiben, was sie sehen wollen. Die Software macht daraus dreidimensionale Szenen - mal amüsant, mal unheimlich.
Farbenfrohes Beispiel: "Der rosa Elefant ist auf dem Regenbogen"

Farbenfrohes Beispiel: "Der rosa Elefant ist auf dem Regenbogen"

Foto: wordseye.com

Ein rosa Elefant spaziert über einen Regenbogen - wahrscheinlich kann sich jeder zu diesem Satz ein Bild vorstellen. Dieses Bild zu zeichnen, ist dagegen deutlich schwerer. Die neue Browser-Anwendung "WordsEye"  kann aber genau das. Aus schlichten Vorgaben wie "ein rosa Elefant auf einem Regenbogen" erschafft "WordsEye" innerhalb von Sekunden eine 3D-Animation.

"Type a picture" lautet der Slogan des Onlineangebots: Tippe ein Bild. Nutzer müssen einfach die Browser-Anwendung öffnen und aufschreiben, was die Software animieren soll - zum Beispiel einen Elefanten, einen Baum, ein Ufo. "WordsEye" kennt den Entwicklern zufolge mehrere Tausend Objekte und versteht etwa 20.000 Wörter, mit denen sich ihre Position, Größe, Ausrichtung und Farbe bestimmen lassen.

Fotostrecke

"WordsEye"-Bilder: Das ist ein rosa Elefant

Foto: wordseye.com

"Während professionelle 3D-Künstler alles erschaffen können, was sie sich vorstellen, bleibt diese Erfahrung den meisten von uns verwehrt", erklären die Entwickler auf ihrer Webseite. Diese Hürde wollen sie überwinden. Um mit "WordsEye" Kunst, Comics, Grußkarten oder Memes zu erstellen, braucht es keine Vorkenntnisse.

Künstliche Intelligenz erkennt Semantik

Noch ist die Plattform in der Beta-Phase und kann bei Weitem nicht jeden Befehl in ein Bild umsetzen. Die Software versteht nur simple Sätze und kennt fast keine Verben. Es gebe noch vieles, was die Software verwirrt, gesteht Entwickler Bob Coyne in einem Interview mit "The Creators Project" .

Nutzer müssten Coyne zufolge ihre Wortwahl anpassen und lernen, innerhalb der Grenzen von "WordsEye" zu denken. Deshalb lassen sich auch nicht einfach Zitate aus Romanen oder Liedern in das Textfeld kopieren. Eine künstliche Intelligenz wertet die Worte semantisch aus und errechnet daraufhin die 3D-Objekte.

Tippt der Nutzer zum Beispiel auf Englisch den Satz: "Der kleine, gestreifte Elefant steht einen Meter vor dem roten Haus", dann kann "WordsEye" die Eigenschaften "klein" und "gestreift" dem Elefanten zuordnen. Entsprechend wird die Software Größe und Textur des Objekts "Elefant" anpassen.

Die Ergebnisse wirken teilweise hölzern, teilweise wie surreale Kunstwerke. Einige Nutzer stellen sogar gezielt Motive von Surrealisten wie René Magritte oder Salvador Dalí nach. Erste Tests und besonders gelungene Werke zeigt unsere Bilderstrecke.

Bei ersten Versuchen fällt es schwer, auf Verben wie "gehen" oder "sitzen" zu verzichten. Auch lassen sich die Objekte nicht verändern: Eine Figur trägt also stets dieselben Kleider, ein Haus hat stets dieselbe Anzahl an Fenstern. In Online-Tutorials erklären die Entwickler, wie Nutzer die besten Worte für ihre Bilder finden.

"WordsEye" als soziales Netzwerk

Am meisten können Anfänger aber von anderen Nutzern lernen. Täglich erscheinen neue Werke in der Bildergalerie, die schönsten davon veröffentlichen die Entwickler via Tumblr . Jeder kann die dazugehörigen Texte kopieren und weiterbearbeiten. So lassen sich schnell neue Formulierungen entdecken, auf die man von alleine wohl eher nicht gekommen wäre.

Wer "WordsEye" testen will, kann sich kostenlos online anmelden . Um die Server zu schonen, sind die Nutzerzahlen noch begrenzt. Interessierte müssen sich eventuell ein paar Tage gedulden, bis ihr Account freigeschaltet wird, wie Firmenchef Gary Zamchick auf Nachfrage mitteilt. In unseren Tests hat die Webseite für einzelne Arbeitsschritte ein paar Sekunden Rechenzeit gebraucht.

Jahrelang sei die Software nur ein Forschungsprojekt gewesen, erklärt Zamchick. Erst im Oktober 2014 wurde "WordsEye" für Nutzer geöffnet und zu einem sozialen Netzwerk mit Kommentarfunktion und Bildergalerien erweitert. "Unser Ziel es ist nun, die Nutzerschaft zu vergrößern", so Zamchick. "Und die Fähigkeiten von WordsEye an natürliche Sprache anzunähern."

Wie das Holodeck bei "Star Trek"

Ob "WordsEye" eines Tages so viel kann wie das Holodeck von "Star Trek"? In der Science-Fiction-Serie lassen sich auf sogenannten Holodecks beliebige Objekte erzeugen - auf Grundlage schlichter Beschreibungen. "Den Vergleich hören wir oft", sagt Zamchick. "Gewiss hat WordsEye ein paar magische Qualitäten des Holodecks. Aber es ist grafisch begrenzt."

Künftig könnte "WordsEye" als Lernprogramm zum Einsatz kommen, mit dem Kinder spielerisch kreatives Schreiben und Englisch üben. Ein erste Studie wurde bereits mit Schülern in den USA durchgeführt (hier als PDF) . Auch könnten die schöpferischen Fähigkeiten der Software dabei helfen, Computerspiele und Virtual-Reality-Welten zu entwickeln.

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