Entwicklerkonferenz WWDC Apple poliert iPhone-Betriebssystem auf

Eine Generalüberholung fürs iPhone-Betriebssystem, neue Mac-Software und besonders ausdauernde Notebooks: Am Montag will Apple die großen Würfe für 2013 präsentieren. Einige Neuheiten sind bekannt, andere Gerüchte sind mit Vorsicht zu genießen.
Moscone Center in San Francisco: Vorbereitung für die Apple-Show

Moscone Center in San Francisco: Vorbereitung für die Apple-Show

Foto: Christoph Dernbach/ dpa

Apple   steht unter Druck. Die Einführung von Apple Maps mit iOS 6 war ein Flop, Geräte wie Samsungs Galaxy S4 haben Apple-Produkte, zumindest technisch, überholt. Ein richtiger Coup ist dem Unternehmen lange nicht gelungen. Das berühmte "One more thing", das Unerwartete, mit dem Steve Jobs seine Präsentationen gerne abschloss, hat es lange nicht mehr gegeben. Der Aktienkurs hat seinen Höhenflug beendet.

Auf der Entwicklerkonferenz WWDC (Worldwide Developer Conference), die am Montag in San Francisco beginnt, muss Konzernchef Tim Cook zeigen, wie er wieder Schwung in das Unternehmen bringen will - mit oder ohne "One more thing". SPIEGEL ONLINE berichtet ab 19 Uhr live aus San Francisco.

Dass es um Updates für die Betriebssysteme iOS und Mac OS X gehen wird, ist offiziell. Aber auch neue Hardware wird zu sehen sein. Auf der WWDC 2011 zeigte Apple erstmals das iPhone 4, auf der WWDC 2012 das MacBook Pro Retina. Auf Plakaten verspricht Apple in San Francisco zudem: "Es entwickelt sich eine ganz neue Welt."

Dass auch in diesem Jahr neue Notebooks vorgestellt werden, kann man als sicher annehmen. Gerade erst hat Chip-Hersteller Intel seine neuen Haswell-Notebook-Prozessoren gezeigt, die sich durch deutlich reduzierten Stromverbrauch auszeichnen. Apple könnte zu den ersten Computerherstellern gehören, die mit den neuen Chips beliefert werden, die längere Akkulaufzeiten versprechen.

Sicher ist auch, dass die neuen MacBooks mit dem W-Lan-Standard 802.11 ac ausgerüstet werden. Der übertrumpft mit Transfergeschwindigkeiten von mehr als 1000 Megabit pro Sekunde manches Kabelnetzwerk. Passend dazu wird Apple seine veralteten W-Lan-Basisstationen der Airport-Serie und die W-Lan-Festplatte Time Capsule aktualisieren.

Neue Retina-MacBooks und Profi-Rechner

Manche Beobachter gehen davon aus, dass ein MacBook Air mit Retina-Display vorgestellt wird. Ein solches Gerät wäre eine bemerkenswerte technische Leistung, da die hochauflösenden Retina-Bildschirme eine stärkere Hintergrundbeleuchtung und damit mehr Strom und einen größeren Akku brauchen. Denkbar ist daher auch, dass Apple stattdessen das 13-Zoll-Modell des MacBook Pro Retina schlanker macht und gleichzeitig im Preis senkt.

Nahezu sicher kann man auch sein, dass neue Hochleistungsrechner gezeigt werden, die Apples Mac-Pro-Serie ablösen. Die Profi-Rechner sind schon lange für ein Update fällig, wegen geänderter Elektronikvorschriften dürfen sie nicht mehr in der EU verkauft werden. Wahrscheinlich ist, dass Apple sich vom Käseraspel-Design der bisherigen Mac Pros löst und stattdessen viel kleinere Highend-Computer baut, die eher an das Mac-Mini-Konzept erinnern.

Abgeflachtes iOS

Tim Cook hat bestätigt, dass Apple-Chefdesigner Jonathan Ive an einer neuen iOS-Version arbeitet. Berichte deuten darauf hin, dass Ive in diesem iOS 7 einen drastischen Designwechsel vollzogen hat. Statt weiter zu versuchen, reale Gegenstände und Materialien nachzubilden, soll die Optik nun viel flacher und schlichter sein. Wie so etwas im Extrem aussehen kann, hat Microsoft mit Windows Phone 8 vorgemacht.

Außerdem arbeitet Apple angeblich an einer verbesserten iOS-Oberfläche für die Nutzung im Auto, verbessertem Multitasking und neuen Möglichkeiten, Dateien via W-Lan zwischen iPhones und Macs auszutauschen. All zu bald darf man das aber nicht erwarten. Zwischen der Vorstellung eines neuen iOS und dessen Veröffentlichung liegen oft Monate.

Das geplante Internet-Radio ist kein Gerücht mehr

Das neue Mac OS X 10.9 wird ebenfalls weitere iOS-Funktionen bekommen. Unter anderem könnte Apple die Siri-Spracherkennung zu einer Computersteuerung erweitern und Apple Maps einbauen. Das Erscheinungsbild wird an den Look von iOS 7 angepasst werden. Naheliegend erscheint, dass der "Finder" genannte Dateimanager des Systems um Tabs erweitert werden soll. Damit könnte man viele gleichzeitig geöffnete Fenster besser im Überblick behalten.

Reichlich Verbesserungspotential gibt es bei Apples Online-Dienst iCloud. Er müsste funktionell überarbeitet und preislich an Konkurrenzangebote angepasst werden. Dass Apple überdies einen Internet-Radiodienst vorbereitet, ist kein Gerücht mehr. Kurz vor der WWDC konnte Apple Verträge mit allen wichtigen Plattenfirmen schließen. Ob der möglicherweise iRadio genannte Dienst weltweit oder nur in den USA verfügbar sein wird, ist unklar.

Alle weiteren Gerüchte sind hochspekulativ. Eine Smartwatch gehört ebenso dazu wie ein Apple-Fernseher oder ein iPad mini mit Retina-Display. Auch Berichte über ein billiges iPhone mini sind mit Vorsicht zu genießen. Über ein solches Gerät wird seit der Einführung des ersten iPhone, 2007, spekuliert. Die Begriffe billig und Apple passen einfach nicht zusammen.

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