Apple-Entwicklerkonferenz WWDC Ein neuer Mac für Profis und das Ende von iTunes

Der neue Mac Pro hat nichts mit seinem Vorgänger gemein und beeindruckt das Apple-Publikum mit imposanten Spezifikationen. Auch iOS 13 und macOS Catalina bieten spannende Neuerungen. Das iPad bekommt ein eigenes System.
Tim Cook und die 6000-Dollar-Käsereibe namens Mac Pro

Tim Cook und die 6000-Dollar-Käsereibe namens Mac Pro

Foto: Jeff Chiu/AP

Die Entwicklerkonferenz WWDC ist immer dann besonders spannend, wenn Apple es schafft, bis zum Beginn etwas geheim zu halten. Das ist dieses Mal gelungen.

So bekommt das iPad mit iPadOS ein eigenes, wenn auch stark an iOS angelehntes Betriebssystem - das war vorher mehr Wunschdenken von Apple-Fans als Gerücht. Und der neue Mac Pro überrascht mit einem im Vergleich zum Vorgänger komplett neuen Außen- und Innenleben.

tvOS 13 und watch OS 6

Taschenrechner-App auf der Apple Watch

Taschenrechner-App auf der Apple Watch

Foto: Justin Sullivan/ AFP

Die kommende Software für das Apple TV unterstützt auch die Game-Controller der XBox und der Playstation, außerdem eine Mehr-Nutzer-Verwaltung mit personalisierten Empfehlungen.

Die Apple Watch soll mit watchOS 6 unabhängiger werden. Sie bekommt einen eigenen App Store, aus dem man Apps laden kann. Zudem wurden mehrere neue Apps und Funktionen vorgestellt, darunter eine App für Audiobooks, eine für Audioaufzeichnungen sowie ein Taschenrechner. Der enthält eine Funktion zum Berechnen von Trinkgeld, was beim US-Publikum gut ankam.

Über das eingebaute Mikrofon kann die Apple Watch zudem den Geräuschpegel in der Umgebung überwachen und warnen, wenn es zu laut wird. Apple verspricht, dabei würden keine Aufnahmen gemacht. Eine andere interessante Neuheit ist eine App, mit der Frauen ihren Zyklus überwachen können, um sich beispielsweise auf die fruchtbaren Tage aufmerksam machen zu lassen.

iOS 13

Dark Mode in iOS 13

Dark Mode in iOS 13

Foto: MONICA DAVEY/ EPA-EFE/ REX

Softwarechef Craig Federighi kündigte wie erwartet einen Dark Mode für das nächste iPhone-Betriebssystem iOS 13 an. Er soll systemweit eine Umkehrung der Farbigkeit - schwarzer Hintergrund, helle Schrift - bewirken, was nicht nur cool aussieht, sondern auch helfen soll, Batteriestrom zu sparen.

Viel Arbeit scheint in ein Update der Karten-App Apple Maps geflossen zu sein. Sie soll es künftig beispielsweise ermöglichen, Sammlungen von Lieblingsorten anzulegen. Vor allem aber enthält sie eine neue Look-around-Funktion, die an Googles Street View erinnert.

Apple Maps bekommt ein Update

Apple Maps bekommt ein Update

Foto: MONICA DAVEY/ EPA-EFE/ REX

Neben witzig gemeinten Seitenhieben auf Google gab es auch eine Ankündigung, die sowohl Google als auch Facebook wirklich ärgern dürfte: Apple will einen eigenen Log-in-Dienst einführen. Der soll die Anmeldung bei Drittanbietern sicherer machen, indem er für jeden Dienst die Möglichkeit bietet, eine anonyme Wegwerf-Mailadresse anzulegen.

Im Smart Home will Apple mit neuen Home-Kit-Funktionen auftrumpfen. So soll die Smart-Home-Software beispielsweise Aufnahmen von Heimüberwachungskameras so verschlüsseln, dass sie zwar in iCloud hochgeladen, aber nur vom Eigentümer angesehen werden können.

Nur als kurze Demo wurde eine neue Technik namens Natural Text to Speech (Natural TTS) gezeigt, die die Sprachwiedergabe von Siri verbessern soll. Im direkten Vergleich mit der von iOS 12 gewohnten Sprachausgabe erzeugte die in iOS 13 integrierte Siri-Variante eine deutlich natürlicher wirkende und besser verständliche Sprache.

iPadOS

Darauf haben iPad-Nutzer lange gewartet: iPadOS heißt das neue Betriebssystem für Apples Tablets. Es baut auf iOS auf, ist aber speziell auf die wesentlich größeren Displays ausgelegt. Damit sollen das Multitasking und der Umgang mit mehreren Fenstern sehr viel einfacher und intuitiver werden als bisher. In einer ersten Vorführung von Craig Federighi sah das schlüssig aus.

iPadOS wird vom Mac gewohnte Elemente wie einen Download-Manager und einen Desktop-Browser auf das iPad bringen - und auch USB-C-Sticks kann man künftig mit dem Apple-Tablet verwenden.

mac OS 10.15

macOS 10.15 heißt Catalina

macOS 10.15 heißt Catalina

Foto: MONICA DAVEY/EPA-EFE/REX

Catalina nennt Apple seine kommende macOS-Version, nach der Insel Santa Catalina vor der kalifornischen Küste. Das vielleicht Wichtigste daran: iTunes stirbt mit Catalina. Ersetzt wird die von vielen als überfrachtete und kompliziert empfundene Software durch Apple Music, Apple Podcasts sowie die Apple-TV-App.

Nützlich ist die neue Funktion Sidecar, mit der es möglich ist, das iPad zum Zweitdisplay für einen Mac zu machen. Wer gerne mit dem Apple Pencil auf dem iPad zeichnet, sieht dann auch das auf dem Mac-Display.

Das ehemals intern "Marzipan" genannte Projekt zum unkomplizierten Umwandeln von iPad- in macOS-Apps heißt jetzt offiziell Catalyst. Eines der ersten Ergebnisse wird eine native Twitter-App für macOS sein.

Mac Pro

Zusammen ab rund 10.000 Dollar zu haben: Mac Pro mit dem Pro Display XDR

Zusammen ab rund 10.000 Dollar zu haben: Mac Pro mit dem Pro Display XDR

Foto: MONICA DAVEY/EPA-EFE/REX

Für Profi-Anwender präsentierte Apple einen neuen Mac Pro. Nach dem Vorgänger, der wie eine kleine Tonne aussah, wirkt der neue eher wieder wie ein klassischer Desktop-Rechner. Für Erweiterungen kann er von allen Seiten geöffnet werden. Angetrieben wird er von Prozessoren mit bis zu 28 Kernen, er bietet 8 PCI-Slots für Erweiterungskarten und bis zu 1,5 Terabyte Arbeitsspeicher.

Allein die Rechenleistung der Grafikkarten wird mit bis zu 56 Teraflops angegeben. Vor ein paar Jahren hätte das noch für einen Platz in den Supercomputer-Top-Ten gereicht. Heute reichte es auf der Bühne für eine Demonstration, bei der in der Musiksoftware Logic Pro mehrere Hundert synthetische Instrumente und mehrere Hundert Audioaufnahmen - insgesamt mehr als eintausend Spuren - nicht ausreichten, um den Rechner in die Knie zu zwingen. Das Netzteil ist entsprechend groß dimensioniert, es liefert bis zu 1400 Watt.

Die Preise für diese Power-Maschinen beginnen bei 6000 Dollar, lieferbar soll der neue Mac Pro ab Herbst sein.

Quasi als Zubehör für den Mac Pro hat Apple einen neuen Bildschirm, das Pro Display XDR angekündigt. Mit 6K-Auflösung und einem extremen Dynamikumfang soll es vor allem für 3D-Projekte, Bild- und Videobearbeitung geeignet sein. Inklusive Standfuß kostet es 5998 Dollar, ohne Standfuß 999 Dollar weniger. Dann aber braucht man eine Wandhalterung - und die kostet 199 Dollar.

SwiftUI

Und weil WWDC eben eine Entwicklerkonferenz ist, gab es den wohl kräftigsten Applaus der Anwesenden ganz zum Schluss, als Apple mit SwiftUI ein neues Framework zur App-Programmierung vorstellte. Es soll das Bearbeiten von Apps sogar auf dem iPhone leicht machen.

Für die neuen Betriebssysteme gilt: Ab sofort sind sie für registrierte Entwickler als Vorschau verfügbar, die öffentliche Betaphase für tvOS, macOS Catalina, iOS 13 und iPadOS wird noch im Juni starten. Ab Herbst werden die System allen Nutzern zur Verfügung stehen.

Hinweis: In einer früheren Version dieses Artikels hieß es, der Mac Pro könne mit bis zu 1,5 Terabyte Speicher ausgestattet werden. Richtig ist: bis zu 1,5 TB Arbeitsspeicher.