Neue Power-Konsole im Test Lohnt sich die Xbox One X?

Mit einer verbesserten Xbox-One-Version wird Microsoft zum Anbieter der leistungsfähigsten Spielkonsole. Doch nicht jeder Spieler profitiert automatisch vom Leistungsplus.

Microsoft

Fast genau ein Jahr, nachdem Sony eine kraftvollere Pro-Version der Playstation-4-Konsole auf den Markt gebracht hat, gönnt auch Microsoft seiner Xbox-One-Plattform ein Leistungs-Update. Auf der E3-Messe 2016 als "Project Scorpio" angekündigt, ist das neue Videospielsystem ab Dienstag unter dem Namen Xbox One X erhältlich - für 499 Euro.

Damit ist die jüngste Hardware von Microsoft nicht nur die "leistungsstärkste Konsole der Welt", wie der Hersteller selbstbewusst, aber wahrheitsgemäß propagiert - sondern auch die teuerste. Die PS4 Pro kostet seit ihrer Veröffentlichung knapp 400 Euro, Nintendos jüngstes System Switch rund 330 Euro.

Was befindet sich im Lieferumfang?

Die ursprüngliche Xbox One läutete Ende 2013 zusammen mit der Playstation 4 die aktuelle Konsolengeneration ein. Sie musste noch im Verbund mit der Bewegungssteuerung Kinect erworben werden. In der Verpackung der Xbox One X befindet sich nun neben schwarzer Konsole, Strom- und HDMI-Kabel nur noch ein typischer Pad-Controller.

Wie schon beim im Sommer 2016 veröffentlichten Modell Xbox One S lässt sich die Kinect-Kamera nicht mal mehr direkt an die Konsole anschließen, sondern nur über einen teuren USB-Adapter. Der Hintergrund: Vor wenigen Wochen wurde die Peripherie offiziell von Microsoft zu Grabe getragen, Kinect-Spiele dürften keine mehr erscheinen. Dimensionen und Design der Xbox One X ähneln ihrer Schwester S, dafür bringt die Hardware mit 3,8 kg mehr Gewicht auf die Waage als alle aktuellen anderen Geräte.

Was bringt die neue Konsole?

Die Rechenleistung der Xbox One X hat sich gegenüber der von Xbox One beziehungsweise S kräftig erhöht. Zu verdanken ist das der technischen Verbesserung von Prozessor und Grafikeinheit sowie dem Arbeitsspeicher. Dieser wurde um ein Drittel vergrößert. Genutzt wird das Leistungsplus für eine aufwendigere Optik: Die Xbox One X kann Spielebilder in einer Auflösung von bis zu 4K (3840x2160 Pixel) berechnen und ausgeben, liefert feinere Texturen und höhere Bildwiederholraten, was actionreiche Szenen noch fließender darstellt.

Um in den Genuss des 4K-Bildes zu kommen, benötigt man aber auch einen Bildschirm, der Bilder in dieser Qualität anzeigen kann, also einen Ultra-HD-Fernseher. Doch auch auf einem Full-HD-Bildschirm profitiert die Optik von der erhöhten Leistung: Die Xbox One X rechnet das Bild auf die niedrigere Auflösung herunter, wobei Verbesserungen wie glattere Kanten oder ein größerer Detailgrad erhalten bleiben. Und auch an der hohen Bildrate ändert sich trotz fehlenden 4K-Fernsehers nichts.

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Welche Spiele nutzen die Zusatzleistung?

Auf der neuen Hardware laufen alle Spiele, die auch mit den vorherigen Modellen funktionierten, also sämtliche Xbox-One-Titel sowie ausgesuchte Klassiker von Xbox 360 und der allerersten Xbox. Über 400 davon hat Microsoft in den letzten Jahren mit der Xbox One kompatibel gemacht. Viele Spiele profitieren automatisch von der höheren Rechenleistung, ihre Grafik ist schärfer und flotter.

Zahlreiche Xbox-One-Titel (eine offizielle Liste gibt es hier) werden aber auch aktiv und aufwendig von ihren Entwicklern für den Einsatz auf der X erweitert. Diese Gratis-Verbesserungen müssen jedoch erst auf die Konsole heruntergeladen werden. Wegen ihrer enormen Größe - bis zu 100 Gigabyte und mehr - dauert das lange und bringt die interne 1TB-Festplatte rasch an ihre Grenzen. Für Vielspieler ist somit die Anschaffung einer zusätzlichen USB-Festplatte fast schon obligatorisch. Spiele, für die bereits Patches erhältlich sind und die erheblich von der Xbox One X profitieren, sind die Science-Fiction-Shooter "Halo 5" und "Gears of War 4", das Rennspiel "Forza Motorsport 7" oder das Historien-Abenteuer "Assassin's Creed Origins".

Was sind die Unterschiede zur PS4 Pro?

War die PS4 der Xbox One in puncto Rechenleistung noch marginal überlegen, lässt die Xbox One X das Sony-Pendant PS4 Pro auf dem Papier hinter sich. Es bleibt aber abzuwarten, in welchem Rahmen Dritthersteller wie Electronic Arts oder Ubisoft das von Microsoft versprochene Leistungsplus von rund 40 Prozent auch nutzen.

Im Gegensatz zur PS4 Pro verfügt die Xbox One X über ein UHD-Laufwerk, bringt also ultrahochauflösende Inhalte nicht durch Streaming, sondern auch über 4K-Blu-ray-Discs auf den Bildschirm. Zudem zeigen erste Praxistests, dass die neue Microsoft-Konsole dank eines ausgebufften Kühlsystems leiser arbeitet als die Sony-Konkurrenz. Die unterstützt dafür die hauseigene Virtual-Reality-Brille PSVR. Microsoft scheint trotz der Zusatz-Power aktuell nicht am Thema VR interessiert.

Lohnt sich die Xbox One X?

Die Microsoft-Ingenieure liefern mit der Xbox One X ein edel designtes Konsolen-Kraftpaket, das vielen Spielen eine auffallend bessere Grafikqualität beschert. Filmefans können die Konsole nebenbei als UHD-Player nutzen. Wer alle Vorzüge nutzen will, muss jedoch über einen 4K-Fernseher und eine strapazierfähige Internetverbindung verfügen.

Altgediente Xbox-Fans genießen mit der X ihre Lieblingstitel in maximaler Pracht, zudem könnte die neue Microsoft-Hardware in Zukunft die schickeren Multiplattformentwicklungen bekommen. Alle Rechenleistung der Xbox One X kann aber nichts daran ändern, dass Sony in dieser Konsolengeneration die Nase vorn hat - weil das Angebot exklusiver Spiele größer ist.

Hintergrund: Produkttests im Netzwelt-Ressort
Über welche Produkte wird im Ressort Netzwelt berichtet?
Über welche Produkte wir in der Netzwelt berichten und welche wir testen oder nicht, entscheiden wir selbst. Für keinen der Testberichte bekommen wir Geld oder andere Gegenleistungen vom Hersteller. Es kann aus verschiedenen Gründen vorkommen, dass wir über Produkte nicht berichten, obwohl uns entsprechende Testprodukte vorliegen.
Woher kommen die Testprodukte?
Testgeräte und Rezensionsexemplare von Spielen bekommen wir in der Regel kostenlos für einen bestimmten Zeitraum vom Hersteller zur Verfügung gestellt, zum Teil auch vor der offiziellen Veröffentlichung. So können unsere Testberichte rechtzeitig oder zeitnah zur Veröffentlichung des Produkts erscheinen.

Vorabversionen oder Geräte aus Vorserienproduktionen testen wir nur in Sonderfällen. In der Regel warten wir ab, bis wir Testgeräte oder Spielversionen bekommen können, die mit den Verkaufsversionen identisch sind. In einigen Fällen kaufen wir Produkte auch auf eigene Kosten selbst, wenn sie bereits im Handel oder online verfügbar sind.
Dürfen die Netzwelt-Redakteure die Produkte behalten?
In der Regel werden Testgeräte nach dem Ende des Tests an die Hersteller zurückgeschickt. Die Ausnahme sind Rezensionsexemplare von Spielen und sogenannte Dauerleihgaben: So haben wir zum Beispiel Spielekonsolen und Smartphones in der Redaktion, die wir über längere Zeit nutzen dürfen. So können wir beispielsweise über Softwareupdates, neues Zubehör und neue Spiele berichten oder Langzeiturteile fällen.
Lassen sich die Netzwelt-Redakteure von Firmen auf Reisen einladen?
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Veranstaltungen, zu denen wir auf eigene Kosten reisen, sind unter anderem die Messen Ifa, CES, E3 und Gamescom sowie Events von Firmen wie Apple, Google, Microsoft oder Nintendo. Auf Konferenzen wie dem Chaos Communication Congress oder der re:publica bekommen wir in der Regel, wie auch andere Pressevertreter, kostenlose Pressetickets, da wir über die Konferenz berichten und keine klassischen Teilnehmer sind.
Was hat es mit den Amazon-Anzeigen in manchen Artikeln auf sich?
Seit Dezember 2016 finden sich in einigen Netzwelt-Artikeln Amazon-Anzeigen, die sogenannte Partner-Links enthalten. Besucht ein Nutzer über einen solchen Link Amazon und kauft dort online ein, wird SPIEGEL ONLINE in Form einer Provision an den Umsätzen beteiligt. Die Anzeigen tauchen in Artikeln unabhängig davon auf, ob ein Produkttest positiv oder negativ ausfällt.
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Seite 1
Forenhengzt 06.11.2017
1. Gegenspieler PS4 Pro?
Nein, der Gegenspieler von der PS4 Pro ist meines Wissens nach die XBox One S! Und eine Rechenleistung von 6,5 Teraflops hat meine Grafikkarte schon seit mehr als einem Jahr. Spitzenmodelle von AMD/Nvidia sind sogar doppelt so schnell. Sehr schade was hier auf dem Konsolensektor passiert ist. Früher haben die Konsolen nämlich die Messlatte in Sachen Grafikpower höher gesetzt. Nachdem, was ich in Erfahrung bringen konnte, ist das die vorherige Hardware (8-Kern AMD Jaguar - PS + Xbox) nur ein bisschen höher getaktet und etwas mehr Speicher. Von daher auch zu teuer...und das die 4K ohne Abstriche bei der Grafikqualität/FPS möglich sind, halte ich für ein Gerücht. Von den fehlenden Must-Have-Spieletiteln mal ganz zu schweigen.
vollzeitpoltiker 06.11.2017
2. VR verpennt
Microsoft verspielt viele Dinge echt ohne Grund Warum nutzt man jetzt nicht wie ursprünglich geplant die zusätzliche Power um eine Occlus anschließen zu können ? Nach dem PR Desaster zu Beginn (Spiele nicht mit anderen tauschen, Connect Zwang, die man jetzt ohne Grund eingestampft hat, etc.) hat man nichts gelernt Bei anderen Dingen macht (Surface) macht Microsoft inzwischen echt tolle Hardware, aber die Xbox bleibt einfach weit hinter ihren Möglichkeiten
mkalus 06.11.2017
3.
Zitat von vollzeitpoltikerMicrosoft verspielt viele Dinge echt ohne Grund Warum nutzt man jetzt nicht wie ursprünglich geplant die zusätzliche Power um eine Occlus anschließen zu können ? Nach dem PR Desaster zu Beginn (Spiele nicht mit anderen tauschen, Connect Zwang, die man jetzt ohne Grund eingestampft hat, etc.) hat man nichts gelernt Bei anderen Dingen macht (Surface) macht Microsoft inzwischen echt tolle Hardware, aber die Xbox bleibt einfach weit hinter ihren Möglichkeiten
VR hat (noch?) einen geringen Wert. Ich sehe das nicht im Mainstream ankommen, das wird aber durchaus bei Simulationen beliebt sein. AR ist wo die "Zukunft" liegt und das wird nicht auf der Konsole oder am PC passieren.
Biraso 06.11.2017
4. VR ist
wurscht. Verschwendete ressourcen. Ich verstehe nicht, weshalb sich darauf so versteift wird. Die "Motion Sickness" über die VR systeme lässt sich nicht beheben. Hier wird auf ein krankes Pferd gewettet. AR oder MR ist die zukunft, nicht nur im Gaming Bereich. Micorosoft pokert meines erachtens besser als sony indem sie nicht auf ein seeehr schelchtes Blatt setzen und lieber aus der runde aussteigen. Sony wird sich massiv verzetteln.
wildthin9 06.11.2017
5.
Zitat von Birasowurscht. Verschwendete ressourcen. Ich verstehe nicht, weshalb sich darauf so versteift wird. Die "Motion Sickness" über die VR systeme lässt sich nicht beheben. Hier wird auf ein krankes Pferd gewettet. AR oder MR ist die zukunft, nicht nur im Gaming Bereich. Micorosoft pokert meines erachtens besser als sony indem sie nicht auf ein seeehr schelchtes Blatt setzen und lieber aus der runde aussteigen. Sony wird sich massiv verzetteln.
Nicht Jeder leidet an diesen Symptomen (ich z.B.) VR ist für mich bei der PSVR schlichtweg genial (gemessen am Preis/Leistungsfaktor), Ob Demos oder Spiele, diese Weite, Tiefe, die Interaktion ist einfach genial (gemessen daran daß es die 1. Generation ist). Ich freue mich direkt auf kommende Entwicklungen dazu, als Early Adopter las ich dann aber die 2. Generation aus und steig bei der 3. wieder ein ..
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