Privatsphäre-Ärger bei Xiaomi Kamerabesitzer konnte in fremde Wohnungen schauen

Google kappt vorerst eine Verbindung zu Geräten des Smarthome-Herstellers Xiaomi. Zuvor hatte ein Internetnutzer Bilder fremder Sicherheitskameras angezeigt bekommen und den Fehler öffentlich gemacht.
Kamera von Xiaomi: Geräte des Unternehmens sind auch in Europa beliebt, da sie oft sehr preisgünstig sind

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Foto: Xiaomi

Nach einem gravierenden Fehler bei der Verbindung zu Sicherheitskameras von Xiaomi hat Google eine eigene Schnittstelle zu Geräten des chinesischen Herstellers abgeschaltet. Das bestätigte ein Google-Sprecher am Freitag auf SPIEGEL-Anfrage. Kameras, Lampen und Luftreiniger von Xiaomi sind demnach vorerst nicht mehr über Google-Geräte steuerbar.

Mithilfe von Google-Software lassen sich Tausende von Smart-Home-Geräten verwalten, die sich per Tablet, Smartphone und über smarte Lautsprecher bedienen lassen. Nutzer können auf diesem Weg neben Kameras etwa Lampen, Alarmanlagen und Rauchmelder ansteuern.

Anlass für den radikalen Schritt des Konzern ist ein Albtraum-Szenario für Besitzer sogenannter Sicherheitskameras. Offenbar aufgrund eines Fehlers in Xiaomi-Software waren Bilder von Kameras der chinesischen Firma Dritten zugänglich gemacht worden. Im Webforum Reddit  beschreibt der Nutzer einer Xiaomi-Webcam, wie er unfreiwillig einen Blick in unbekannte Wohnungen werfen konnte.

Nach eigenen Angaben hatte der Reddit-Nutzer am Neujahrstag seine eigene Kamera über ein Google-Gerät ansteuern wollen, um sich das Livebild aus seiner Wohnung anzeigen zu lassen. Doch was er auf seinem Nest Hub sah, war nicht sein eigenes Zuhause. Es waren Standbilder aus Zimmern anderer Nutzer, die sich Sicherheitskameras in die Wohnung gestellt hatten.

Xiaomi entschuldigt sich bei den Kunden

Teilweise sind die Bildschirmfotos verzerrt, die der Nutzer hochgeladen hat. Doch die meisten Ausschnitte sind klar zu erkennen: Auf seinem Display erschienen Schreibtische, fremde Küchen und eine Wendeltreppe. Es sind aber auch Menschen zu sehen: Die Aufnahmen zeigen eine ältere Person bei einem Nickerchen in einem Liegestuhl und ein schlafendes Kind in einem Babybett.

Das Magazin "Android Police"  hatte als Erstes über den Fall berichtet und Kontakt mit dem Nutzer aufgenommen. In einer E-Mail antwortete der Nutzer dem Portal, dass er froh sei, seine eigene Kamera nicht auf das Bett oder die Dusche gerichtet zu haben.

Google teilte am Freitag mit: "Wir sind uns des Problems bewusst und stehen in Kontakt mit Xiaomi, um an einer Lösung zu arbeiten." In der Zwischenzeit werde die Integration von Xiaomi-Geräten bei Google-Geräten abgeschaltet.

Laut Xiaomi ist der Fehler inzwischen beseitigt. "Wir entschuldigen uns bei all unseren Nutzern für die Unannehmlichkeiten, die dadurch entstanden sind", teilt ein Sprecher des Unternehmens dem SPIEGEL mit. Die Privatsphäre der Nutzer habe bei Xiaomi oberste Priorität.

Cache-Update soll Problem ausgelöst haben

Die Störung sei bei einem Cache-Update in der vergangenen Woche aufgetreten, das die Streamingqualität der Kamera verbessern sollte, heißt es weiter. Dem Sprecher zufolge ist das Problem "nur in extrem seltenen Fällen" aufgetreten, "in diesem Fall bei der Integration zwischen der Mi Home Security Camera Basic 1080p und dem Google Home Hub mit einem Bildschirm unter schlechten Netzwerkbedingungen." Es sei nur eine geringe Anzahl von Nutzern betroffen gewesen.

Xiaomi habe das Problem in enger Zusammenarbeit mit Google behoben und den Dienst bis zur vollständigen Klärung der Ursache ausgesetzt, um "absolut sicherzustellen, dass solche Probleme nicht wieder auftreten".

Praktisch dürfte der Vorfall dem Image Xiaomis trotzdem schaden, zumal das Vertrauen von Nutzern in ihre Smart-Home-Kameras derzeit immer wieder auf die Probe gestellt wird. Erst vor wenigen Wochen waren andere Kamerahersteller wie Ring und die Google-Tochter Nest in die Kritik geraten: Hacker hatten sich über schlecht gesicherte Konten in Videostreams eingewählt und Kinder in ihren Zimmern beobachtet.

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