Xiaomi Mi 11 Ultra im Test Smartphone mit Megazoom und Minidisplay

Wenn man ihr freien Lauf lässt, schafft die Kamera dieses Smartphones einen 120-fachen Zoom. Warum man das lieber nicht tun sollte und ob dieses Smartphone in die Oberklasse gehört, klärt unser Test.
Nicht gerade unauffällig

Nicht gerade unauffällig

Foto:

Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Mit dem Mi 11 Ultra von Xiaomi hat man einen ziemlich dicken Brocken in der Hand, der beim Kameramodul mit gut 12,6 Millimetern fast doppelt so dick ist wie ein iPhone. Immerhin: Das über die ganze Breite gehende Kameragehäuse sorgt dafür, dass das Gerät stabil auf dem Tisch liegt. Geräte mit asymmetrischem Kamerabuckel, wie Samsungs Galaxy S21 Ultra und Apples iPhone 12 Max Pro, neigen dabei zum Kippeln.

Der Bildschirm ist mit 6,81 Zoll (17,3 cm) sehr groß und hat mit 3200 x 1440 Pixeln (WQHD+) eine sehr feine Auflösung, die allerdings auch reichlich Energie braucht. Vor allem, wenn man sie mit der maximalen Bildwiederholfrequenz von 120 Hertz (Hz) kombiniert.

Das Display des Mi 11 Ultra: Schön anzusehen

Das Display des Mi 11 Ultra: Schön anzusehen

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Mit voll aufgedrehter Helligkeit und allen Optionen eingeschaltet, erreichte das Mi 11 Ultra in meinem Videowiedergabe-Ausdauertest eine Laufzeit von 12,5 Stunden. Das ist nicht schlecht und reicht bei normaler Nutzung für einen Tag, mehr aber auch nicht. Wem Laufzeit wichtiger ist, dem sei deshalb angeraten, den Bildschirm auf 2400 x 1080 Pixel und 60 Hz umzuschalten.

Die Bildqualität ist in jedem Fall auch dann noch sehr gut. Die Farbwiedergabe ist realistisch, die Detailschärfe sehr gut, und auch wenn die Sonne scheint, ist das Bild noch hell genug. Die sanft in den Rahmen hineingebogenen Ränder des Bildschirms mögen ihre Fans haben, ich gehöre nicht dazu, schon weil solche Bildschirme empfindlicher auf Stürze reagieren als gerade Displays.

Minidisplay neben Megakamera

Minidisplay neben Megakamera

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Auf der Rückseite allerdings befindet sich genau so ein Display, das mit 1,1 Zoll (2,79 cm) in der Diagonalen allerdings winzig ist. Es kann darauf hinweisen, wenn neue Benachrichtigungen ankommen, und wenn man zweimal darauf tippt, zeigt es für bis zu 30 Sekunden Uhrzeit, Datum und Akkustand an. Das kann allerdings alles auch der große Hauptbildschirm. Nett ist einzig die Möglichkeit, das Zweitdisplay zu benutzen, um Selfies mit der Hauptkamera zu machen. Aber ganz zu Ende gedacht scheint das nicht, denn ausgerechnet im Porträtmodus gibt es diese Möglichkeit nicht.

120-facher Fantasy-Zoom

Dabei haben die Kameras einiges zu bieten. Die Hauptkamera liefert mit 50 Megapixeln und f/1,95 schon gute Bilder, die mit 48 Megapixeln auflösende Ultraweitwinkelkamera (f/2,2) steht dem kaum nach. Richtig interessant ist aber die Telekamera, die, ähnlich wie beim Huawei P40 Pro und Samsung Galaxy S21 Ultra, dank einer Periskop-Optik quer im Gehäuse untergebracht ist und ebenfalls über einen 48-Megapixel-Sensor verfügt (f/4,1).

Weil diese Kamera wie auch die Hauptkamera über eine optische Bildstabilisierung verfügt, lassen sich damit aus freier Hand gute Nahaufnahmen machen. Das klappt auch noch bei zehnfacher Hybridvergrößerung gut, weil der Prozessor in dieser Variante noch relativ behutsam in die Fotos eingreift.

Richtig brutal wird es aber, wenn man den 120-fachen Zoom ausnutzt, mit dem Xiaomi das Gerät bewirbt. Zwar gelingen damit, zumindest wenn man das Gerät auf eine feste Oberfläche stellt, gut erkennbare Fernaufnahmen, mit der Realität haben die aufgrund der massiven Interpolation der Bildpixel aber nicht mehr viel zu tun.

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Xiaomi Mi 11 Ultra – Testfotos

Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGEL

Schnell und bunt

Passend zu Display, Kamera und Preis packt Xiaomi den schnellen Snapdragon-888-Prozessor von Qualcomm ins Mi 11 Ultra. Da wundert es nicht, dass das Handy in Benchmark-Tests Bestwerte erreicht, die es auf eine Stufe mit Oberklasse-Modellen wie dem OnePlus 9Pro, dem Oppo Find X3 Pro und der US-Version des Samsung Galaxy S21 Ultra stellen.

Mit dieser Leistung ist es zumindest dafür gerüstet, auch nach den nächsten großen Android-Updates rund zu laufen. Da es mit Android 11 ausgeliefert wird und Xiaomi bei der Mi-Serie in der Regel zwei große Updates liefert, kann man also erwarten, dass darauf auch Android 12 und 13 funktionieren werden. Über Googles Android legt Xiaomi stets seine Benutzeroberfläche MIUI, die den Geräten eine eigene, recht bunte Optik verleiht. Ob das gut aussieht, ist reine Geschmacksfrage.

Die übrige Ausstattung lässt wenig zu wünschen übrig: Der Fingerabdrucksensor ist in das Display integriert, arbeitet schnell und zuverlässig, der Arbeitsspeicher ist mit 12 Gigabyte (GB) üppig bestückt, der übrige Speicherplatz mit 256 GB ausreichend, aber auch nicht erweiterbar. Fürs WLAN bringt das Gerät Wifi 6 mit, für unterwegs ist ein 5G-Modul integriert. Und anders als beim Mi 11 gibt es für das Ultra auch eine IP68-Zertifizierung, es ist also gegen Staub und Wasser geschützt.

Fazit

Mit dem Mi 11 Ultra tummelt sich Xiaomi nicht nur preislich in Oberklasse-Regionen. Für 1200 Euro bekommt man hier ein Spitzendisplay, gute Kameras mit einer sehr guten Telekamera, Topleistung, 5G und ausreichend Speicher, der leider nicht erweiterbar ist.

Über das Design kann man freilich streiten. Vorn sieht man nur das übliche, schwarze Bildschirmrechteck, hinten aber den fetten Kameraknubbel, der weit aus dem Rücken herausragt und das Mi 11 Ultra kopflastig macht.

Aber für die Überlegung, ob man sich dieses Gerät zulegen will, kann man sich noch Zeit lassen. Laut Xiaomi soll das Mi 11 Ultra in Deutschland im zweiten Quartal auf den Markt kommen – also spätestens Ende Juni.

Hintergrund: Produkttests im Netzwelt-Ressort