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Xiaomi: Das Mi Mix ausprobiert

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Xiaomi Mi Mix ausprobiert Das Handy, das Apple und Samsung gerne hätten

Bisher galt der chinesische Elektronikhersteller Xiaomi als Kopiermaschine, die erfolgreiche Vorbilder hemmungslos abkupfert. Beim Smartphone Mi Mix zeigt die Firma, dass sie auch anders kann.

Noch bevor das Smartphone Mi Mix auf dem chinesischen Markt war, sorgte es weltweit für Begeisterung, die man so sonst nur von iPhone-Fans gewohnt ist. Die Zusammenarbeit mit dem weltweit bekannten Produktdesigner Philippe Starck dürfte zum Hype beigetragen haben. Er hat ein Handy geschaffen, das an drei Seiten nahezu randlos erscheint.

Auf der Hightech-Messe CES in Las Vegas hatten wir Gelegenheit, das Mi Mix auszuprobieren. Vorab sei aber gleich gesagt: Kaufen kann man das Smartphone derzeit nur in China. Trotzdem lohnt es sich, sich das Mi Mix genauer anzuschauen.

Durch zahlreiche technische Tricks und Design-Kniffe haben es Xiaomis Entwickler geschafft, einen größeren Bildschirm einzubauen als üblich. Zwar ist das Gehäuse in etwa so groß wie das eines iPhone 7 Plus, doch statt 5,5 Zoll wie beim Apple-Gerät weist das Display hier eine Diagonale von 6,4 Zoll auf.

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Xiaomi: Das Mi Mix ausprobiert

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Das hat einige Besonderheiten zur Folge. So hat das Mi Mix ein Bildseitenverhältnis von 17:9 und ein Auflösung von 2040 x 1080 Pixeln. Laut Xiaomi bedeckt der Bildschirm mehr als 90 Prozent der Vorderseite, mehr als bei irgendeinem anderen Smartphone.

Damit das möglich wurde, haben Xiaomis Designer auf einen herkömmlichen Lautsprecher, über den man seinen Gesprächspartner hört, verzichtet. Stattdessen wird im Inneren eine keramische Piezoelektronik in Schwingungen versetzt, die wiederum den Metallrahmen des Gehäuses zum Schwingen bringen. Der Rahmen dient also quasi als Lautsprecher.

Der wichtige Unterschied zu herkömmlicher Technik: Der Ton ist nicht direkt auf das Ohr ausgerichtet, sondern strahlt in alle Richtungen ab. Theoretisch könnten also umstehende Personen mithören. Ob das in der Praxis so ist, ließ sich im lärmenden Messetrubel nicht klären. Während die Produkte in Deutschland kaum zu bekommen sind, ist Xiaomi in China längst enorm erfolgreich. Neben seinem Mi Mix verkauft die Firma eine ganze Reihe von Gadgets, wie diese Fotostrecke zeigt:

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Xiaomi: Auf diese Gadgets setzt Xiaomi in China

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Für Selfies auf den Kopf stellen

Eine ungewöhnliche Lösung hat Xiaomi auch für den Annäherungssensor gefunden, der das Display abschaltet, wenn man das Handy zum Telefonieren ans Ohr hält. Normalerweise werden dafür optische Sensoren verwendet. Bei Mi Mix steckt dafür ein Ultraschallsensor hinter dem Bildschirm.

Ein weiterer Design-Trick, um den Bildschirm möglichst groß machen zu können: Für Selfies dreht man das Mi Mix am besten auf den Kopf. Die Selfie-Kamera ist nicht wie üblich oben, sondern unten eingebaut. Der Fingerabdrucksensor liegt wie beim Google Pixel und den Huawei-Smartphones auf der Rückseite.

Keramik statt Plastik oder Aluminium

Weil das Gehäuse an den Kanten abgerundet ist, fühlt es sich in der Hand sehr angenehm an. Weil es aber trotzdem eben ein XL-Smartphone ist, lässt es sich kaum einhändig bedienen, so groß ist es. Derzeit bietet Xiaomi das Gerät in auf Hochglanz poliertem Weiß und Schwarz an. Beide Varianten sehen hochwertig aus, Fingerabdrücke sieht man aber schnell darauf. Als Gehäusematerial verwendet das chinesische Unternehmen nicht Metall oder Kunststoff, sondern eine moderne Keramik. Wie gut die sich gegen Kratzer und Stöße zur Wehr setzen kann, ließ sich auf der Messe nicht klären.

Wie viele chinesische Handyhersteller hat auch Xiaomi eine eigene Benutzeroberfläche über das Android-6.0-Betriebssystem des Mi Mix gestülpt. Und die ist mit den üblichen Nachteilen verbunden: Nicht alles funktioniert so, wie man es von Smartphones mit unverändertem Android gewöhnt ist. Manche Funktionen fehlen ganz. Und schließlich ist es für den Hersteller dadurch aufwendiger, Android-Updates bereitzustellen. Ob es für das Mi Mix ein Update auf Android 7.0 geben wird, ist unklar.

Ob die 16-Megapixel-Kamera des Geräts etwa taugt, ließ sich auf der CES leider nicht klären. Dafür waren die Lichtverhältnisse in der Messehalle zu schlecht. Deutlich wurde jedoch, dass das chinesische Smartphone auf absehbare Zeit keine Leistungsprobleme hat. Es wird von demselben Prozessor angetrieben wie das Google Pixel, das in unserem Test bei Leistungsmessungen sehr gut abgeschnitten hat.

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Foto: Matthias Kremp

Fazit

Nach dem kurzen Test auf der CES ist es nicht möglich, ein abschließendes Urteil zu fällen. Das Design ist ohne Frage hervorragend. Die Lösungen, die Xiaomi für eine maximale Bildschirmfläche gewählt hat, scheinen vernünftig. Ich würde mir trotzdem ein Handy auf Basis des Mi Mix wünschen, das zwar einen 5,5-Zoll-Bildschirm hat, aber nur so groß ist wie ein herkömmliche 4,7-Zoll-Smartphone ist.

Der Preis ist mit rund 500 Dollar für 128 GB Speicher und knapp 600 Dollar für die Variante mit 256 GB sehr günstig.

Hintergrund: Produkttests im Netzwelt-Ressort

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