Zerstörungswut bei YouTube iPad zu Asche

Kaum ist Apples Touch-Computer in den USA am Markt, gibt es im Netz die ersten Videos von wahren iPad-Zerstörungsorgien. Das Gerät wird unter Wasser gesetzt, knallt auf Beton oder wird mit einem Baseballschläger verdroschen. SPIEGEL ONLINE zeigt die Tiefpunkte der Technikfolter.
Geräte-Tortur: Das iPad soll in den Mixer - doch dafür muss es erst zerbrochen werden

Geräte-Tortur: Das iPad soll in den Mixer - doch dafür muss es erst zerbrochen werden

Kurz nach dem Kauf liegt der Nerd-Traum in Trümmern: Das zerstörte iPad - die Glasscheibe geborsten, das Gehäuse verbeult - krümmt sich an der Bordsteinkante. Jugendliche haben mit einem Baseballschläger auf den 500 Dollar teuren Computer eingedroschen - zum Spaß.

Die zwei Minuten lange iPad-Opferung ist derzeit der Renner auf YouTube. Dem allgegenwärtigen Hype um das Gerät setzen die Prügel-Kids plumpe, rohe Gewalt entgegen. Apple-Jünger mögen bei solchen Bildern stöhnen, zumal in Deutschland, wo das iPad offiziell erst im Mai verkauft wird. Doch die infantile Zerstörungsorgie gegen die Konvention "Das ist ein teures Gerät, macht es nicht sinnlos kaputt" ist schon ein bisschen Punk.

Und die Technikfolter findet auch andernorts statt: Die Redaktion einer Computerzeitschrift und ein Küchemixer-Hersteller nutzen die iPad-Aufregung aus und üben sich in brachialer Zerstörungswut. Die technikverliebten Bastler von "iFixit" verfolgen bei ihrer iPad-Demontage immerhin noch eine hehres Ziel: Sie schauen dem Computer unter die Haube, wollen herausfinden, welche Technik in dem Wunderding steckt .

Verbeult, püriert, zerhackt - leiden Sie mit, wenn brandneue iPads ihr jähes Ende finden:

Dieses Video zeigt sinnlose Gewalt: Jugendliche zerstören ein iPad. Doch was aussieht wie ein Überfall - ich nehme dir dein teures Spielzeug weg und kloppe es zu Brei - ist doch nur der seltsame Spaß finanziell flüssiger Teenager. Die "LA Times"  hat Justin Kocott, den Urheber des iPad-Prügelvideos, ausfindig gemacht. Er outete sich kurioserweise als echter Apple-Fan.

Mit seinen Freunden ging er in eine "Best Buy"-Filiale, wo sie drei Geräte kauften. Zwei davon wollen sie wirklich nutzen. Das dritte Exemplar aber musste dran glauben, die Prügelorgie filmte der 19-Jährige mit einem iPhone. "Ich wollte der erste sein, bevor es jemand anderes macht", sagte Kocott der Zeitung. Wenn das mal kein Grund ist.

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Feinpüriert für Mixer-Werbung

Es bleibt nur Asche: Wie sich Apples neuestes Hightech-Gadget in einem Mixer macht, demonstriert das Video eines Küchengeräte-Herstellers. Tom Dickson, Gründer und Geschäftsführer von Blendtec, hat schon etliche Gegenstände werbewirksam in einen Mixer seiner Firma geworfen. Darunter Barbie-Puppen, Golfbälle und Spielzeugautos - sehr zur Belustigung der YouTube-Fangemeinde.

Als Teil der viralen Werbekampagne ließ er auch schon iPhones von seinen Maschinen zerpflücken, als Gadget-Fans in aller Welt noch den Verkaufsstart des teuren Telefons herbeisehnten. Wenig überraschend also, dass jetzt auch das iPad pünktlich zum Verkaufsstart dran glauben muss.

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"Getestet" auf Robustheit

Was passiert, wenn man ein technisches Gerät mit großer Glasoberfläche auf Beton knallen lässt? Natürlich, es geht kaputt - was man auch ohne Praxisprüfung hätte wissen können. Das hat aber Tom Moynihan von "PC World" nicht davon abgehalten, trotzdem ein iPad so zu "testen". Doch zunächst malträtierte er das Gerät unter fließendem Wasser mit einem Schwamm - und das nur, weil es zuvor verschütteten Kaffee und heißes Wasser recht problemlos überstanden hatte.

Zerlegt in alle Einzelteile

Weniger rabiat gingen Kyle Wiens und Luke Soules mit ihrem iPad um. Sie gehörten zu den ersten Käufern in den USA, die den 500-Dollar-Rechner in ihren Händen hielten - und sich sofort daranmachten, das Gerät vorsichtig in seine Einzelteile zu zerlegen. Keine einfache Aufgabe, denn das iPad kommt ohne Schrauben aus. Apple versteckt das Innenleben seiner Geräte vor neugierigen Blicken.

Die Mission der Bastler: Das Gerät bis aufs kleinste Bauteil analysieren. Diesen Service lässt sich die Konkurrenz einiges kosten, bezahlt Dienstleister für detaillierte Untersuchungen. Doch Wiens und Soules machen alles öffentlich. Sachen selber reparieren, so wie früher, das ist ihr Credo. "In den fünfziger Jahren war es cool, am eigenen Auto herumzuschrauben", sagte Wiens der Nachrichtenagentur Reuters . Die beiden haben eine Firma, die sich auf Ersatzteile für Apple-Geräte spezialisiert hat.

Zuvor hatte auch die amerikanische Federal Communications Commission (FCC), die funkende Elektrogeräte zertifiziert, bereits Bilder eines zerlegten iPads veröffentlicht. Die Behörde stellte Aufnahmen davon auf ihre Website . Etliche Beschriftungen auf größeren Bauteilen, vor allem den Mikrochips, sind hier allerdings auf Apple-Wunsch unkenntlich gemacht.

Fotostrecke

Geknackt: Das iPad von innen

Foto: MOLLY RILEY/ REUTERS

Wiens und Soules hingegen legen alles offen, zeigen die Chips, die von der FCC schwarz übermalt wurden. Damit tragen sie zur Entmystifizierung des "magischen" Geräts bei, wie Apple-Firmenchef Steve Jobs das iPad anpreist: Auch Apples Wunderflunder setzt auf Bauteile asiatischer Chipfabriken.

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