Angetippt Bei "80 Days" erzählen Sie sich die Geschichte selbst

 Neue Routen entdeckt: Schafft es der Spieler einmal um den Globus?


Neue Routen entdeckt: Schafft es der Spieler einmal um den Globus?

Von


In Spielbüchern wie "Die Insel der 1000 Gefahren" müssen Leser immer wieder Entscheidungen treffen, wie die Geschichte weitergeht. Je nach Auswahl liest man dann an einer anderen Stelle des Textabenteuers weiter. Die Spiele-App "80 Days" funktioniert so ähnlich - nur viel schöner, bequemer und vor allem interaktiv.

In Anlehnung an Jules Vernes "Reise um die Erde in 80 Tagen" muss der Globus umrundet werden. Eine Aufgabe, die sich leicht anhört, doch die Handlung spielt im Jahr 1872, also lange vor einem weltweiten Flugliniennetz, Google Maps und GPS. Über Reisemöglichkeiten in andere Städte muss man sich hier noch mühsam durchs Rumfragen oder per Karten-Kauf informieren. Bei "80 Days" ist zwar der Weg das Ziel. Trotzdem muss die Reise schnell gehen.

Fotostrecke

12  Bilder
Spiel-App "80 Days": Per Touchpad um den Globus
Vom Spielprinzip her wirkt die iOS-App wie eine Mischung aus einem Wettlauf-Brettspiel und einem "Entscheide, wie es weitergeht"-Videospiel im Stil von "The Walking Dead". Der Spieler muss nicht nur eine Route um die Welt planen, sondern sich auch in Textbildschirmen ständig für eine von mehreren Alternativen entscheiden.

In "80 Days" ist man nie allein

So kann er zum Beispiel festlegen, in welche Richtung ein Dialog verläuft oder welches Ausstellungsstück der Ich-Erzähler bei der Pariser Weltausstellung bewundert. Zu welchen Figuren ist der Spieler nett, zu welchen nicht? Verleugnet er seine französische Herkunft in bestimmten Städten, oder sagt er stets die Wahrheit? Geht er auf windige Mitfahr-Angebote ein oder ignoriert er diese?

"80 Days" erzählt die komplette Geschichte in Textform, nur die Reisen werden auf einer Weltkarte visualisiert. Bewegt man sich auf der Karte, sieht man während des Spielens, von wo nach wo gerade andere "80 Days"-Käufer reisen - eine schöne Idee, die dem Spieler das Gefühl nimmt, er lese einsam einen Roman.

Überhaupt bringt "80 Days" das vor allem in den Achtzigern populäre Spielbuch-Prinzip äußerst gut ins Jahr 2014. Die Steuerung geht per Touchscreen leicht von der Hand, die Hintergrundmusik ist gut, die Texte sind nett geschrieben und angenehm kurz. Erst wenn sich bei x-ten Besuch einer neuen Stadt langsam Routine einstellt, verliert das Spiel ein wenig an Faszination.

Man braucht gute Englischkenntnisse - und ein iOS-Gerät

Neben der reinen Reiseplanung bietet "80 Days" weitere Herausforderungen wie das Managen des Reisebudgets. Dieses lässt sich aufbessern, indem man in der einen Stadt Gegenstände kauft, die sich in einer anderen teuer verkaufen lassen. Dafür müssen sie aber erst mal im eigenen Gepäck verstaut werden - und dann müssen die Koffer voller Kostbarkeiten auch noch ins Boot, in den Heißluftballon oder gar auf einen Kamelrücken passen.

"80 Days" kostet 4,49 Euro, dafür motiviert das Spiel mit 150 Städten und entsprechend vielen Reisewegen zum mehrmaligen Durchspielen. In-App-Käufe gibt es keine. Eine Weltumrundung dauert je nach Lese- und Entscheidungstempo zwei bis vier Stunden, der Schwierigkeitsgrad ist fordernd, aber nicht fies.

Bislang ist der interaktive Roman der Entwickler von Inkle nur für iOS-Geräte erhältlich. Wer das Spiel ausprobiert, sollte recht gut Englisch können, auch Geografiekenntnisse helfen. Sonst kann man angesichts der englischen Städtenamen in Afrika oder Asien schnell mal die Orientierung verlieren.



Diskutieren Sie mit!
1 Leserkommentar
neugut.buch 26.12.2014

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.