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Koop-Abenteuer: Das ist "A Way Out"

Foto: Hazelight Studios/ Electronic Arts

"A Way Out" im Test Dieses Spiel schafft niemand allein

Ein mutiges Experiment ist geglückt: Das neue Videospiel "A Way Out" zwingt Spieler zur Zusammenarbeit - und belohnt sie mit vielen Glücksmomenten.

Am schönsten ist "A Way Out" dann, wenn man gar nichts mehr sagen muss. Wenn man bei Kämpfen den Partner auf den Tasten des Controllers tanzend ablöst und ihm dann das Spiel wieder überlässt. Oder einfach nur kurz anzählt, wann man gemeinsam eine Tür einrammt. Dann, wenn man sich blind versteht, sich und dem Spiel vertraut. Und das ist hier meistens der Fall.

"A Way Out" ist das neueste Projekt des schwedischen Regisseurs Josef Fares, der sich mit Filmen wie "Jalla! Jalla! Wer zu spät kommt …" oder "Kops" einen Namen gemacht hat. Seit einigen Jahren arbeitet er an Videospielen und hat mit "Brother: A Tale of Two Sons" bereits ein bezauberndes Werk geschaffen.

Damals musste ein Spieler zwei Figuren mit einem Controller steuern, jetzt sind zwei Spieler gefragt, die gemeinsam unterwegs sein müssen, per Onlineverbindung oder auch gemeinsam an einer Konsole. Allein funktioniert das Spiel nur dann, wenn man sich ein weiteres Paar Hände zulegt.

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Koop-Abenteuer: Das ist "A Way Out"

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Eine vorsichtig beginnende Männerfreundschaft

Leo und Vincent sind die beiden Protagonisten. Leo - von Josef Fares Bruder gesprochen und gespielt - ist ein Italo-Gangster aus dem Mafia-Standardbaukasten, Vincent ein eher zufällig auf die schiefe Bahn geratener Banker. Was anfangs nach Klischee riecht, entwickelt beim Zusammenspiel der beiden Figuren bald großen Charme. Die Dialoge sind immer wieder für kleine treffende Beobachtungen und trockene Witze gut. Es ist schön, einer vorsichtig beginnenden Männerfreundschaft zuzuschauen.

Diese nämlich entsteht, nachdem Vincent Leo davon überzeugt hat, ihn bei einem Ausbruch mitzunehmen. Nur gemeinsam können sie es schaffen, das zeigt sich bald. Verbunden ist ihr Schicksal auch, weil ein mysteriöser Bekannter namens Harvey beide übers Ohr gehauen hat - unabhängig voneinander. Und weil sie beide Rache schwören. Der Ausbruch aus einem Gefängnis ist deshalb erst der Anfang einer Geschichte, die viele überraschende Wendungen macht, über die an dieser Stelle nicht mehr verraten wird.

Doch schon dieser Ausbruch ist clever konstruiert, immer wieder müssen beide Spieler zusammenarbeiten. Einer steht Wache, während der andere einen Weg aus der Zelle findet. Dann wiederum müssen sie Rücken an Rücken klettern und dabei im Rhythmus zusammenarbeiten. Unterstützt wird das durch die hervorragende Umsetzung des Splitscreens, des getrennten Bildschirms. Immer wieder wandelt sich die Größe der einzelnen Bilder, immer wieder nimmt der mit der wichtigeren Rolle einen größeren Raum ein.

Manchmal wandern beide Bilder zusammen, manchmal ist nur eine Figur zu sehen. Das Ganze geschieht flüssig, wie in einer filmischen Bildmontage, die in Actionfilmen der Siebzigerjahre so beliebt war. In einer Zeit, in der "A Way Out" auch angesiedelt ist.

Ein Exemplar des Spiels reicht

Am meisten Spaß macht das Spiel, wenn man tatsächlich mit einem Freund zusammen auf dem Sofa sitzt, man sich gegenseitig dirigiert oder auch anpflaumt, wenn einer es zum Beispiel nicht schafft, mit der Taschenlampe die richtigen Ecken auszuleuchten, sodass der andere die wichtigen Schalter nicht finden kann.

Immer wieder aber staunt man, wie schön "A Way Out" das Zusammenspiel inszeniert, wie viel Sinn es ergibt, hier keinen Einzelspielermodus zu haben. Gut übrigens, dass nicht jeder Spieler ein Exemplar des Spieles kaufen muss: Wer von einem Freund eingeladen wird, kann sich das Spiel ebenfalls herunterladen, er kann allerdings nur mit diesem Freund zusammenspielen.

Auch wenn es Elemente im Spiel gibt, die nicht so gelungen sind, wie zum Beispiel etwas mühsame und nicht sonderlich aufregend inszenierte Verfolgungsjagden, auch wenn einige Szenen arg an die Standard-Schreckmomente eines "Uncharted" erinnern: Spätestens dann, wenn man durch ein verlassenes Haus geht und einer hier etwas ausprobiert, der andere sich verkleidet und man darüber gemeinsam kichern kann, sind diese Dinge wieder vergessen.

"A Way Out" belebt das Koop-Konzept mit vielen kleinen Ideen neu, das Spiel setzt auf Zusammenarbeit, auf Köpfchen und auf Intuition. Und es ist dabei mutig genug, all die auszuschließen, die sich nicht darauf einlassen können. Wer "A Way Out" gespielt hat, kann danach nur hoffen, dass dieser Mut belohnt wird, durch gute Verkaufszahlen, durch positives Feedback der Spieler. Denn von dieser Sorte schön erzählter Spiele darf es gern wieder mehr geben.


"A Way Out" von Hazelight Studios/Electronic Arts für PC, Playstation 4 und Xbox Live (für das Online-Spiel auf Konsole wird Playstation Plus bzw. Xbox Live Gold benötigt); ab 30 Euro; USK: Ab 18 Jahren

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