Activision-Publishing-Chef "Es gibt mächtige neue Konkurrenz"

Die Kölner Spielemesse beginnt - ohne Nintendo, Microsoft und Sega. Viele Unternehmen der Games-Branche schreiben rote Zahlen. Der Publishing-Chef des größten Spieleherstellers Activision über den Zustand der Industrie, die mobile Konkurrenz, Sonys Playstation Vita und fallende Minutenpreise.

Activision

SPIEGEL ONLINE: Die Kölner Videospielmesse Gamescom sieht dieses Jahr etwas traurig aus. Microsoft, Nintendo, Sega, THQ - eine ganze Reihe großer Unternehmen werden nicht vor Ort sein. Verliert die Messe ihre Attraktivität?

Eric Hirshberg: Für uns ist die Gamescom ein wichtiger Teil unserer Strategie zur Markteinführung von "Call of Duty: Black Ops II", wir werden dort wichtige Neuigkeiten über das Spiel verkünden. Wir freuen uns sehr auf die Gamescom.

SPIEGEL ONLINE: Aber wenn man sich die Besetzung der Messe und auch die Geschäftszahlen einiger wichtiger Unternehmen ansieht - hat die Branche nicht bessere Jahre erlebt als 2012? Hat das mit dem Wachstum von Mobile und Social Gaming zu tun?

Hirshberg: Es gibt da eine Tendenz, allgemeine Branchentrends zu verwechseln mit einer Dynamik, die nur darauf basieren könnte, dass der Lebenszyklus der aktuellen Konsolengeneration zu Ende geht. Der aktuelle Zyklus währt schon sieben Jahre. Unbestreitbar gibt es aber auch mächtige neue Konkurrenz. Die Leute spielen an neuen Orten und auf neue Arten, das bringt Wettbewerb, aber auch neue Möglichkeiten. Und die jeweiligen fünf Spitzentitel der Branche wachsen weiter. Das war in den vergangenen Jahren so und ist auch dieses Jahr so, mit großen Prozentsätzen. Es gibt immer noch einen großen, gesunden Appetit für sehr involvierende, aufwendig produzierte Spiele. Darauf konzentrieren wir uns.

SPIEGEL ONLINE: Heißt das, dass es künftig weniger und noch teurer produzierte Blockbuster-Titel geben wird?

Hirshberg: Wir konzentrieren uns auf die besten Möglichkeiten, die sich uns bieten und die Bereiche, in denen wir den größten Wettbewerbsvorteil haben. Wir versuchen weniger Dinge zu tun und die noch besser zu machen. Diese Strategie ist für uns bislang aufgegangen.

SPIEGEL ONLINE: Werden Sie von Anfang an Spiele für Nintendos neue Konsole Wii U entwickeln?

Hirshberg: Wir finden die Wii U sehr aufregend, aber wir haben noch keine offiziellen Ankündigungen gemacht.

SPIEGEL ONLINE: Für die Playstation Vita wird es aber Spiele von Ihnen geben?

Hirshberg: Für die Vita entwickeln wir "Call of Duty: Black Ops Declassified", das ist auf einem guten Weg.

SPIEGEL ONLINE: Die Vita ist für die Branche im Moment ja ein wunder Punkt. Sie scheint sich nicht so gut zu verkaufen, wie Sony vielleicht gehofft hat. Machen Sie sich Sorgen, dass auch Ihr Titel für das Gerät sich nicht gut verkaufen wird?

Hirshberg: Für jede Plattform gilt, dass der Erfolg der Software untrennbar mit dem der Hardware verknüpft ist, also beobachten wir diese Entwicklung natürlich sehr genau. Andererseits wurden uns auch im Zusammenhang mit "Skylanders" für die Wii viele Fragen gestellt, weil die Konsole in 2011 nicht so stark zu sein schien. Aber der Titel hat sich dann sehr gut verkauft, weil er zu einem Must-Have-Inhalt für die Wii wurde. Wir können immer noch eine Erfolgsgeschichte erleben und vielleicht sogar die Software liefern, die das Potential der Vita erst richtig deutlich macht.

SPIEGEL ONLINE: Activision hat sich den Ruf erworben, eher distanziert zu sein, wenn es um die Unterstützung neuer Plattformen mit Software ging. Wie wichtig wird denn Ihre Unterstützung der kommenden Konsolengeneration in dieser schwierigen Phase für die Branche?

Hirshberg: Ich würde das anders interpretieren. Activision hat sich immer klug verhalten hinsichtlich der unterstützten Plattformen, aber wir sind auch eines der am stärksten Plattform-agnostisch ausgerichteten Unternehmen. Wer veröffentlichen unsere Spiele meistens auf vielen Plattformen. Ich glaube nicht, dass wir distanziert waren, wir waren klug, zur richtigen Zeit am richtigen Ort.

SPIEGEL ONLINE: Wird es für die nächste Playstation, die nächste Xbox Activision-Titel zum Start geben?

Hirshberg: Wir wollen immer dort sein, wo unsere Kunden sind, mit den besten Inhalten. Wir haben derzeit keine offiziellen Ankündigungen zu diesem Thema.

SPIEGEL ONLINE: Sie haben gerade ein neues Studio speziell für mobile Spiele in Großbritannien eröffnet. Andere, kleinere Unternehmen haben auf diesem Markt in den vergangenen Jahren mit Titeln wie "Angry Birds" eine Menge Geld verdient - hat der Rest der Branche den Trend verschlafen?

Hirshberg: Wir kommen auf diesem Markt überhaupt nicht zu spät. Activision hat viele gute, hoch bewertete Mobiltitel hergestellt, "Guitar Hero", "Zombies" und "Crash" zum Beispiel, wir waren immer da. Jetzt sehen Sie verstärkte Investitionen, weil wir eine relevante Menge entsprechender Geräte sehen und der Markt sich entwickelt hat. Wir beobachten Entwicklungen genau und wenn wir handeln, dann in großem Stil.

SPIEGEL ONLINE: Mobile Spiele kosten Bruchteile eines großen Konsolen- oder PC-Titels. Mit vielen davon kann man aber genauso viel Zeit verbringen wie mit einem Spiel für 50 oder 60 Euro. Wird Spielen pro Minute günstiger für die Gamer?

Hirshberg: Nur weil man für ein Spiel genauso lange braucht, heißt das nicht, dass es auch genauso stark involviert oder ähnlich gut aussieht. Es gibt da immer noch einen großen Abstand in Sachen Grafik, Steuerungspräzision, Produktionsaufwand zwischen einem Smartphone und dem, was eine Konsole bietet. Für uns ist der mobile Markt additiv. Man betrachtet ihn als Konkurrenz, aber ich betrachte ihn als Möglichkeit, mit unseren Marken neue Kunden an neuen Orten, auf neuen Geräten, mit neuem Spielverhalten und zu neuen Tageszeiten zu erreichen.

SPIEGEL ONLINE: Trotzdem hat jeder Spieler ein begrenztes Zeitbudget zur Verfügung. Wenn die durchschnittliche Spielminute billiger wird, werden die Folge nicht geringere Erlöse für die Branche als Ganzes sein?

Hirshberg: Es ist unbestreitbar, dass digitale Medien, Social Media, die Verbreitung von Smartphones und die Verfügbarkeit von Breitbandverbindungen allen Konsumenten mehr Unterhaltungsmöglichkeiten gebracht haben. Wenn man sich aber auf die besten, die Must-Have-Inhalte konzentriert, kann man davon profitieren. Weil die Leute Inhalte heute an mehr Orten konsumieren können. Natürlich kann man vermuten, dass alle Märkte schrumpfen werden, weil der Tag eine begrenzte Anzahl an Stunden hat. Aber das hat nicht verhindert, dass "The Avengers" der erfolgreichste Film aller Zeiten wurde, oder dass NBC bei diesen Olympischen Spielen bessere TV-Quoten hatte als bei den vorangegangenen. Bei uns ist es das Gleiche: Ja, die Leute haben mehr Auswahl, aber unsere größten Marken wachen weiter und wir haben gleichzeitig Anteil an der Verbreitung neuer Geräte und Spielweisen, die Konsum an neuen Orten möglich machen.

Das Interview führte Christian Stöcker



insgesamt 4 Beiträge
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moev 15.08.2012
1.
Kann jedem vom Besuch nur abraten. Nachdem ich eigentlich schon seit Jahren dorthin wollte, erst nach Leipzig dann nach Köln und es immer wieder aus diversen Gründen nicht geklappt hat, habe ich mir letztes Jahr den "Traum" erfüllt. Was für eine wahnsinnge Zeit- und Geldverschwendung. Es gibt dort quasi nichts zu sehen, nahezu jedern Stand ist von außen blickdicht abgeriegelt, damit ja kein U-18-Besucher einen versehentlichen Blick erhaschen kann. Selbst zum spielen zu kommen habe ich mir gar nicht wirklich vorgenommen, die 5h und mehr Warteschlangen waren mir bewusst. Aber ich dachte könnte wenigstens auf Monitoren sehen wie andere spielen und so die neuen Games mal live sehen. Aber Pustekuchen, nichts ist. Entweder nur bedruckte Standwände von außen bewundern oder eben 5h anstehen um mal 10 Min spielen zu dürfen. Gucken ist nicht. Nie wieder Gamescon
teekesselchen 15.08.2012
2.
ist bei diesem "Interview" eigentlich auch irgendeine inhaltliche Aussage drin? Ich lese da nur inhaltsleeren Marketingsprech, der alles oder nichts bedeuten kann!
backshop 15.08.2012
3. die Spielemesse muss nach Berlin
waere deutlich sinnvoller, auch mitten rein in die Startup-Szene ...
Phil Coleman 15.08.2012
4. warum?
selten so ein schlechtes, inhaltsloses "Interview" gelesen.
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