Allianz der Riesen Nokia und Intel schließen Open-Source-Bündnis

Mit einem neuen Betriebssystem wollen Nokia und Intel einen gigantischen neuen Markt kreieren. Die Software soll die Welten von Handy, Netbook und Fernseher verschmelzen, lukrative App-Stores ermöglichen. Eine Chip-Allianz dagegen verkündeten die beiden Riesen nicht - schmerzlich für Intel.
Nokia N900 (mit Maemo-Betriebssystem): Aus Moblin und Maemo wird mit Intel Meego

Nokia N900 (mit Maemo-Betriebssystem): Aus Moblin und Maemo wird mit Intel Meego

Foto: HO / REUTERS

Nokia

Intel

Die Erwartung, Nokia werde auf den Trend zu schnellen Chips aufsetzen, künftig Intel-CPUs verwenden, wurde auf einer gemeinsamen Pressekonferenz der beiden Konzerne in Barcelona nicht bestätigt. Die Kooperation der Firmen bezieht sich ausschließlich auf Software - vorerst. Kern der Ankündigung: und vereinen ihre Linux-Projekte Moblin und Maemo, um daraus ein neues, universelles Linux-Betriebssystem zu bauen, das die Partner auf den Namen Meego getauft haben. Ähnlichkeiten mit der Fernsehserie "Meego - Ein Alien als Kindermädchen" sind ausgeschlossen.

Meego soll künftig auf einer Vielzahl unterschiedlicher Geräte, vom Handy über Netbooks, Tablets bis hin zu Fernsehern laufen, versprechen die beiden Partner.

Der Kern der Idee liegt darin, App-Entwicklern eine attraktive Vertriebsplattform zu bieten. Indem die Software auf etlichen unterschiedlichen Geräten laufen kann, soll zügig eine große installierte Basis entstehen, die den Entwicklern ein gewinnbringendes Umfeld in Form einer großen potentiellen Kundschaft bietet. Dabei will man Wert darauf legen, dass Meego-Apps "forward compatible" sind, einmal geschrieben also auch auf künftigen Geräten laufen.

Meego ist nicht von einem bestimmten Prozessor abhängig

Apps

Um möglichst vielen Entwicklern und Herstellern die Möglichkeit zu geben, Meego für eigene Geräte und zu nutzen, soll die Software als Open Source freigegeben, von der Linux Foundation verwaltet werden. Jeder Interessierte kann sich das System also nach den eigenen Bedürfnissen zurechtbasteln.

Ebenso soll man seine Meego-Apps nach Belieben vermarkten können. Nokia-Manager Kai Oistamö: "Keine Mauern, keine Zäune". Die Software kann einerseits über Intels AppUp-Center verteilt werden. Netzbetreiber und Gerätehersteller können andererseits aber auch eigene App Stores einrichten. Nokia etwa will Meego-Programme über seien Ovi Store verkaufen. Zudem ist die Meego-Software nicht von einem bestimmten Prozessor abhängig.

Intel will mehr

Ob Intel mit diesem reinen Softwaredeal glücklich ist, darf man in Zweifel ziehen. Der Chip-Hersteller hat schon lange darauf hingearbeitet, seine Marktführerschaft bei PC-Prozessoren auf den Mobilfunkbereich auszuweiten. Einen Etappensieg in dieser Richtung erreichte das Unternehmen im Januar, als es verkünden konnte, dass sein neuer Atom-Chip, Codename Moorestown, als Antrieb für das GW990 von LG dienen werde. Der Chipgigant war endlich auch im Handy-Business.

Noch lieber aber würde sich der Chip-Weltmarktführer mit dem Handy-Marktführer zusammenzutun - auch was die Hardware angeht. Doch von Nokia-Handys mit Intel-Chips war in Barcelona nicht die Rede. Nur ein maues "das kann man in Zukunft nicht ausschließen" war zu vernehmen.

Und wer noch?

Neben Nokia werden sich laut Intel allerdings in Kürze noch weitere Hersteller zu Meego bekennen. Das liegt ohnehin auf der Hand, wenn das Versprechen, die Software werde auf einer Reihe von Gräten laufen, eingelöst werden soll. Wann das passieren wird oder welche Hersteller das sein werden, mochte Intel in Barcelona allerdings noch nicht verraten.

Als Absage an Nokias bisheriges Lieblingsbetriebssystem wollen die Finnen den Zusammenschluss aber nicht verstanden wissen. Kai Oistamö erklärte deutlich, dass Meego mit Symbian koexistieren wird. Es soll Nokias bisheriges Portfolio ergänzen, nicht ersetzen. Alles andere wäre auch verwunderlich: Das neue Symbian steht gerade in den Startlöchern.