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Verrückte Indie-Spiele Hurra, wir malen eine Vulva

Das soll die Zukunft der Spielebranche sein? Auf einem Berliner Festival präsentieren unabhängige Entwickler ihre Game-Konzepte - vom Tanzen mit dem Telefon bis zum Ausmalen weiblicher Intimbereiche. Hier die neun originellsten Ideen.

Wenn man die Berliner Ausstellung AMAZE  betritt, hat man nicht den Eindruck, hier die Zukunft des Videospielens zu sehen: Immer wieder fallen Spiele aus, und manche Virtual-Reality-Brille verweigert zunächst ihren Dienst. Dazu trifft man auf Kabelkonstruktionen, bei denen ein unbedachter Schritt reicht, um einen teuren Laptop vom Stuhl zu werfen.

Doch so unfertig vieles wirkt, ein Besuch der AMAZE lohnt sich für Spielefans trotzdem. Unabhängige Entwickler aus aller Welt zeigen nahe der Bahnstation Warschauer Straße noch bis Samstag, woran sie gerade arbeiten. Man kann bereits erschienene Titel wie das Horrorspiel "Among the Sleep" ausprobieren, aber auch Produktionen, die womöglich für immer Prototypen oder Experimente von rein künstlerischem Wert bleiben.

Hier die neun spannendsten Konzepte:

1) "Gang Beasts": Prügeln, bis alle lachen

2) "Sentree": Ich sehe Monster, die du nicht siehst


3) "Deep": Nur die Ruhe bewahren

Ein vergleichsweise entspannendes Spiel ist "Deep", die Simulation eines Tauchgangs. Gesteuert wird das Unterwassererlebnis mit der Virtual-Reality-Brille Oculus Rift - und mithilfe der eigenen Atmung.

VIDEO: Meditatives Spielen mit "Deep"

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4) "Crawl": Alle gegen einen


5) "Line Wobbler": LED-Spiel im Selbstbau

Das beim Publikum beliebteste AMAZE-Spiel war am Starttag der Ausstellung wohl "Line Wobbler". Dieser "1D-Dungeon-Crawler" ist eine Eigenproduktion des Londoner Entwicklers Robin Baumgarten, mit rund 200 Euro Materialkosten. Aufgabe des Spielers ist es, einen grünleuchtenden Punkt per Joystick ans Ende einer LED-Leiste zu führen - was schwerer ist, als es sich anhört.

VIDEO: So spielt sich "Line Wobbler"

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6) "Bounden": Tanzen mit dem Telefon

"Weg mit dem Smartphone, ich will tanzen!" Wer sein Handy auch nach dieser Aufforderung nicht loswerden will, kann einfach die App "Bounden" starten. Das Spiel für iOS und Android kostet rund drei Euro und fordert dazu auf, miteinander zu tanzen - oder sich zumindest ein wenig zu verknoten, ähnlich wie früher bei "Twister".

Der Spieler und sein Partner berühren jeweils ein Ende des Geräts, anschließend gilt es, bestimmte Bewegungen durchzuführen. Dabei ist Konzentration, aber vor allem Koordination gefragt. "Ihr schwingt eure Arme, dreht eure Körper. Und bevor du es merkst, tanzt ihr schon", versprechen die Entwickler der App. In Aktion sehen Sie das Spiel am Artikelanfang im Video.

7) "Curtain": Gefühlschaos trotz Pixelbrei

Habe ich den richtigen Partner? Was für eine Art Beziehung führe ich eigentlich? Um Fragen wie diese dreht sich "Curtain", eine interaktive Erzählung, die knapp 30 Minuten dauert. Sie dreht sich um das Glasgower Frauenpaar Kaci und Ally, das kürzlich zusammengezogen ist.

"Curtain": Überraschend emotionaler Pixelbrei

"Curtain": Überraschend emotionaler Pixelbrei

Foto: Llaura/ AMAZE

Als Ally watet man durch den Pixelbrei, der die gemeinsame Wohnung darstellt. Man kann duschen und sich jeden Gegenstand ansehen, während die Geschichte durch Textboxen vorangetrieben wird. So komisch das alles aussieht, man bleibt schnell an "Curtain" hängen - und zweifelt bald daran, dass Ally die Beziehung zu Kaci guttut. Das Spiel lässt sich kostenlos herunterladen .

8) "Cunt touch this": Malen unter der Gürtellinie

"Cunt touch this"-Spielsituation: Ein Malbuch lieferte die Inspiration

"Cunt touch this"-Spielsituation: Ein Malbuch lieferte die Inspiration

Foto: SPIEGEL ONLINE

"Zeichnen ist so eine unschuldige Tätigkeit - und bei uns gibt es nicht mal einen Pinsel zwischen Spieler und Bild", sagt Andrea Hasselager, eine der Macherinnen von "Cunt touch this ". In der App für Android-Tablets soll der Spieler Vulven bemalen, also mit seinen Fingern auf Skizzen weiblicher Intimbereiche herumfahren.

Vorbild für die App ist ein US-Malbuch aus dem Jahr 1975, das "Cunt Coloring Book" von Tee Corinne. Die Bilder aus dem Buch können im Spiel bemalt werden, einige Vulvateile sind dabei besonders empfindsam. Malt der Spieler an den richtigen Stellen, bekommt er die Botschaft "Danke dir, es war ein Vergnügen."

9) "Cyborg Dating": Cyber-Rendezvous im Wald

Werbebild zu "Cyborg Dating": In Berlin leider nur als Videoinstallation zu sehen

Werbebild zu "Cyborg Dating": In Berlin leider nur als Videoinstallation zu sehen

Foto: Sander Veenhof/ Rosa Frabsnap/ AMAZE

Eine ungewöhnliche Verabredung verspricht "Cyborg Dating", ein Spiel für zwei Spieler, bei dem einer von beiden Date-Partnern Googles Papp-VR-Brille "Cardboard" benötigt. Hand in Hand und mit GPS-Navigation läuft das Paar anschließend durch die Stadt.

Das Besondere: Der Spieler mit der Brille wähnt sich in einem Wäldchen und weiß dank Einblendungen, wo die nächste Etappe des Dates stattfindet. Diese Infos muss er seinem Partner weitergeben. Der muss umgekehrt dafür sorgen, dass der Ort auch im echten Leben sicher erreicht wird. Auf der AMAZE ist "Cyborg Dating" leider nur als Videoinstallation zu sehen.

Die AMAZE läuft noch bis einschließlich Samstag in Berlin. Tickets zur Ausstellung gibt es ab vier Euro. Mehr Informationen finden Sie hier .

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