Fotostrecke

007 Legends: Fünfzig Jahre Bond-Geschichte

Foto: Activision

Angespielt Eine Stunde zu viel mit "007 Legends"

Eigentlich ist James Bond die ideale Videospielfigur: verrückte Gadgets, gnadenlose Verfolgungsjagden, viel Action, wenig Skrupel. Doch "Bond"-Spiele scheitern meist. Das gilt auch für "007 Legends", das sogar eine Passage aus "Skyfall" enthält - es ist schlicht misslungen.

Als erstes kommt ein Auto geflogen. Oder zumindest schwebt es ungefähr zehn Zentimeter über dem Boden, wirft aber keinen erkennbaren Schatten. Darauf folgt eine kurze Zwischensequenz, in der zwei ungelenk animierte Figuren auf einem Zug kämpfen, während eine andere mit einem Scharfschützengewehr hantiert und schließlich eine der Figuren vom Zug schießt. Das ist James Bond. Und für seinen Ruf wäre es besser gewesen, wenn er nicht wieder aufgetaucht wäre. Es ist eine Szene, die ich 1998 gerade noch akzeptiert hätte. Heute nicht. Aber ich bin ja auch selber schuld. Ich habe freiwillig "007 Legends" gespielt.

Es ist eine der Binsenweisheiten der Spieleindustrie: Sobald eine Lizenz ins Spiel kommt, wird es fast immer gruselig - und zwar nicht im positiven Sinn des Wortes. Ausnahmen wie "King Kong" (aber an dem war ja auch Rayman-Erfinder Michel Ancel beteiligt) oder die großartigen letzten beiden "Batman"-Spiele (die hatten den Vorteil, dass sie nicht an einen Film anknüpfen mussten) bestätigen die Regel. James Bond nicht. Seit "GoldenEye 007" nicht. Und das kam 1997 auf den Markt.

Die Idee von "007 Legends" klingt nicht schlecht: Schlüsselszenen aus bekannten Bond-Filmen nachspielen und dann noch eine des neuesten Films "Skyfall" hinterherschieben. Fünfzig Jahre Bond-Geschichte sollen so gefeiert werden. Das geht nicht als großartigste Idee aller Zeiten in die Spielegeschichte ein, wäre aber tragbar. Nicht tragbar ist, dass die Missionen zu "Skyfall" per Download nachgeliefert werden. Und damit das Ende des Spiels erst am 9. November spielbar ist, wenn der Film endlich auch in den USA in die Kinos kommt. Man wolle das Ende des Filmes nicht vorher verraten, erklärt das Entwicklerstudio. Warum man das Spiel dann unbedingt früher veröffentlichen musste, wird nicht erklärt, ist aber leicht nachvollziehbar: Je später man zum Weihnachtsgeschäft antritt, desto schlechter verkaufen sich schlechte Spiele, weil die Konkurrenz derzeit wöchentlich wächst.

Und "007 Legends" ist schlecht. Zumindest in der ersten Stunde. Viel Hoffnung besteht nicht, dass sich das noch bessert. Zu viele Dinge müssten auf einmal ganz anders werden: Die Steuerung ist umständlich und reagiert schlecht, die Grafik ist schlimm, die Animationen ungelenk. Von Logik ist weit und breit nichts zu sehen. Oder wie sonst ist es zu erklären, dass ich zu Beginn einen Parkplatz voller Flugzeuge in die Luft jage, mir Gefechte mit ziemlich dämlichen Wachen liefere, die manchmal schon in die Knie gehen, wenn ich mich ihnen nur nähere? Ich mich dann durch einen Fabrikkomplex schieße, ein Montageband für Bomber zerstöre, um dann eine Tür weiter nur noch schleichen zu dürfen, weil niemand etwas von dem Radau gehört haben will? Mit einer Mechanik wohlgemerkt, an der alles ignoriert wurde, was eigentlich ein Schleichspiel wirklich ausmacht. Nun mag man einwenden, dass Logik nicht das ist, was Bond-Filme im Allgemeinen auszeichnet. Ein wenig ernstgenommen werden möchte ich aber schon.

Was Activision in dieser Stunde präsentiert, ist ein zynischer Versuch, mit einem halbfertigen Spiel und minimalem Aufwand an Entwicklungskosten maximalen Gewinn zu erzielen - oder zumindest eine teuer erkaufte Lizenz abzubezahlen. Ich werde einige Zeit brauchen, bis ich mich an ein Spiel mit Filmlizenz herantraue.

Das sagen die anderen: "007 Legends" fällt bei den Rezensenten der Fachpresse fast durch die Bank durch. Kritisiert wird uninspiriertes, ödes Gameplay, eine schlampige Umsetzung, ein genereller Eindruck von Unfertigkeit.


"007 Legends" von Activision, für Xbox 360 und Playstation 3, PC ab 2. November; ca. 65 Euro; USK: ab 16 Jahren

Mehr lesen über Verwandte Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.