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Angespielt Meuchelmörder und schnelle Autos

"Assassin's Creed: Brotherhood" erobert Rom, "Need for Speed: Hot Pursuit" die Straße. "Gran Turismo 5" sammelt Autos, während "Call of Duty" den kalten Krieg nachstellt und "Red Dead Redemption: Undead Nightmare" Zombies in den Western holt. Die wichtigsten Spiele des Monats von Carsten Görig.

Assassin's Creed: Brotherhood

Das Grundrezept der "Assassin's Creed"-Reihe ist simpel: Man nehme eine Prise Schwert und Degen, einen Löffel Dan-Brown-Verschwörungstheorie und füge das mit riesigen Spielwelten zusammen, in denen man sich frei bewegen kann, sowohl auf dem Boden als auch auf den Dächern und Wänden der Häuser. Heraus kommt ein Spiel mit phantastischer Grafik, mit einer Atmosphäre, die es tatsächlich schafft, ein Abbild vergangener Zeiten zu beschwören. Der größte Spaß aber ist immer die Bewegungsfreiheit. Keine Mauer, die nicht erklommen werden kann, kein Dach, das nicht die Möglichkeit bietet, einen gewagten Sprung auf das Nachbarhaus zu machen, oder sich zumindest mit einem Bauchkribbeln in den nächsten Heuhaufen fallen zu lassen.

Kein Wunder, dass sich die Spiele der Reihe gut verkaufen und Hersteller Ubisoft fleißig neue Teile produziert. Mit "Brotherhood" nun den dritten in ebensoviel Jahren. Das Erstaunliche: Im Gegensatz zum üblichen Gesetz der Serie, das besagt, je mehr Teile in schneller Reihenfolge, desto öder die Spiele, überrascht "Brotherhood". Denn es ist das mit Abstand beste und ausgefeilteste der Reihe.

Selbstbewusst sind die Entwickler hier vorangegangen. Haben die Renaissancewelt des Vorgängers nach Rom geholt und ein straffes Spiel geschaffen, in dem es kaum Leerlauf gibt. Vielfältig sind die Missionen, auch wenn immer noch im Zentrum steht, dass man einen Assassinen spielt, einen Meuchelmörder, weshalb die wesentlichen Aufgaben vor allem darin bestehen, Gegner möglichst kunstvoll ins Jenseits zu befördern. Immer wieder elegant sind die Läufe, die der Assassine Ezio über die Dächer Roms macht, die Art, wie er Türme erklettert, um neue Gebiete zu sichten. Beeindruckend, wie er raubvogelhaft auf den richtigen Moment lauert, um sein Opfer zu töten. Leicht von der Hand geht das. Die Steuerung ist spürbar verbessert, auch wenn es immer wieder Momente gibt, in denen Ezio in die falsche Richtung springt.

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Angespielt: Assassin's Creed: Brotherhood

Es sind neue Elemente im Spiel, die etwas von dem Zauber des Schleichens nehmen, den die ersten Teile hatten. Türme, die bisher vor allem heimlich erklommen werden mussten, müssen jetzt erobert, Hauptleute getötet und die Türme nach dem Ersteigen angezündet werden. So werden Stadtteile Roms unter den Einfluss von Ezio gebracht. Das ist mehr Machtdemonstration als heimliches Erkunden. Genau wie auch das Töten von Wachen inzwischen nicht mehr dazu dient, unerkannt zu bleiben, sondern auch als Nachschublieferung betrachtet werden kann: Sie tragen anders als in den Vorgängern immer Dinge mit sich, die man gerade dringend gebrauchen kann. Und auch die namensgebende Bruderschaft ist eine Neuerung. Mit einem Pfiff kann Ezio andere Assassinen rufen und ihnen den Mord an einem Opfer befehlen. Das bringt neue taktische Möglichkeiten und ermöglicht es ihm, sich nicht einmal die Hände schmutzig zu machen.

"Brotherhood" ist in vielem deutlich besser als die Vorgänger, selbst die Geschichte wirkt kohärenter und wird ab einem Punkt mit einem sehr geschickten Kniff vom Spiel selbst in die Hand genommen, damit sie nicht durch das Abarbeiten von Nebenmissionen an Fahrt verliert. Eine Eigenschaft, die sonst sehr viele der Sandkastenspiele haben. "Brotherhood" ist das, was die beiden Vorgänger versprachen: Ein gewaltiges Epos, das eine spannende Geschichte ohne Tiefsinn erzählt und gleichzeitig ein Sandkastenspiel mit unzähligen Möglichkeiten.

"Assassin's Creed: Brotherhood" von Ubisoft, für PC, Playstation 3 und Xbox 360, ab 40 Euro; USK: Ab 16 Jahren

Need for Speed: Hot Pursuit

Geschwindigkeit: Auch wenn der Begriff im Namen der Rennspielreihe verewigt ist, hatte sie doch in den letzten Ausgaben reichlich an Fahrt verloren. Halbgare Aufgüsse mit tiefergelegten tätowierten Rennwagen, schlechten Geschichten, die mit Laienschauspielern erzählt wurden und Pseudocoolness verdarben selbst den Fans der Reihe den Spaß. Mit "Hot Pursuit" kehrt der Spaß ins Spiel zurück.

Das liegt wohl zu einem wesentlichen Teil daran, dass zum ersten Mal Criterion beauftragt wurde. Das ist ein Entwicklerstudio, das sich vor allem mit der "Burnout"-Reihe einen Namen gemacht hat. Bei "Burnout" ging es neben dem Geschwindigkeitsrausch auch immer darum, Autos möglichst spektakulär zu verschrotten, Unfälle mit maximalem Blechschaden zu bauen. Das spielte sich hervorragend und sah phantastisch aus.

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Angespielt: Need for Speed: Hot Pursuit

Criterion hat jetzt einen Teil dieses Prinzips auf "Need for Speed" übertragen: Vor allem in den Verfolgungsjagden. Wenn man als Polizei gegen Raser antritt - oder auch umgekehrt - werden Unfälle in Zeitlupe zelebriert, rammen sich die Autos gegenseitig von der Straße und legen sich Fallen.

Das ist immer motivierend. Vor allem aber dann, wenn man online gegen Bekannte fährt. Dann erzeugen Geschwindigkeitsrausch und das Überstehen haariger Situationen auch noch freundliche Häme. Ein feistes Grinsen, wenn der andere gerade mit ungefähr 300 km/h in die Straßensperre gerast ist, während man selbst auf einer Abkürzung vorbeizieht oder auch ein ziemlich langes Gesicht, wenn man kurz vor dem Ziel noch durch ein Nagelband gestoppt wird.

"Hot Pursuit" macht das beste, was ein Rennspiel machen kann. Es konzentriert sich auf das Fahren und die Konkurrenz und macht damit mehr Spaß als die meisten anderen Rennspiele der letzten Jahre. "Hot Pursuit" ist die grandiose Neuerfindung einer alten Serie.

"Need for Speed: Hot Pursuit" von Electronic Arts, für Xbox 360, PC und Playstation 3, ab 45 Euro; USK: Ab 12 Jahren

Gran Turismo 5

Man muss "Gran Turismo 5" nicht lieben, aber man muss es respektieren. Mit seinen mehr als 1000 Autos, seinen bis ins letzten Detail nachgebildeten Rennstrecken, seinem Bemühen, eine Simulation zu sein, die das echte Autofahren so gut wie möglich auf einer Spielekonsole darstellt. Es ist eine Arbeit von Besessenen, von Autoverrückten, die sich die Zeit genommen haben, etwas abzuliefern, was nahe an der Perfektion liegt.

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Angespielt: Gran Turismo 5

Polyphony Digital, das Entwicklerstudio von "Gran Turismo 5" hat aber unter all der Nachbildung eine Sache vergessen: Die ganz großen Emotionen. Das Spiel braucht sehr lange, um wirklich schnell zu werden, Rennen zu fahren, die packen, die Adrenalinausschüttung verursachen. Es bleibt relativ emotionslos und ähnelt eher einem riesigen Setzkasten, in dem man Autos sammelt, als einem wirklichen Spiel. Aber für den wahren Autofan ist das ja nicht unbedingt abschreckend.

"Gran Turismo 5" von Sony, für Playstation 3, ca. 60 Euro; USK: Ohne Altersbeschränkung

Red Dead Redemption: Undead Nightmare

Zombies erleben gerade eine Renaissance. In Spielen und Filmen scheinen sie allgegenwärtig. Rockstar Games setzen sie jetzt in einer Erweiterung sogar in die Welt ihres großartigen Westernepos "Red Dead Redemption" und machen daraus eine eigene Geschichte.

John Marston, der Held des Westerns, wacht auf, um festzustellen, dass sich seine Frau und sein Sohn in Zombies verwandelt haben. Und nicht nur die, wie er bald darauf feststellen muss, sondern auch viele andere Bewohner seiner Welt. Nun gilt es, der Ursache der Bedrohung auf die Spur zu kommen und so vielleicht noch seine Familie zu retten. Was folgt, ist ein blutiger Ritt durch eine finstere Welt, deren überlebende Bewohner wahlweise Ausländer, Religionen oder Kommunisten für die Seuche verantwortlich machen.

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Angespielt: Red Dead Redemption

Es erfordert wenig Mühe, darin einen Kommentar zur augenblicklichen Lage der USA zu sehen. Die hasserfüllten Tea-Party-Parolen finden sich an Häuser geschmiert, paranoide Kleinbürger halten lange Tiraden über die Lage des Landes und nur selten findet sich eine Stimme der Vernunft. Wie oft bei Spielen von Rockstar Games bildet diese politische und moralische Botschaft einen merkwürdigen Kontrast zum eigentlichen Spiel, in dem es doch vor allem darum geht, herumzuballern und diesmal Horden von Zombies möglichst effektiv zu erlegen. Großartig ist es natürlich trotzdem.

"Red Dead Redemption: Undead Nightmare", von Rockstar Games für Xbox 360 und Playstation 3, ca. 30 Euro; USK: Ab 18 Jahren

Call of Duty: Black Ops

Kann es ein Antikriegsspiel geben? Diese Frage, die ja auch Filmen oft gestellt wird, kann man zumindest bei "Call of Duty" eindeutig verneinen. Hier wird nichts in Frage gestellt, der Krieg, die Gewalt, die ausgeübt wird, geradezu zelebriert. Noch mehr als im letztjährigen Vorgänger "Modern Warfare 2" scheint es vor allem darum zu gehen, eine Art "Greatest Hits" der Weltkonflikte durchzuspielen.

In "Black Ops" ist die Zeit des kalten Krieges dran. Und so geht es durch Kuba, wo Fidel Castro ermordet werden soll, nach Vietnam, wo möglichst viele Kommunisten dran glauben sollen und mit einem bizarren Dreh einer sowieso undurchschaubar wirren Geschichte schaffen die Entwickler es sogar noch, Nazis einzubauen, die natürlich auch in Scharen umgeschossen werden müssen.

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Angespielt: Call of Duty: Black Ops

Historisch ist das alles hanebüchener Unfug, der amerikanisch-patriotisch verbrämt Krieg als Mittel der Politik rechtfertigt und mit zunehmend ekliger Gewaltdarstellung schockieren will. All das wäre kaum der Rede wert, wenn dieses Spiel nicht das bisher schnellstverkaufte Spiel wäre, sogar den besten Start eines Entertainmentproduktes hingelegt hätte. Vielleicht ist das auch nur ein Abbild der Zeit, denn Krieg ist in - nicht nur im Spiel.

"Call of Duty: Black Ops" von Activision, für PC, Xbox 360 und Playstation 3, ab 40 Euro; USK: Ab 18 Jahren

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