Angespielt Skyrim


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Rollende Köpfe und ein Drachenangriff: "Skyrim" beginnt dramatisch. So dramatisch, dass jeder Fantasy-Fan sofort darüber nachdenken wird, wie er es rechtfertigen kann, die nächsten drei Wochen nichts anderes zu machen, als "Skyrim" zu spielen. Dabei kann er dann ein Land durchstreifen und entdecken, das vor allem eines ist: Ein Abenteuerspielplatz, und der sieht immer wieder großartig aus. Zieht sich von bunten Herbstwäldern im Süden über Gebirgszüge mit spektakulären Wasserfällen in der Mitte bis zu einer dramatischen Eiswüste im Norden. Störend ist hier aber immer wieder die Diskrepanz zwischen der tollen Landschaft und den oft hilflos wirkenden Animationen der eigenen Spielfigur und vieler Tiere, auch wenn man mit der Zeit lernt, das auszublenden.

Ausblenden wird man aber auch bald die Hintergrundgeschichte, denn die verliert sich im Rauschen der vielen kleinen Erzählungen, die "Skyrim" den Spielern anbietet. Offiziell heißt das Land Himmelsrand oder eben Skyrim, was vielleicht mystischer, aber nicht unbedingt besser klingt. Und natürlich ist in Himmelsrand vieles nicht in Ordnung. Drachen greifen an, an den Rändern des Landes rüsten sich Städte zum Krieg und sowieso ist Verschwörung angesagt. Warum das so ist? Keine Ahnung. Denn das große Problem von "Skyrim" ist: Seine Offenheit. Spieler werden einfach in die Welt gesetzt und dann nahezu alleingelassen mit den Verlockungen. Wer versucht, einfach eine Strecke zwischen zwei Städten zurückzulegen, wird auf dem Weg geschätzte zehn Burgruinen, drei Königsgräber und zwei Gasthäuser finden. Und in jedem von ihnen gibt es etwas zu tun. Hier muss ein altes Schwert wiederbeschafft werden, dort ist ein Ehemann verschwunden, eine Verräterin muss gefasst werden oder es fehlen Zutaten für einen Zaubertrank. Man kann seine eigenen Waffen schmieden, Erze abbauen und schmelzen und Leder gerben. Und darüber vergessen, warum man eigentlich unterwegs ist, was noch mal die eigene Berufung war.

Bald hat man vierzig große und kleine Aufgaben in seinem Tagebuch stehen, versucht, sie alle zu lösen und verliert den Überblick und vor allem: die Motivation. Denn je länger "Skyrim" dauert, desto mehr plätschert das Spiel mit ähnlichen Aufgaben dahin, desto weniger freut man sich, eine Burg zu entdecken, die der gerade davor entdeckten recht ähnlich sieht. "Skyrim" zu spielen ist, wie planlos im Internet zu surfen. Man entdeckt zwar unglaublich viel spannende Sachen, nur erinnern kann man sich daran schon kurze Zeit später nicht mehr und am Ende bleibt ein unbefriedigtes Gefühl übrig. Was echte Fans natürlich völlig anders sehen.

"Skyrim" von Bethesda, für PC, Playstation 3 und Xbox 360; ab 45 Euro; USK: Ab 16 Jahren

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