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"Animal Crossing New Leaf": Knuffige Kapitalisten

Foto: Nintendo

"Animal Crossing: New Leaf" Der Kapitalismus ist niedlich

Die "Animal Crossing"-Reihe ist schwer zu beschreiben. Ein bisschen "Sims", ein bisschen "Unser Dorf soll schöner werden" - unter der Oberfläche der Dorf-Simulation aber lauert etwas ganz anderes: eine Parabel über Kapitalismus und Konsumzwang.

Einen Platz für mein Haus im Dorf soll ich mir aussuchen. Schön zwischen Bäumen gelegen vielleicht? Oder doch lieber am Fluss? Ich entscheide mich für ein Grundstück, das zwischen beiden liegt und viel freie Fläche bietet. Das soll sich später bezahlt machen. Doch erst einmal muss ich zahlen. An Tom Nook. Das ist der Immobilienhai des Dorfes. Zum Dank darf ich dann ein Zelt auf dem gekauften Grundstück aufstellen. Eine kleine, funzelige Lampe steht auch noch darin. Danke! Ich fühle mich sehr willkommen.

Dabei bin ich doch der Bürgermeister des Dorfes, auch wenn ich das erst kurz vor meiner Ankunft erfahren habe. Im Zug. Der Job scheint also keine allzu große Qualifikation zu erfordern. Zum Glück sitzt Melinda im Rathaus, eine Frau mit Hundegesicht oder ein Hund in Frauenkleidern, ganz genau lässt sich das nicht sagen. Sie ist meine Sekretärin, ohne sie wäre ich schon nach kurzer Zeit aufgeschmissen. Sie sagt mir, was zu tun ist, und schickt mich durch das Dorf. Lässt mich jeden Bewohner begrüßen und erklärt mir, wie ich zu etwas Geld komme. Und das brauche ich.

Wer schon einmal einen Teil der "Animal Crossing"-Reihe gespielt hat, kennt das Szenario. Wer nicht, kann sich das Spiel vielleicht so vorstellen: Quietschbunte und japanisch verschrobene Grafik trifft Tamagotchi trifft "Sims" trifft "Unser Dorf soll schöner werden". Das ist natürlich eine sehr ungenaue Beschreibung. Aber "Animal Crossing" ist so eigen, dass es kaum besser zu erklären ist. Es hat kein wirkliches Ziel, sieht sehr kindlich aus und ist doch faszinierend. Lässt einen kaum noch los. Auch weil es sich an Uhrzeit und Datum der 3DS-Konsole hält. So haben Läden zu bestimmten Zeiten besondere Angebote, die Jahreszeiten halten sich an den Kalender und kleine Feste werden nur an einem Tag abgehalten. Wer den 3DS da nicht eingeschaltet hat, verpasst sie. Ich habe an meinem Geburtstag ein Geschenk bekommen, wurde aber nach ein paar Tagen Spielpause vorwurfsvoll von Kakerlaken begrüßt, die mein Haus besiedelt haben.

Lehrstück über die kapitalistische Welt

Es tut mir leid. Ich werde mich bessern. Werde Obst aus den Bäumen schütteln und nach verborgenen Schätzen graben. Werde Fische fangen und Blumen pflücken. Das alles im Laden umtauschen und so nach und nach meine Schulden abbezahlen. In Wirklichkeit nämlich ist "Animal Crossing" kein buntes Spiel, sondern ein Lehrstück über die kapitalistische Welt. Es lockt Spieler damit, alles haben zu können. Stellt ihnen ein Grundstück zur Verfügung und präsentiert dann die Rechnung.

An Tom Nook werde ich noch Ewigkeiten zahlen müssen. Auch weil ich irgendwann aus dem Zelt ausgezogen bin und ein Haus gebaut habe. In das natürlich Möbel mussten. Immer neue, immer schönere, immer bessere. Ich brauche neue Geräte für Garten und Fischerei. Ich muss weitermachen, weil ich Freunde in mein Dorf einladen will. Übers Netz oder per Direktverbindung zwischen zwei Konsolen. Denen kann ich schließlich kein Haus mit Kakerlaken zeigen. Es muss glänzen, ich brauche Gastgeschenke, im Museum sollten genug Ausstellungsstücke vorhanden sein. Ich will schließlich kein schlechter Bürgermeister sein, sondern mein Dorf bekanntmachen. Und dabei lernen, dass ich dem Kapitalismus auch im buntesten Spiel nicht entkommen kann. Schon gar nicht in "Animal Crossing", wo die Repräsentanten der Bürger unter dem Kapital stehen. So wie man sich das im richtigen Leben vorstellt.

Das sagen die Anderen: Fast einheitlich wird "Animal Crossing: New Leaf" von der Fachpresse gelobt. Eine gekonnte Weiterentwicklung der Serie, gut angepasst auch an die Online-Fähigkeiten der 3DS-Konsole.

"Animal Crossing: New Leaf" von Nintendo, für 3DS, ca. 40 Euro; USK: Ohne Altersbeschränkung