Onlinespiel "Anthem" So viel Freiheit wie im Büro

Schießen, Schwimmen, Fliegen: In "Anthem" erkundet der Spieler eine Science-Fiction-Welt voller Bombast. Doch das Effektfeuerwerk überdeckt die Monotonie des Blockbusters nur kurz.

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Freiheit ist eines der größten Versprechen von Videospielen. Offene Spielwelten werden umfangreicher, die Entscheidungsmöglichkeiten für Spieler diverser. Ohne die Idee, dass Games Freiheit erlebbar machen, wäre die Branche dahinter wohl längst nicht so groß und wichtig, wie sie es heute ist. "Anthem" ist der neueste Versuch, das Freiheits-Versprechen einzulösen.

Action-Rollenspiel, Onlinespiel, Loot-Shooter, offene Spielwelt: Das sind nur einige der Schlagwörter, mit denen "Anthem" beschrieben wird. Es ist das neue Spiel des Entwicklerstudios Bioware, das bisher für storylastige Rollenspiele wie "Mass Effect 3" und "Dragon Age: Inquistion" bekannt war.

Entsprechend skeptisch waren viele Spieler, als sie erfuhren, dass ausgerechnet dieses Studio nun ein Onlinespiel entwickelt, das sich mehr an einem "Destiny" als einem klassischen Rollenspiel orientiert. Kann das gutgehen?

Die Oberfläche glänzt

An der Oberfläche: ja. Die Grafik von "Anthem" ist opulent, seine Welt ausladend und durchzogen von mythischen Artefakten und Wesen, die entdeckt oder ausgelöscht werden wollen. Auf Knopfdruck kann der Spieler aus dem Sprung in einen rasanten Flug übergehen oder in der Luft schweben. Ziemlich viel Freiheit.

Zwar erhitzt diese Fortbewegungsweise auf Dauer den sogenannten Javelin, also den Kampfanzug, den der Spieler trägt - er kann aus vier verschiedenen wählen. Doch die Umgebung bietet in Form von Wasserfällen oder Flüssen zahlreiche Möglichkeiten, während des Flugs für Abkühlung zu sorgen.

So rennt, fliegt, schwebt und schwimmt der Spieler durch die Welt von "Anthem", bis er an dem Punkt angekommen ist, zu dem seine aktuelle Mission ihn führt. An dieser Stelle gilt es dann meist jemanden zu retten, einen Mechanismus zu betätigen oder etwas aufzusammeln - und damit dafür zu sorgen, dass die Gegner heranmarschieren, von denen es in "Anthem" viele gibt.

Anschließend kann der Spieler ein wahres Feuerwerk an Geschossen absetzen: Die Kämpfe in "Anthem" kommen mit einer Durchschlagskraft und Effekt-Fulminanz daher, als wollten sie den Bildschirm sprengen. Maschinengewehre knattern, Raketen sausen durch die Luft, Granaten sprengen die Gegner in alle Himmelsrichtungen - doch leider übertönt dieses Brimborium nur kurz die Monotonie, die dieses eigentlich vielversprechende Spiel an allen Ecken und Enden einengt.

Abhaken von Aufgaben

Durch "Anthem" zieht sich eine rudimentäre Geschichte von mythischen Vorfahren, die die Javelins geschaffen haben, um gegen ebenso mythische Monster zu kämpfen. Vor dieser Kulisse spielt sich Mission nach Mission ab, deren Narration oft im Geräuschpegel der Geschosse untergeht.

Zusammen mit drei Online-Mitspielern gilt es, diese Missionen nach und nach abzuhaken und so Beute zu ergattern, mit der sich die Rüstung und Bewaffnung verbessern lassen. Es ist das altbekannte Prinzip der Loot-Shooter: Auf der Jagd nach der nächsten Stufe, der nächststärkeren Waffe erlegt der Spieler Gegner um Gegner. Doch "Anthem" versäumt es, dieser Rezeptur wirklich Eigenständiges hinzuzufügen.

So klappert der Spieler die Missionen ab, die alle nach ähnlichem Schema ablaufen: Erreiche einen Punkt, bekämpfe die zwei bis drei Wellen an Gegnern, besiege am Ende den großen Brocken, der gefühlt unendlich viel Schuss einstecken kann, und kehre zur Basis zurück. Diese Prozedur wiederholt sich, jeweils garniert mit ein paar Happen Geschichte.

Preisabfragezeitpunkt:
09.09.2019, 13:56 Uhr
Ohne Gewähr

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EUR 59,99

Immer mal wieder längere Ladezeiten

Groß erkunden kann der Spieler die Welt in diesem Modus nicht. Entfernt er sich zu weit von seinen Mitspielern, wird er - nach längerer Ladezeit, wie sie in "Anthem" öfter auffällt - zurück in das Gebiet geschickt, in dem er die Mission zu erledigen hat. Möchte er einfach nur die Spielwelt bereisen, kann er ein freies Spiel betreten, in dem das möglich ist. Auch hier gilt es, kleine Aufträge zu erfüllen, um so Beute und Erfahrungspunkte zu sammeln.

Freiheit bietet "Anthem" also - jedoch nur in dem Maße, in dem auch der Arbeitsplatz Freiheit bietet. Ob man nun zuerst die E-Mails beantwortet, die Excel-Tabelle auswertet oder die Akten einordnet, ist ziemlich unerheblich. Doch erledigt werden müssen diese Aufgaben, wenn man pünktlich Feierabend machen möchte.

Und so wie mancher Bürojob ist auch "Anthem" zunächst recht interessant und spaßig. Diese Qualitäten übersieht man aber schnell im pflichtbewussten Wissen, dass man noch x ziemlich gleichförmige Aufgaben erledigen muss, bevor die Mission erfüllt ist. So schön man in "Anthem" fliegen kann, unversehens steuert der Autopilot.


"Anthem", für PlayStation 4, Xbox One und PC, circa 60 Euro, USK: ab 16 Jahren
Hinweis der Redaktion: Wie so oft bei Online-Spielen bleibt abzuwarten, was Bioware beziehungsweise der Publisher Electronic Arts noch aus "Anthem" macht. Nach und nach werden dem Spiel, das momentan noch etwas unfertig wirkt, wohl weitere Missionen, Modi und noch mehr rare Belohnungen hinzugefügt. Unser Testeindruck bezieht sich auf die erste Woche nach Erscheinen.



insgesamt 10 Beiträge
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aysnvaust 28.02.2019
1. Und das...
...sind nur ein paar Schwachstellen dieses optisch so grandiosen Spiels, die der Autor hier nennt; Die Kernkompetenz eines looter-shooters - den loot nämlich - hat Anthem komplett in den Sand gesetzt. Immer und immer wieder wird der Spieler mit dem gleichen minderwertigen loot abgespeist. Dabei ist es doch gerade die Spirale des immer ein bisschen besser, immer ein bisschen cooler, die einen looter shooter auszeichnet. Bei Anthem: komplette Fehlanzeige. Die skins sind lächerlich, die Werte vollkommen unmotiviert zusammengewürfelt. Die lebendige Welt des Hub (Start / Heimatbereich), die der trailer versprach, wird nicht ansatzweise im Spiel geboten. Die Aufgaben sind an Eintönigkeit und Monotonie nicht zu übertreffen. An allen Ecken und Enden merkt man, dass hier ein potenzieller Kracher unter Zeitdruck zur Veröffentlichung gepeitscht wurde. Schade - BioWare, eigentlich eine Spieleschmiede, die für Topqualität steht, wird von EA -- die dort das Ruder übernommen haben - zu Grunde gerichtet - und ist nicht der erste developer, den EA kaputtmacht.
erzengel1987 28.02.2019
2. Kein Wunder
Das Spiel ist von EA. EA Games schafft es wirklich jedes Spiel monoton langweilig und schrottig zu machen... Ein Spiel was ich sehr gern gespielt habe war Sims. Sims1 bis 3 war wirklich gut. Wobei bei Sims1 und 2 noch eine große Gemeinschaft da war um neue Gegenstände ins Spiel zu bringen etc. Diese kostenfreie Eigenentwicklung neuer Sets wurde unterbunden und das aktuelle Sims ist ein Rückschlag fast hin zu Sims 1 von der Spielemechanik und Individualität. Einzig der Creator für die Personen ist gut. Hier das Spiel kenn ich jetzt nur aus der Beschreibung... aber es passt gut zum Schema von EA. Ein Spielekonzept so auslegen, dass man mit minimalen Aufwand schöner Grafik möglichst viel Geld verdienen kann. Folge... das Spiel macht keinen Spaß und will man etwas mehr Spaß darf man zahlen.... Da ist Blizzard deutlich besser.
touri 28.02.2019
3.
Zitat von erzengel1987Das Spiel ist von EA. EA Games schafft es wirklich jedes Spiel monoton langweilig und schrottig zu machen... Ein Spiel was ich sehr gern gespielt habe war Sims. Sims1 bis 3 war wirklich gut. Wobei bei Sims1 und 2 noch eine große Gemeinschaft da war um neue Gegenstände ins Spiel zu bringen etc. Diese kostenfreie Eigenentwicklung neuer Sets wurde unterbunden und das aktuelle Sims ist ein Rückschlag fast hin zu Sims 1 von der Spielemechanik und Individualität. Einzig der Creator für die Personen ist gut. Hier das Spiel kenn ich jetzt nur aus der Beschreibung... aber es passt gut zum Schema von EA. Ein Spielekonzept so auslegen, dass man mit minimalen Aufwand schöner Grafik möglichst viel Geld verdienen kann. Folge... das Spiel macht keinen Spaß und will man etwas mehr Spaß darf man zahlen.... Da ist Blizzard deutlich besser.
Wobei Blizzard auch stramm in die Richtung geht. Diablo 3 am Anfang auch ziemlich in den Sand gesetzt hat, u.a. dank schrottigen Itemsystem und Echtgeldauktionshaus (mittlerweile ist es ganz gut). Der Heroes of the Storm Esport wurde mittlerweile auch gekillt und viele Entwickler abgezogen. Dafür scheint der Focus jetzt auf mobile games ("dont you guys have phones?!") zu liegen, eine Richtung die mir als PC Spieler leider nicht viel bringt. Ich sag nur Diablo Immortal. Ein in jeder hinsicht abgespecktes Diablo 3, damit man es auf einem mobile zum laufen bekommt. Ich fürchte daher, das Blizzard auch das Motto Quantität über Qualität ausgerufen hat. Und das sage ich als Blizzard Fan seit Diablo 1.
mcmercy 28.02.2019
4.
Zitat von erzengel1987Das Spiel ist von EA. EA Games schafft es wirklich jedes Spiel monoton langweilig und schrottig zu machen... Ein Spiel was ich sehr gern gespielt habe war Sims. Sims1 bis 3 war wirklich gut. Wobei bei Sims1 und 2 noch eine große Gemeinschaft da war um neue Gegenstände ins Spiel zu bringen etc. Diese kostenfreie Eigenentwicklung neuer Sets wurde unterbunden und das aktuelle Sims ist ein Rückschlag fast hin zu Sims 1 von der Spielemechanik und Individualität. Einzig der Creator für die Personen ist gut. Hier das Spiel kenn ich jetzt nur aus der Beschreibung... aber es passt gut zum Schema von EA. Ein Spielekonzept so auslegen, dass man mit minimalen Aufwand schöner Grafik möglichst viel Geld verdienen kann. Folge... das Spiel macht keinen Spaß und will man etwas mehr Spaß darf man zahlen.... Da ist Blizzard deutlich besser.
Blizzard ist nun wahrlich kein gutes Beispiel für abwechslungsreiches Spieledesign. Die betreiben die Item-Spirale inn WoW und Diablo nun seit mehr als 10 Jahren bis zum Excess (das können die in der Tat). Innovation ist aber Fehlanzeigen. WoW hat noch immer haargenau das gleiche Spielprinzip und das einfallslose Questdesign wie vor 10 Jahren. Da ist Bethesda schon weiter.
DrStrang3love 28.02.2019
5.
Zitat von mcmercyBlizzard ist nun wahrlich kein gutes Beispiel für abwechslungsreiches Spieledesign. Die betreiben die Item-Spirale inn WoW und Diablo nun seit mehr als 10 Jahren bis zum Excess (das können die in der Tat). Innovation ist aber Fehlanzeigen. WoW hat noch immer haargenau das gleiche Spielprinzip und das einfallslose Questdesign wie vor 10 Jahren. Da ist Bethesda schon weiter.
Bethesda?? Ernsthaft? Die seit mindestens 12 Jahren im Prinzip das selbe Spiel in immer stärker simplifizierter Form herausbringen?
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