Spielephänomen "Aquapark.io" Einmal König der Wasserrutsche sein

Ob es am Wetter liegt? Das Mini-Spiel "Aquapark.io" steht in den App-Stores auf Spitzenplätzen. Der Test auf der digitalen Wasserrutsche beginnt mit raschen Erfolgen und endet mit Ernüchterung.

Für einen besonderen Ego-Boost bekommt man auf Platz eins sogar eine Krone.
Voodoo Cassette

Für einen besonderen Ego-Boost bekommt man auf Platz eins sogar eine Krone.


Eigentlich versage ich in allen Online-Multiplayer-Spielen. Nur bei "Mario Kart" kann ich mithalten, ansonsten stelle ich mich wie ein Anfänger an. Umso schöner ist es, wenn ich dann doch einmal direkt erfolgreich bin. Im Wasserrutschen-Rennsimulator "Aquapark.io" jedenfalls scheine ich ein Naturtalent zu sein, niemand kommt so schnell wie ich unten im Becken an.

Das Spiel, das an einen Wasserrutschen-App-Hype von 2017 erinnert, steht seit Anfang 2019 in Apples App Store. Seit knapp zwei Wochen findet es sich nun auch in Googles Play Store. Die Hitzewelle und ein Hype auf TikTok taten ihr Übriges und nun steht "Aquapark.io" in den Charts beider App-Stores auf Spitzenplätzen. Allein über den Play Store wurde das Spiel bereits mindestens zehn Millionen Mal installiert.

Für den Publisher Voodoo ist es nicht der erste App-Hit. Die Firma veröffentlichte schon die Free-to-Play-Games "Helix Jump", "Paper.io" und "Flappy Dunk". Im optisch wenig spektakulären "Aquapark.io" tritt man nun in wechselnder Kulisse im Wettrutschen gegen 15 Kontrahenten an.

"Aquapark.io" macht es möglich: Einmal mit dem kanadischen Eminem schwimmen gehen.
Voodoo Cassette

"Aquapark.io" macht es möglich: Einmal mit dem kanadischen Eminem schwimmen gehen.

Wasserspaß zwischen Werbefluten

Die Steuerung des Spiels ist denkbar simpel. Ich bediene die App einhändig und halte per Wischbewegung den Kurs. Durch Kollisionen katapultiere ich Gegner aus der Rutsche. Fliegt ein Gegner raus, werde ich mit Münzen belohnt.

Schon beim ersten Versuch lande ich auf dem zweiten Platz - danach fast immer auf Rang eins. Jedes Mal räume ich das Feld von hinten auf.

Die schnellen Erfolge machen zunächst Spaß - und dank der minimalen Bewegungen komme ich beim Spielen nicht mal ins Schwitzen. Die anderen Mitspieler stellen sich aber auch erstaunlich ungeschickt an, sie rammen mich nie und rutschen fast immer abseits der Ideallinie. Was sind das für schlechte Spieler?

Eine konstante Werbebeschallung sorgt derweil dafür, dass die Entwickler an dem kostenlosen Spiel vermutlich gut verdienen. Während des Spielens steht am unteren Bildschirmrand ein Werbebanner - nach jeder Runde folgt ein Werbeclip. Die zeitliche Aufteilung immerhin ist zumutbar: Eine Rutschpartie dauert knapp eine Minute, das Werbevideo lässt sich nach fünf Sekunden abbrechen. Wem das zu lang ist, der kann sich für 3,49 Euro von den Anzeigen freikaufen.

Die Illusion des eigenen Könnens

Während der regelmäßigen Werbepausen bleibt mir genug Zeit nachzudenken, wieso anscheinend nur ich das Spielsystem wirklich verstanden habe - und die Antwort wird mit jedem Rennen klarer. So begegnen mir immer wieder dieselben Spieler und die Gegner sind selbst dann, wenn ich eine Abkürzung nehme, in meiner Nähe. Und bei jeder Partie sind angeblich mehrere Mitspieler aus Armenien dabei. Und wieso eigentlich scheinen sich die Flugkurven der Gegner an meine Bewegungen anzupassen? Und weshalb starte ich immer ganz hinten?

Eine kurze Recherche und eine Testfahrt im Flugmodus später habe ich Gewissheit: Ich bin leider doch kein so großartiger Wasserrutscher - oder weiß zumindest nicht, ob nicht jeder andere menschliche Spieler besser wäre. Denn das Spiel läuft auch ohne Internetverbindung problemlos, mit denselben Gegnern. Es handelt sich also durchweg um Computermitspieler, obwohl in der App-Beschreibung zu "Aquapark.io" explizit von "anderen Spielern" die Rede ist und obwohl der Wettkampf gegen echte Menschen das Kernkonzept vieler .io-Games ist.

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Online-Zeitfresser: Sechs spielenswerte .io-Games

So betrachtet wirkt es fast nett, wie die Entwickler zu verschleiern versuchen, dass man sich nur mit Bots misst: Die Gegner haben kleine Flaggen für ihr vermeintliches Herkunftsland, echt wirkende Namen und am Ende jeder Runde gibt es ein Ranking mit ergatterten Münzen. "Aquarkpark.io" soll sich zumindest anfühlen wie ein klassisches .io-Game.

Auf Dauer ist das Spiel dann aber einfach zu simpel. "Aquapark.io" taugt als kurzer Ego-Boost, aber viel lieber als mit schwachen Computergegnern würde ich mich darin mit echten Mitspielern messen. Auch wenn ich dann vielleicht verlieren würde.



insgesamt 2 Beiträge
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Seite 1
razfaz69 29.06.2019
1. Das ist natürlich echt eine Meldung wert!
Danke und auf Wiedersehen. Gähn! Hat Bento wieder Auslauf?
gaminggirl 29.06.2019
2. Ich muss lachen xD
Erst letztens habe ich gesehen, dass meine Nichte das spielt. Auf ihre überhebliche Art hat sie damit geprahlt, wie gut sie das Spiel beherrscht und wollte damit meine Tochter provozieren, die in Splatoon 2 wirklich Erfolge verbucht xD
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