Klassiker-Remake "Black Mesa" Das "Half-Life", von dem die Fans träumten

2012 erschien die erste Version von "Black Mesa", einer aufwendigen Fan-Neuauflage des Shooter-Spiels "Half-Life" - das fertige Produkt folgt erst jetzt. Doch das Warten hat sich gelohnt.
Szene aus "Black Mesa": Die Alienwelt Xen, atmosphärisch wie nie

Szene aus "Black Mesa": Die Alienwelt Xen, atmosphärisch wie nie

Foto: Crowbar Collective

Mit "Half-Life" revolutionierte der US-Entwickler Valve 1998 die Welt der Computerspiele. Vor allem dank seiner neuartigen Erzählweise hängte der Ego-Shooter die Konkurrenz ab. Statt die Story in Zwischensequenzen zu erzählen, ließ Valve den Spieler sämtliche Ereignisse aus den Augen des MIT-Physikers Gordon Freeman erleben, bisweilen in geskripteten Szenen. So geriet der Spielfluss nie ins Stocken. Die Handlung, in deren Verlauf der geheime Forschungskomplex Black Mesa nach einem gescheiterten Experiment von Außerirdischen überrannt wird, konnte sich voll entfalten.

2004 schob Valve einen großartigen Nachfolger mit wegweisenden Physikpuzzles nach. "Half-Life 2" war dank Valves neuer Source-Engine  so fortschrittlich, dass alle zuvor erschienenen Ego-Shooter plötzlich antiquiert wirkten – so auch der einst gefeierte Vorgänger. Valve veröffentlichte zwar im gleichen Jahr "Half-Life: Source", eine Neuauflage des Originalspiels auf Basis der neuen Technologie. Doch von der etwas hübscheren Grafik abgesehen, handelte es sich um das gleiche alte Spiel.

Das war vielen "Half-Life"-Fans jedoch zu wenig. Mehrere Entwickler aus der Mod-Szene schlossen sich deshalb zusammen, um dem Klassiker einen neuen Anstrich zu verpassen und ihn auf das Niveau von "Half-Life 2" zu hieven. Der Name des ambitionierten Projekts: "Black Mesa" – benannt nach eben jener Forschungsstation, in der ein Großteil der Geschichte von "Half-Life" spielt.

Ein würdiges Remake

So sieht der Eingangsbereich der Forschungseinrichtung Black Mesa in "Half-Life" von 1998 aus...

So sieht der Eingangsbereich der Forschungseinrichtung Black Mesa in "Half-Life" von 1998 aus...

Foto: Crowbar Collective
…und so in "Black Mesa". Das liebevoll gestaltete Fan-Remake ist das Ergebnis jahrelanger Arbeit.

…und so in "Black Mesa". Das liebevoll gestaltete Fan-Remake ist das Ergebnis jahrelanger Arbeit.

Foto: Crowbar Collective

Nach vielen Verzögerungen erschien 2012 die erste, kostenlos herunterladbare Version von "Black Mesa". Und das Remake erfüllte nahezu alle Erwartungen: Es war eine subtile Neuinterpretation des Originals mit deutlich besserer Präsentation und einigen behutsamen Neuerungen . Hier gab einen zusätzlichen Gang, hier ein neues Rätsel oder dort einen etwas schlaueren Gegner, doch der Spirit der Vorlage blieb erhalten.

"Unser Antrieb, 'Black Mesa' zu entwickeln, ist vor allem unserem gemeinsamen Traum zu verdanken", sagte damals Carlos Montero, der ursprüngliche Projektleiter des "Black Mesa Modification Team", in einem Interview . Man habe eine "tiefgründigere, detailliertere, umfassendere und visuell zeitgemäße Version von "Half-Life" erschaffen und spielen wollen.

Fotostrecke

So sieht "Black Mesa" aus

Der lange Weg nach Xen

"Black Mesa" gefiel nicht nur den Spielern, sondern auch den "Half-Life"-Schöpfern - und das so sehr, dass sie dem Entwicklerkollektiv ihren Segen gaben, das Studio Crowbar Collective  zu gründen und 2015 eine kommerzielle Version von "Black Mesa" auf Valves Plattform Steam zu veröffentlichen .

"Black Mesa" fehlte allerdings ein wichtiger Part: die Alienwelt Xen, die der Spieler am Ende von "Half-Life" bereist. Weil sie nicht besonders kreativ wirkte und sie aufgrund von kniffligen Sprungpassagen frustrierend schwer war, gilt sie als größter Schwachpunkt des Spiels.

Crowbar Collective wollte daher ein von Grund auf neues Xen kreieren, auf demselben Qualitätslevel wie das restliche "Black Mesa". "Wir hoffen, eine Welt gebaut zu haben, die bizarr, aber zusammenhängend ist", erklärte Projektleiter Adam Engels vor zwei Jahren  dem Magazin "PC Gamer" - auf eine aktuelle SPIEGEL-Anfrage reagierte das Team nicht. "Sie soll sich wie ein Ort anfühlen, der existiert – selbst wenn wir Menschen nicht in der Lage sind ihn zu begreifen."

Beinahe ein komplett neues Spiel

Seit Weihnachten 2019 steht die Xen-Welt nun endlich für alle Käufer von "Black Mesa" zur Verfügung. Aktuell ist sie noch als "Early Access" deklariert, Bugs und Abstürze sind deshalb möglich. Die Release-Version 1.0 von "Black Mesa" soll am 5. März 2020 erscheinen .

Doch schon jetzt ist das neue Xen ein großer Erfolg, wie unter anderem zahlreiche positive Nutzerkommentare bei Steam belegen. Die neue Alienwelt ist im Vergleich zum Originalspiel bedeutend umfangreicher und begeistert vor allem mit ihrer liebevollen Architektur. Wo es früher kaum mehr als bunte Felsbrocken zu sehen gab, wirkt Xen in "Black Mesa" dank detailliert modellierter Flora und Fauna deutlich lebendiger.

Spielerisch hat sich ebenso einiges getan. Gordon Freeman darf in Xen aus einer beliebigen Höhe fallen, ohne Schaden zu nehmen. Zudem muss er jetzt viele, wenn auch meist simple Rätsel lösen, etwa durch das korrekte Platzieren von Stromkabeln oder das Aktivieren von Maschinen.

Sogar die Story funktioniert besser als im Original, weil sie einen passenderen Bogen zu "Half-Life 2" spannt. Ein Beispiel: Auf Xen leben die Vortigaunts, die dem Spieler in "Half-Life" feindlich gesinnt waren, im Nachfolger aber auf seiner Seite kämpften. "Black Mesa" erklärt den Sinneswandel: Die Vortigaunts stehen unter dem Einfluss der sogenannten Alien Controllers. Sobald der Spieler sie tötet, sind die knuffigen Außerirdischen friedlich.

Leichte Balance-Probleme

Ebenfalls spannend ist das Entdecken kleiner Gebäude, die bereits von Wissenschaftlern der Black-Mesa-Station eingerichtet wurden. Auch sie sorgen für eine stimmigere Verknüpfung der Spielwelten von "Half-Life" und dessen Nachfolger.

"Black Mesa" hat unterm Strich nur eine kleine Schwäche: Bis Xen hat der Shooter einen fordernden Schwierigkeitsgrad, das Design orientiert sich hier am alten "Half-Life". Die neuen Abschnitte hingegen sind ein Kind der Moderne: Die Macher drehen den Anspruch nach unten, was in einem spürbaren Knick in der Balance resultiert.

Dieser kleine Schönheitsfleck sollte aber niemanden davon abhalten, das ansonsten tadellose "Half-Life"-Remake auszuprobieren. "Black Mesa" ist ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie hingebungsvolle und ausdauernde Fans einem Klassiker ein Denkmal setzen können.

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