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29. Dezember 2011, 13:23 Uhr

Brettspiel-Empfehlungen

Blühende Täler und eisige Höhen

Von Joachim Budde

Den K2 bezwingen, Ländereien an der Loire verwalten oder ganz einfach möglichst viele Karten loswerden: Zum Jahresende eine Auswahl der besten Brettspiele für dunkle Winterabende.

Es wird früh dunkel, Weihnachten ist vorbei und viele Menschen haben noch frei - nun steht die beste Zeit für Brettspiele an.

Wir haben aus der Masse der Spiele drei Titel ausgesucht, die zu den besten im Jahr 2011 gehören. Und falls Sie dieses Jahr noch gar nicht gespielt haben, sollten Sie noch einen Blick auf unsere Auswahl aus den Neuerscheinungen im Herbst werfen.

Damals empfahlen wir:

Hier drei neuen Empfehlungen:

"K2" - Tödlicher Aufstieg

18 Tage überleben - auf dem K2, dem zweithöchsten Berg der Welt, ist das gar nicht so einfach. Nicht genug, dass die Höhe an den Kräften zehrt. Wenn das Wetter umschlägt, erschwert Schneetreiben das Fortkommen zusätzlich. Da müssen die Bergsteiger ihre Kräfte gut einzuteilen wissen. Zumal andere Teams ebenfalls um den Ruhm kämpfen, als erste auf dem Gipfel 8611 Meter über dem Meeresspiegel zu stehen.

All diese Elemente sind tatsächlich enthalten in "K2". Mit einfachen Mitteln und exzellenter Grafik schafft das Spiel eine dichte Atmosphäre auf den Tisch. Jeder Spieler lenkt zwei Bergsteiger den Gipfel hinauf. Wie schnell er sie bewegen kann, das bestimmen die Karten. Zwar hat jeder Spieler einen identischen Satz, aber die Reihenfolge ist zufällig, so wie die Tagesform stets ein bisschen anders aussieht.

Wie gut die Bergsteiger in Form und an die Höhe angepasst sind, wird auf einer Tafel festgehalten. Unterhalb von 6000 Meter sammeln sie noch Kräfte, ab 7000 Meter wird der Weg immer mühsamer, die Punkte gehen wieder verloren. Wer rechtzeitig unterwegs die beiden Zelte aufschlägt, kann darin verschnaufen und Schutz vor Wetterkapriolen suchen.

Je höher man steigt, desto mehr Siegpunkte sichert man sich. Wer nach 18 Tagen die meisten hat, gewinnt. Das ist auch schon das einzig Unstimmige an diesem zügigen Spiel: Die Spieler müssen tatsächlich lediglich die 18 Tage überleben, es reicht, wenn sie sich in einem Zelt auf 6000 Meter unter dem Schneesturm wegducken. Das führt in Wirklichkeit bekanntlich nicht zum Ziel.

"K2" ist ein Spiel für Taktiker. Zum größten Teil hängt der Sieg davon ab, sich die Kräfte richtig einzuteilen und die Tage für den Gipfelsturm zu nutzen, an denen das Wetter mitspielt. Und davon, dass man seine Mitstreiter aufpasst: Denn sie können den Rückweg blockieren, und das bedeutet einen eisigen Tod.

Adam Kaluza: K2, Grafik: Jarek Noco, 1 bis 5 Spieler ab 10 Jahren. Spieldauer: etwa 60 Minuten, Preis: rund 23 Euro (günstigster Preis im Online-Handel)

"23" - Zocken um Strafchips

Karten ablegen von 1 bis 23 - das klingt erst einmal nicht besonders reizvoll. Doch Christoph Behre hat es geschafft, aus dieser simplen Spielidee ein attraktives Kartenspiel für zwischendurch zu bauen: Er hat dem Spiel geschickt ein paar ebenfalls einfache, aber wirkungsvolle Mechanismen hinzugefügt.

Grundsätzlich geht es darum, möglichst wenig Minuspunkte zu sammeln. Die handelt man sich ziemlich leicht ein, denn bei "23" gibt es eigentlich nur eine Richtung: aufwärts. Auf eine Eins kommt eine Zwei, auf eine Zwei eine weitere Zwei oder eine Drei, und so weiter. Sobald ein Spieler eine oder mehrere Zahlen überspringt, muss er violette Strafchips nehmen. Ist ihm die Lücke zu groß, darf er passen - das gibt lediglich einen Strafchip - und hoffen, dass jemand die Lücke geschlossen hat, bis er wieder an der Reihe ist.

Es kann aber auch einen taktischen Vorteil bringen, mal die Strafe für einen größeren Sprung auf sich zu nehmen. Denn wenn auf diese Weise die Mitspieler auf Karten sitzen bleiben, wird es für sie möglicherweise noch teurer. Etwa, wenn sie zu einer kleineren Zahl zurückkehren müssen: Jeder Spieler hat nur drei grüne Bonus-Chips, mit denen er die Kartenzahl um bis zu fünf nach unten oder oben korrigieren kann, den Wunsch hat man jedoch deutlich häufiger.

Die Mitspieler zu durchschauen, ist bei "23" wichtig, aber gar nicht so einfach. Denn es gibt von allen Zahlen außer der Eins mehrere Karten, und es sind nie sämtliche Karten im Spiel. Manchmal wächst die Zahl auf dem Ablagestapel sehr schnell, manchmal sehr langsam.

"23" ist ein Spiel für Zocker, denn zum Gewinnen muss man eine ordentliche Portion Glück mit den Karten haben. Das Spiel funktioniert offiziell auch zu zweit, macht aber erst zu dritt oder viert wirklich Spaß.

Christoph Behre: 23, Grafik: Oliver Freudenreich, 2 bis 4 Spieler ab 8 Jahren. Spieldauer: etwa 25 Minuten, Preis: rund 6,50 Euro (günstigster Preis im Online-Handel)

"Burgen von Burgund" - Fürstentümer füllen

Das Tal der Loire im Mittelalter. Von ihren Burgen am Fluss aus überblicken Fürsten ihre Ländereien. Die entwickeln sich prächtig: Dort wächst eine Stadt heran, in den Bergen fördern Minen Erz, auf den Weiden gedeiht das Vieh, und über den Fluss transportieren Schiffe Waren aus den Manufakturen.

Klar, dass es nicht so einfach ist, ein prosperierendes Reich zu entwickeln. Die Spieler müssen optimal die Gelegenheiten nutzen, die sich ihnen bieten, und möglichst viele Siegpunkte sammeln. Was sie dafür brauchen, holen sich die Fürsten aus den sechs Depots auf dem zentralen Spielplan und bringen es auf ihr persönliches Tableau.

Woher und wohin genau die Gebäude-, Vieh-, Waren-, Burgen- oder Wissensplättchen kommen - alles hängt von den beiden Würfeln ab. Wer eine Sechs würfelt, darf sich ein Plättchen aus Depot sechs nehmen oder ein Plättchen auf ein Feld seines Tableaus mit einer Sechs legen.

Zum Glück gibt es die Arbeiter, denn sie können die Würfelzahlen nach oben oder unten korrigieren. Das sorgt dafür, dass man tatsächlich an einer Strategie basteln kann. Denn es ist gut, sein Fürstentum planvoll zu füllen. Für jede komplette Stadt, für jede Weide gibt es einen fetten Punktebonus. Wer die Wissenschaft richtig fördert, erntet ebenfalls Punkte-Polster.

Das schöne an diesem Spiel: Die Fürsten können sich gegenseitig die besten Plättchen wegschnappen, schaffen es aber nicht, einander völlig zu blockieren, weil sich immer neue Wege eröffnen.

"Die Burgen von Burgund" ist ein garantierter Erfolg für Vielspieler. Aber auch Gelegenheitsfürsten werden ihren Spaß daran haben, wenn sie eine Partie zum Lernen einkalkulieren. Die Mühe lohnt sich. Außerdem sind für alle Aktionen Hilfen auf das Brett gedruckt. Wenn man die Symbole einmal verstanden hat, kann die Anleitung in der Schachtel bleiben. Das Spiel funktioniert sehr gut - sowohl zu zweit als auch zu mehreren.

Schade: Das Material kann nicht richtig überzeugen. Zwar ist das Spiel üppig ausgestattet, neun unterschiedliche Fürstentümer sorgen für Abwechslung. Aber die Plättchen heben sich schlecht vom Spielplan ab, Gelb und Grün sind kaum zu unterscheiden, und der Verlag hat zu sehr an Größe und Dicke der Plättchen gespart.

Stefan Feld: Die Burgen von Burgund, Grafik: Harald Lieske, 2 bis 4 Spieler ab 12 Jahren. Spieldauer: etwa 30-90 Minuten, Preis: rund 27 Euro (günstigster Preis im Online-Handel)

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