Last-minute-Brettspiele Spielen (fast) ohne alles

Sie möchten an Silvester etwas spielen, haben aber kein Brettspiel da? Hier sind Ideen für einen unterhaltsamen Abend ohne kompliziertes Spielmaterial.
Silvesterspiele

Silvesterspiele

Foto: Diana Doert

Man braucht nicht immer eine große Schachtel für einen gelungenen Spieleabend mit Freunden und Familie. Wer sich spontan entscheidet, aber kein Spiel zur Hand hat, bekommt hier ein paar Ideen:

1. Der Klassiker: Zum Aufwärmen kann man immer gut eine Runde "Stadt, Land, Fluss" spielen, in aufgepeppter Version. Je nachdem wie sich die Gruppe zusammensetzt, werden die altbekannten Kategorien durch neue ersetzt. Krimifans machen aus "Stadt, Land, Fluss" vielleicht "Tatort, Tatwaffe, Detektiv". Besteht die Gruppe aus medizinischem Personal, bieten sich Begriffe wie "Krankheit, Diagnose, Medikament" an. Literaturfans nehmen zum Beispiel "Buch, Autor, Handlungsort". Oder ganz zufällig: Jeder muss ein paar Ideen auf Zettel schreiben, und die Kategorien werden ausgelost.

2. Für die Ruhigen: Zum Ausklang des Abends bietet sich eine ruhige, gewaltfreie Runde "Mördern" an. Hierzu benötigt man lediglich pro Mitspieler ein Teelicht und ein Kartenspiel oder Zettel. Es werden so viele Karten ausgesucht, wie es Mitspieler gibt. Gemeinsam entscheidet die Gruppe, welche Karte den Mörder symbolisiert. Dann werden die Karten gemischt und verdeckt an die Spieler verteilt. Der Mörder darf sich nicht zu erkennen geben. Jetzt wird vor jedem Spieler das Teelicht angezündet, der restliche Raum sollte dunkel sein. Der Mörder erledigt sein Opfer, indem er diesem eindeutig zublinzelt. Das Opfer muss innerhalb der nächsten zehn Sekunden seine Kerze auspusten und darf den Rest des Spiels nicht mehr sprechen.

Foto: Diana Doert

Hat einer der noch lebenden Spieler einen Verdacht, darf er das zwar äußern, muss aber warten, bis sich ein Mitspieler findet, der ebenfalls einen Verdacht hat. Nun kann derjenige, der zuerst seinen Verdacht angemeldet hat, seinen noch zurückziehen, dann passiert nichts. Oder die beiden sprechen ihren Verdacht aus. Nennen sie dieselbe Person, muss diese offenlegen, ob sie der Mörder ist oder nicht. Wenn ja, wurde der Mörder erfolgreich geschnappt. War der Verdacht aber falsch oder wurden zwei unterschiedliche Spieler verdächtigt, erwischt es die beiden, die den Verdacht geäußert haben.

3. Für die Nichtspieler: Wenn nicht alle Gäste am Tisch sitzen und spielen wollen, ist "Ich weiß, was du tust" ein unterhaltsamer Kompromiss. Zu Beginn des Abends wird eine Schüssel mit gefalteten Zetteln gefüllt, auf denen immer eine "Angewohnheit" steht. Zum Beispiel: "Immer, wenn jemand eine Frage stellt, greifst du dir ans Ohr". Oder: "Immer, wenn jemand dich mit deinem Namen anspricht, musst du niesen." Wurde man von einem Mitspieler enttarnt, muss man den Zettel an denjenigen abgeben und sich einen neuen holen. Am Ende des Abends zählt jeder seine eingesammelten Zettel der enttarnten Angewohnheiten - wer am meisten hat, gewinnt.

4. Für Künstler: Das klassische "Montagsmaler" lässt sich einfach umgestalten: Dazu bekommt jeder Spieler ein Blatt Papier und einen Stift. Zu Beginn der Runde schreibt jeder auf seinen Zettel einen Begriff, den man nicht so leicht zeichnen kann. Dann faltet man das Blatt ein Stück, sodass man den aufgeschriebenen Begriff nicht mehr lesen kann, und gibt den Zettel an seinen linken Sitznachbarn weiter. Dieser muss jetzt den Begriff unter dem Kniff im Papier zeichnen und das Blatt wieder so falten, dass der nächste Spieler, wenn er den Zettel ein Stück aufklappt, nur den gezeichneten Teil sehen kann, nicht aber das Wort. Nun muss er unter die Zeichnung schreiben, was er aus dem Kunstwerk erkennen kann. Je nach Größe der Runde kann man das ein paar Mal machen, bis man die Zettel auffaltet und Worte und Werke vom Anfang und vom Ende vergleicht.

Foto: Diana Doert

Haben Sie einen Computer, Drucker und ein paar Würfel zur Hand, können Sie auf den letzten Drücker sogar noch ein paar Spiele ausdrucken. Natürlich ganz legal, da es viele Spiele gibt, die unter Creative-Commons-Lizenz veröffentlicht worden sind und somit von jedem kostenlos genutzt werden dürfen:

5. Für Zocker: Läuten Sie das olympische Jahr 2020 doch standesgemäß ein mit einem gewürfelten Zehnkampf! "Reiner Knizia's Decathlon" ist ein spannendes Würfelspiel, das der weltbekannte Spieleautor seit ein paar Jahren als kostenlosen Download bereitstellt. Dabei könnte man sich das Spiel auch locker in einer Spieleschachtel vorstellen wie Hunderte andere Spiele von Knizia.

Foto: Hendrik Breuer

Bei "Decathlon" gilt es, die zehn traditionellen Leichtathletikdisziplinen zu absolvieren und möglichst viele Punkte einzusammeln. Dabei ist jeder der Wettkämpfe thematisch erstaunlich eng an den Originaldisziplinen orientiert. Ein spannendes Würfelspiel und eine echte Alternative zu "Kniffel". Sie benötigen dafür allerdings acht Würfel.

6. Für die Fiesen: Sie sollten sich gut überlegen, mit wem Sie "Cards Against Humanity" spielen. Das Spiel ist ein Phänomen, das auf Englisch sowohl als regulär verlegtes Spiel als auch über diverse Crowdfunding-Kampagnen millionenfach verkauft wurde. Insbesondere unter Schülern und Studenten hat das Spiel mittlerweile Kultstatus. "CAH" besteht ausschließlich aus Karten und ist schon seit jeher kostenlos auf der Seite der Erfinder auszudrucken. Gute Übersetzungen von Fans existieren zudem - was dem kommerziellen Erfolg des Spiels offensichtlich keinen Abbruch getan hat.

Das Spielprinzip ist einfach: Ein Spieler gibt mit einer Karte das Thema vor (zum Beispiel: "Was verstecken meine Eltern vor mir?"), und alle Mitspieler spielen aus der eigenen Hand jeweils eine passende Karte aus (etwa: "Hoffnung", "Angela Merkel" oder "Pferdefleisch"). Der Spieler mit dem Thema wählt die beste Antwort aus. Derjenige, von dem der Gewinner stammt, bekommt einen Punkt. Allerdings waren die genannten Beispiele extrem (!) harmlos. "Cards Against Humanity" ist kein Familienspiel und auch nichts, was man mit Gästen spielen sollte, die man nicht gut kennt. Deshalb steht auf der Schachtel des Spiels wohl auch "Ein Partyspiel für schlimme Leute".

7. Für Experimentierfreudige: "Secret Hitler" ist ein hintersinniges Spiel für Gruppen von fünf bis zehn Spielern. Der historische Hintergrund erscheint dabei nicht unbedingt wie für ein solches Spiel gemacht: Man begibt sich in die Weimarer Republik des Jahres 1932. Im Parlament versuchen liberale Politiker ihre Gesetze durchzusetzen und eine faschistische Machtübernahme zu verhindern.

Gespielt wird mit geheimen Identitäten. Die meisten Spieler sind Liberale, doch einige Faschisten und ein Hitler haben sich unter die Gruppe gemischt. Im Verborgenen versuchen sie durch geschickte Manipulation der anderen, entweder Hitler zum Reichskanzler wählen zu lassen (was nur mit den Stimmen einiger getäuschter Liberaler passieren kann) oder genügend faschistische Gesetze durchzudrücken. Die Liberalen wiederum versuchen, Hitler auszuschalten oder genügend eigene Gesetze durchzudrücken.

Foto: Hendrik Breuer

Nie war das "Wem kann man trauen?"-Spielgefühl so intensiv wie bei "Secret Hitler". Es gilt zudem als eines der wenigen Gesellschaftsspiele, die ein historisches Thema stimmig umsetzen, ohne dabei besonders moralisierend oder langweilig daherzukommen.

Auch "Secret Hitler" ist ein kommerzieller Erfolg: Über die erste Kickstarter-Kampagne wurden 1,5 Millionen Dollar zur Finanzierung eingesammelt. Doch das Spiel ist ebenfalls seit jeher kostenlos herunterladbar.