Femizid in Brasilien Mord an 19-jähriger Spielerin schockt die »Call of Duty«-Szene

In Brasilien ist die E-Sportlerin »Sol« getötet worden. Der mutmaßliche Täter ist erst 18 Jahre alt und hatte seine Tat offenbar geplant. Er spielte dasselbe Handyspiel wie die junge Frau.
»Call of Duty Mobile«: Das Handyspiel ist nicht nur in Brasilien beliebt

»Call of Duty Mobile«: Das Handyspiel ist nicht nur in Brasilien beliebt

Foto: Activision

Brasiliens E-Sport-Szene trauert um eine ambitionierte Spielerin des Handygames »Call of Duty Mobile«. Wie verschiedene lokale Medien berichten, ist Ingrid Oliveira Bueno da Silva alias »Sol« – auf Deutsch Sonne – am Montag erstochen worden. Sie wurde nur 19 Jahre alt. Die Nachricht von ihrem Tod geht nun vor allem auf Gaming-Websites um die Welt.

Krony, die Verantwortliche für das E-Sport-Team FBI eSports, für das »Sol« in dem Shooter antrat, veröffentlichte auf Instagram eine Trauernachricht. »Sie war ein außergewöhnlicher Mensch«, heißt es darin. Man werde sich an sie erinnern, »an jedem Tag, an dem die Sonne aufgeht, an jedem Tag, an dem das Sonnenlicht unseren Körper berührt, jedes Mal, wenn wir in die Sonne schauen«.

Verantwortlich für den Tod von »Sol« ist laut brasilianischen Medien ein anderer »Call of Duty Mobile«-Spieler, der unter dem Namen »Flashlight« auftrat und erst 18 Jahre alt ist. Offenbar handelte er mit Vorsatz, darauf sollen Aussagen von »Flashlight« gegenüber der Polizei hindeuten.

Im Netz zirkuliert eine Videoaufnahme der Festnahme des mutmaßlichen Täters, während der ihn jemand fragt, ob er den Mord begangen habe. »Ja«, sagt er und grinst in die Kamera. »Weil ich es wollte.«

Über ihr Hobby kennengelernt

Er und »Sol« hätten sich über ihre Leidenschaft für »Call of Duty Mobile« vor gut einem Monat kennengelernt, heißt es in den Medienberichten. Das jetzige Treffen sei ihre erste Offline-Begegnung gewesen.

Gefunden wurde die Leiche der E-Sportlerin demnach in der Wohnung von »Flashlight« in Pirituba, einem Viertel im Norden von São Paulo. Laut der Nachrichtenseite »R7« hatte er sich der Polizei gestellt und die Tat gestanden. Vor seiner Verhaftung brachte der Gamer übers Netz und WhatsApp-Gruppen Aufnahmen der Leiche und ein 52-seitiges Manifest in Umlauf, das angeblich auch Terrorpläne beinhaltet.

Der Gamer scheint ein typischer Vertreter der Incel-Szene zu sein, die für ihren Hass auf Frauen bekannt ist . In einer E-Mail schreibt er, er habe in den vergangenen Jahren einen starken Hass auf Frauen entwickelt. Den Mord bezeichnet er als »lobenswerte Tat«.

Femizide – damit gemeint sind Morde an Frauen, weil diese Frauen sind – sind in Brasilien ein großes gesellschaftliches Problem. Insgesamt wurde dem »Atlas da Violência 2020« (Atlas der Gewalt) zufolge 2018 alle zwei Stunden eine Frau ermordet , rund 70 Prozent der Opfer waren schwarze Frauen.

Ähnlich wie in anderen Ländern hat auch die Gaming-Szene in Brasilien den Ruf, für Frauen ein schwieriges Pflaster zu sein. Wer als Frau online spielt, ist in Spielen wie »Call of Duty Mobile« in der Minderheit und sieht sich schnell mit Anfeindungen konfrontiert.

Im Netz sorgte die Nachricht aus Pirituba für Entsetzen. »Wenn wir predigen, dass die Gaming-Szene für Frauen toxisch ist, dann ist es das, worüber wir reden«, schrieb etwa eine Gamerin aus Rio de Janeiro auf Twitter. »Es verletzt, unterdrückt, schmerzt und tötet – und es muss nicht immer so krass sein wie dieses Hass- und Gender-Verbrechen. Alle Frauen sind verletzlich.«

Das E-Sport-Team Jaguares schrieb, Frauen berichteten täglich von Übergriffen, aber von der Gesellschaft werde das kaum beachtet. »Im E-Sport ist das nicht anders.« Auch in der Szene von »Call of Duty Mobile«, wo Frauenteams auf Männerteams treffen, würden viele Spielerinnen bedroht. Das Team fordert Gamer und Gamerinnen dazu auf, sich gegen die Gewalt zu stellen: »Femizide dürfen nicht toleriert werden.«

mbö
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