"Call of Duty: Modern Warfare" Der Egoshooter ist auserzählt

"Call of Duty: Modern Warfare" versetzt den Spieler in eine Gegenwart voller Gewalt und Unmenschlichkeit. Es ist ein gutes Spiel, das seine Geschichte jedoch immer an einem Gewehrlauf entlang erzählt.

Activision

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"Scheiße, der hat sich in die Luft gesprengt." Am Piccadilly Circus, der wohl bekanntesten Straßenkreuzung Londons, sind Explosionen und Schüsse zu hören. Es ist ein Terroranschlag und der Spieler ist mittendrin - als Soldat. Seine Aufgaben im Chaos: Geiseln befreien und Terroristen erschießen. Die größte Herausforderung: Bloß keine Zivilisten treffen, das bestraft das Spiel.

"Call of Duty: Modern Warfare" ist ein Egoshooter mit einer Geschichte in der Jetztzeit. Es lässt die Gefechte nicht auf historischen Schlachtfeldern abspielen - wie etwa "Call of Duty: WW2" - oder den Spieler in die Zukunft versetzen wie "Call of Duty: Black Ops 4". Nein, diesmal geht es um die Gegenwart und ihre vielen Konflikte: USA gegen Russland, gegen Terroristen, gegen Milizen. Die USA im Syrienkonflikt - als gerechte Partei.

Es zeigt Szenen des Terrors in Großstädten, zeigt, wie Menschen von Terrororganisationen erhängt, Frauen gequält und Kinder vertrieben werden.

Gut geschmierte Technik

Ein Zugeständnis an das eigentliche Ziel der Entwickler: "Call of Duty: Modern Warfare" ist ein technisch gut gemachtes Spiel. Es wartet mit einer brachialen Grafik auf, unterstreicht diese mit einem wummernden, treibenden Soundtrack. Es lässt sich tadellos steuern und bietet eine große Auswahl an Waffen, inklusive der dazugehörigen, ohrenbetäubenden Soundeffekte. Besonders mit Kopfhörern auf den Ohren kreiert das Spiel eine durchaus bedrohliche und bedrückende Atmosphäre.

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Fotostrecke: Bilder des Schreckens

Zu erwähnen ist, dass das Spiel derzeit ganz ohne Lootboxen oder "Pay 2 Win"-Mechaniken auskommt. Der Publisher Activision verspricht, dass das auch so bleiben soll. Momentan ist das durchaus ein Novum, da gerade Spiele aus dem Shooter-Genre gern möglichst viel Geld aus den Konsumenten herauspressen - auch noch nach dem eigentlichen Kauf des Spiels.

Die meisten Käufer von "Call of Duty: Modern Warfare" werden das Spiel wohl aufgrund der Multiplayer-Modi kaufen. Hier können sie sich gegenseitig messen, ihre Reflexe trainieren. Es geht in diesen Modi darum, Gegner möglichst effektiv, schnell und auch kreativ zu besiegen.

Daher stehen hier weniger die Diskurse im Mittelpunkt, die im Singleplayer-Modus verhandelt werden. Es geht nicht um Terroristen und Schutzmächte, es geht darum, die menschlichen Mitspieler zu überbieten, Ranglisten anzuführen, stetig besser zu werden. Das dürfte wohl auch der Grund sein, wieso "Call of Duty: Black Ops 4" auf eine Kampagne verzichtet hat. Das Spiel bestand nur aus Multiplayer-Matches.

Die Waffe erzählt die Geschichte

Vielleicht war dieser Schritt der richtige. "Call of Duty: Modern Warfare" scheut nicht vor drastischen Szenen zurück, es setzt sie vielmehr prominent ins Licht, konfrontiert den Spieler mit einer abscheulichen Realität, die auf kriegerischen Auseinandersetzungen basiert - und den Versuchen, die Bevölkerung möglichst nichts davon mitbekommen zu lassen.

Wenn London in Flammen steht oder Menschen über dem Spieler an Seilen hängen, wird klar, dass die Entwickler hier - trotz aller pompösen Inszenierung - schockieren und nicht begeistern wollen. Das Spiel mag sich selbst als Antikriegs-Spiel verstehen.

Preisabfragezeitpunkt:
28.10.2019, 11:27 Uhr
Ohne Gewähr

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Doch wird dem Spieler niemals die Sicherheit seiner Rolle genommen: Er ist der mit der Waffe, der das Geschehen aus der Ego-Perspektive betrachtet - und dann aktiv wird, eingreift, schießt. Das Problem dabei ist, dass die Geschichte eines Ego-Shooters noch so komplex sein kann, sie wird immer am Lauf eines Gewehrs entlang erzählt.

Hat der Spieler einmal keine der vielen Waffen des Spiels in der Hand, hat er keine Granaten in der Tasche, dann erst herrscht der Ausnahmezustand. Dann gilt es, zu schleichen oder sich zu verstecken. Bis man eine neue Waffe findet.

Darum lässt sich wohl sagen, dass der Ego-Shooter in seiner jetzigen Form auserzählt ist. Er mag bombastische Kulissen und schockierende Geschichten bieten. Doch erzählt er sich immer gleich. Die Sicht des Spielers auf diese Welt wird niemals gebrochen. Und wenn der Piccadilly Circus in Flammen steht, ist das nur so lange bedrohlich, bis die Waffe im Bildschirm auftaucht. Denn dann weiß der Spieler wieder genau, was er zu tun hat: schießen. Nur nicht auf die Zivilisten.

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insgesamt 58 Beiträge
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Seite 1
h4ush3rr 28.10.2019
1. Wow.
Ein Egoshooter wird doch tatsächlich aus der Sicht des Protagonisten erzählt. Und das auch noch aus der Ego-Perspektive. Am Gewehrlauf entlang! Unvorstellbar. So einen nichtssagenden Text hab' ich ja schon lange nicht mehr gelesen.
ultor niger 28.10.2019
2. Wunderbar
Da wollte mal wieder den Moralapostel spielen, wollte es dann noch nicht tun und konnte es doch nicht ganz lassen. Der Artikel ist absolut nichts sagend und die vom Puritanismus motivierte Kritik ist so wundervoll haltlos und ohne jede Tiefe. Vielleicht sollte da jemand, das Kritisieren von Spielen anderen ohne Agenda überlassen.
tallantis 28.10.2019
3. Spannend
Was haben wir gelernt? Ein Ego-Shooter ist ein Ego-Shooter und der Autor hat keinen Bock mehr drauf, weshalb nun alle keinen Bock mehr drauf haben sollen. Selbstbewusst.
super-m 28.10.2019
4.
Käufer, die einen Ego Shooter kaufen, wollen aus der Ego Perspektive schießen. Wo genau ist jetzt die Erkenntnis... Und wie bekomme ich die Zeit zurück, die ich für diesen leeren Text geopfert habe?
Spalter1972 28.10.2019
5. Seit Jahren
beweist Spiegel (online), dass man überflüssige und unbrauchbare Artikel durchaus veröffentlichen kann. Respekt dafür! Aber noch schöner? Eine Clickbait Fotostrecke "Bilder des Schreckens" zu nennen, um dann eine leere Bibliothek abzubilden. Made my day!
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