Vorschriften für Games-Anbieter Minderjährige sollen in China nach 22 Uhr nicht mehr online spielen

Chinas Regierung befürchtet, dass viele junge Menschen zu viel Zeit mit Videospielen verbringen. Als Lösung sieht man neue Regeln für Games-Anbieter. Doch es gibt Schlupflöcher.

Chinesische E-Sportler: Junge Spieler könnten sich mit zeitlichen Einschränkungen konfrontiert sehen
Qi qi - Imaginechina/AP

Chinesische E-Sportler: Junge Spieler könnten sich mit zeitlichen Einschränkungen konfrontiert sehen


Die chinesische Regierung gibt sich um junge Videospielfans besorgt. Wie verschiedene lokale und ausländische Medien berichteten, hat die Volksrepublik den Anbietern von Online-Games konkrete Vorgaben zum Umgang mit minderjährigen Nutzern gemacht. Auf der Staatsrats-Website wird darauf hingewiesen, dass Personen unter 18 Jahren ab 22 Uhr und vor 8 Uhr morgens von Online-Partien ausgeschlossen werden müssen.

Ebenso sollen Minderjährige an Wochentagen maximal 90 Minuten täglich online spielen können und an Wochenenden und Feiertagen maximal drei Stunden. Die Spieler sollen sich mit ihrem echten Namen und ihrer Identifikationsnummer anmelden müssen, heißt es - eine Regelung, die Bürgerrechtlern Sorgen bereitet und die auch erwachsene Spieler betrifft.

Chinas Regierung regelt auch die Ausgaben innerhalb von Apps, etwa für virtuelle Waffen oder Kostüme. In diesem Bereich sollen Minderjährige je nach Altersgruppe umgerechnet nur noch maximal 26 bis 52 Euro pro Monat ausgeben beziehungsweise auf ein entsprechendes Guthabenkonto einzahlen dürfen. Für Einzelaufladungen eines solchen Kontos gibt es Maximalbeträge in Höhe von 6,50 und 13 Euro.

Sorge vor Suchtproblemen

Die neue Regeln seien bereits erwartet worden, zitiert die "New York Times" Branchenkenner. Viele große Tech-Firmen wie Tencent und Netease hätten schon seit längerem Einschränkungen für jüngere Nutzer eingeführt. Zugleich hätten junge Spieler bereits Wege erprobt, solche Regeln zu umgehen, etwa durch verwenden des Telefons oder der Identifikationsnummer ihrer Eltern.

Bislang betreffen die Regeln nur Online-Spiele, also Games, die man übers Internet spielt. Hier hat die Regierung die Chance, den Anbietern detaillierte Vorgaben zu machen, da diese die Nutzung der Spiele in Echtzeit nachverfolgen und auswerten können. Bei Offline-Spielen dagegen wird nicht unbedingt erfasst, wer sie wann und wie lange spielt.

Chinas Regierung befürchtet, dass Videospiele die Gesundheit und das Wohlbefinden von Kindern gefährden - etwa in Form von Suchtverhalten, was auch schulische Leistungen beeinträchtigen könne.

China sei mit seinen Regeln einer der am härtesten regulierten Videospielmärkte der Welt, heißt es von Daniel Ahmad. Der Analyst von Niko Partners betont, dass Publisher und Entwickler bei Spielen, die sie für den chinesischen Markt entwickeln, sehr auf die Inhalte achten müssen. Tatsächlich kommt in China nur ein Teil der im Westen verbreiteten Computerspiele in den Handel. Viele Spiele erscheinen dort in Versionen, die speziell für China entwickelt und etwa in Sachen Gewaltdarstellung entschärft wurden.

mbö

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insgesamt 8 Beiträge
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Opa_Hoppenstädt 07.11.2019
1. Ehrlich?
bei mir zu Hause gelten ähnliche Regelungen. Ich wäre froh, wenn es auch hier zu Lande solche Gameeinschränkungen gäbe... diese ständige Diskussion "die anderen dürfen, nur ich nicht".. wäre beendet... Digitalpakt heißt hierzulande doch oft genug nur das Kinder und Jugendliche auch in der Schule zocken, WhatsApp, Snapchat YouTube konsumieren, aber nix mehr lernen...
kelcht 07.11.2019
2.
Bei uns sind gaming Guthaben ab 18 Jahren, was ich auch gut finde. Ansonsten könnte Beckstein von der CSU Chinese sein. Der CSU Politiker wäre in manchen Feldern weiter gegangen als die Chinesen in anderen nicht.
muiavnae 07.11.2019
3. Regelungen zu Ingame-Käufen
Das wäre vielleicht mal eine Idee die Sinnvoll und einfach in Deutschland umzusetzen wäre. Verstehe nicht warum Glücksspiel ab 18 ist, aber es für Kinder möglich ist ihr erspartes und noch mehr für etwas mit weniger Gegenwert auszugeben.
Analogkaese 07.11.2019
4. konsequent
Auf Deutschland übertragen würde das einer sehr konsequenten Anwendung des Jugendschutzgesetzes entsprechen. Persönlichkeitsrechtlich sicher fragwürdig, jedoch sicher sehr effektiv und aus (staats-) fürsorglicher Perspektive begründbar. Als Erziehungsberechtigter, würde mich das in meinen Pflichten sehr unterstützen.
zausi 07.11.2019
5. Verkaufen wir..
doch D. an China. Sind ja genug Kommunisten anbeter hier vertreten, vor allem Industrie, Gas-Gerd, und andere Babbköpfe...
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