Neue Zensurrichtlinien China will Konsolenspiele zensieren

Spielen ja, aber wohl nicht alles: China hat den Verkauf von Spielkonsolen unter Auflagen erlaubt, jetzt erarbeitet das Kulturministerium laut Medienberichten neue Zensurregeln. Spiele wie "Battlefield 4" dürften es schwer haben, in den Handel zu kommen.

Actionspiel "Battlefield 4": In China weiterhin verboten
AP/ Electronic Arts

Actionspiel "Battlefield 4": In China weiterhin verboten


Der Chef des chinesischen Kulturministeriums, Cai Wu, hat bei einer Pressekonferenz neue Regeln für die Zulassung von Konsolenspielen angekündigt. Die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet, die Regeln sollen laut Cai "so bald wie möglich" ausgearbeitet werden.

Obwohl bislang keine Details der Reform bekannt sind, scheint es naheliegend, dass das Spieleangebot für chinesische Konsolenbesitzer kleiner ausfallen wird als etwa in den USA. Darauf deutet ein Zitat Cai Wus hin. Bloomberg zitiert ihn mit folgenden Worten:

"Dinge, die China gegenüber feindselig sind oder die nicht mit den Anschauungen von Chinas Regierung übereinstimmen, werden nicht erlaubt. Wir wollen das Fenster einen Spalt aufmachen, um etwas frische Luft zu bekommen, aber wir brauchen nach wie vor ein Fliegengitter, um die Fliegen und Moskitos abzuwehren."

Ein Spiel, das Cai Wu mit den ungeliebten Insekten meinen könnte, ist "Battlefield 4". Medienberichten zufolge war der Actiontitel bereits im Dezember verboten worden, obwohl er in China nicht einmal offiziell vertrieben wird: Das Kulturministerium war der Ansicht, das Spiel enthalte Inhalte, die die nationale Sicherheit bedrohen. Zur Zeit der Verbotsbekanntgabe war in den USA gerade die Erweiterung "China Rising" erschienen, die auf dem chinesischen Festland spielt. Wie die US-Spieleseite Kotaku berichtet, hat die chinesische Regierung auch gegen mindestens 40 weitere Spiele Vorbehalte.

Importverbot "vorübergehend" außer Kraft

Dass China den Verkauf von ausländischen Spielkonsolen auf seinem Territorium wieder erlaubt, war vergangene Woche bekanntgeworden: Ein im Jahr 2000 verhängtes Verkaufsverbot ist derzeit zumindest "vorübergehend" außer Kraft. Entsprechende Pläne Chinas waren bereits vergangenen Herbst bekanntgeworden. Verkauft werden dürfen momentan ausschließlich Konsolen, die in der Shanghaier Freihandelszone produziert und von den Kulturbehörden geprüft wurden.

Über den Schwarzmarkt waren Konsolen auch schon vorher in China erhältlich, die Mehrheit der Spieler spielt allerdings auf dem Computer oder an Mobilgeräten. China hatte den Verkauf ausländischer Konsolen seinerzeit mit der Begründung verboten, das Spielen könne möglicherweise negative Folgen für die "psychische Gesundheit" von Kindern haben.

mbö

insgesamt 28 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
tailspin 14.01.2014
1. Simulieren geht vor kaempfen
Battlefield 4 zensieren? Da koennten die Chinesen doch gleich mal simulieren, wie weit sie mit ihrem neuen flugzeuglosen Fluegzeugtraeger gegen Japan im Streit um die Diaoyou Inseln kommen oder gegen die Philippinen im Streit um die Zhongyue Inseln. http://www.zerohedge.com/news/2014-01-12/china-plans-seize-south-china-sea-island-philippines-says-battle-will-be-restricted Immer noch besser, als gleich drauf los zu schiessen.
spon-facebook-10000523851 14.01.2014
2. Der ganze sinnlose und
brutale Unsinn gehoert ausgesondert. Wir sind schon ganz schoen verkommen und verroht wenn wir derartiges Gemetzel zur Unterhaltung brauchen. Und wir wundern uns ueber die Zunahme von Brutalitaet und Lebensverachtung ? Sogar nach Kinofilmen kann beobachtet werden, wie derartige Filme das Publikum beeinflussen.
Thyphon 14.01.2014
3. Business as usual
Die Chinesen sind es ja gewohnt, nur das zu lesen, zu hören und zu sehen, was die Partei für angemessen hält. Das sie u.A. BF4 verboten haben, um die nationale Sicherheit zu schützenzeigt, nur wie unglaublich paranoid, aufgebläht (haben die Behörden dort nichts besseres zu tun?) und weltfremd diese Partei ist. Das chinesische Volk kann einem nur leid tun. Es ist vermutlich nur eine Frage der Zeit, bis es dort zur nächsten Kulturrevolution kommt.
dröhnbüdel 14.01.2014
4. Hosen voll
In allen Diktaturen läuft es nach demselben Muster ab: Bei allen dem gemeinen Volks zugänglichen Dingen, die die Allwisenheit und Lauterkeit der Großen Führer auch nur entfernt in Frage stellen, haben die Herren die Hosen voll bis zum Gürtel. Das Ganze hat auch eine komische Seite. Baller- und Kriegsspiele auf dem PC sollen die Alleinherrschaft der Führungsclique ins Wanken bringen. Die Herren merken noch nicht einmal, wie sehr sie sich damit vor aller Welt lächerlich machen. Wie sollten sie auch, denn allerhöchste Humorlosigkeit ist schon seit Urzeiten ein Hauptmerkmal jeder Diktatur.
markus_wienken 14.01.2014
5. .
Zitat von ThyphonDie Chinesen sind es ja gewohnt, nur das zu lesen, zu hören und zu sehen, was die Partei für angemessen hält. Das sie u.A. BF4 verboten haben, um die nationale Sicherheit zu schützenzeigt, nur wie unglaublich paranoid, aufgebläht (haben die Behörden dort nichts besseres zu tun?) und weltfremd diese Partei ist. Das chinesische Volk kann einem nur leid tun. Es ist vermutlich nur eine Frage der Zeit, bis es dort zur nächsten Kulturrevolution kommt.
Ach Unsinn. Sie bekommen in China so ziemlich jedes indizierte Weg unterm Ladentisch, ist gar kein Problem. Das chinesische Volk ist, so zumindest meine Wahrnehmung, mit der KP im Allgemeinen ganz zufrieden. Das sehe ich noch nicht einmal im Ansatz kommen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.