Videospiel "Concrete Genie" Die Macht des Pinsels

"Concrete Genie" ist ein etwas anderes Exklusivspiel für die Playstation 4, das vom Mobbing unter Jugendlichen erzählt. Die Stärken des Mediums Videospiel setzt es dabei gekonnt ein.

Sony Interactive Entertainment

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Wer malt, der hat Macht. Die Kontrolle über den Pinsel und darüber, welches Bild entsteht. Wer malt, der formt, ordnet an, kreiert - und schafft etwas Neues, abgetrennt von dem, was wir Realität nennen. Auf diesem Prinzip basiert "Concrete Genie" vom Studio Pixelopus.

Das neue Videospiel, das nur für die Playstation 4 erschienen ist, kommt ganz ohne Bombast aus und regt gerade deswegen zum Nachdenken, zum Miterleben der Geschichte an. Es lässt den Spieler den Pinsel schwingen, damit ein Junge seine problematische Realität hinter sich lassen kann.

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Playstation-4-Spiel: Das ist "Concrete Genie"

Denska war mal ein schöner Ort. Der Ort der Kindheit des Protagonisten Ash. Heute ist er verlassen, nur mehr ein Schatten aus der Vergangenheit. Ash besucht Denska jedoch noch immer, um hier in seinem Buch zu zeichnen. Er entwirft Monster, gibt ihnen Namen, bis die Monster seines Lebens auftauchen: Eine Gruppe von Jugendlichen, die ihn schikanieren. Sie nehmen sein Buch, reißen die Seiten heraus, lassen diese, vom Wind getragen, davonfliegen.

An dieser Stelle lässt "Concrete Genie" den Spieler an den Controller. In einem zerfallenen Leuchtturm entdeckt er mit Ash, dass die Monster, die er eben noch gezeichnet hat, ein eigenes Leben gefunden haben. Sie entstehen, indem Ash sie mit einem magischen Pinsel, den er im Leuchtturm entdeckt, an die Wand malt.

Preisabfragezeitpunkt:
10.10.2019, 09:12 Uhr
Ohne Gewähr

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Concrete Genie [PlayStation 4]
Preis:
EUR 29,99

Ums Leben malen

Das Malen ist die wichtigste Spielmechanik von "Concrete Genie". Per Bewegungssteuerung malt der Spieler diese Dschinns genannten Monster an die Wand. Der Controller der Konsole wird also den Anforderungen entsprechend auf dem Bildschirm bewegt. Dabei kann der Spieler aus einem Malkasten wählen. Verschiedene Körper, Hörner, Schwänze - der Kasten erweitert sich, je mehr Seiten aus dem Buch von Ash wiedergefunden werden. Bei der Gestaltung der Dschinns besteht also relative Freiheit. Hier kann sich der Spieler künstlerisch ausdrücken, wie es Ash auch selbst tut.

Die Dschinns haben auch eine Funktion: Sie helfen dem Protagonisten auf dem Weg, Denska wieder zu einem schönen Ort zu malen. So haben die Monster etwa unterschiedliche elementare Fähigkeiten. Ein Typ Dschinn kann dazu gebracht werden, Gegenstände anzuzünden, die den Weg versperren. Ein anderer kann Elektrizität erzeugen und so elektrische Türen öffnen.

So läuft, springt und klettert der Spieler durch die verschiedenen Bezirke von Denska, immer darauf bedacht, nicht von der Bande Jugendlicher entdeckt zu werden. Er bemalt Wände, bringt Lichterketten zum Erleuchten und entfernt die Finsternis, die sich wabernd als lila Masse durch Denska zieht. Hierfür braucht der Spieler jedoch die Superfarbe, die er bekommt, wenn er den Dschinns eine Freude macht.

Das geht zum Beispiel, indem er ihnen Sterne malt oder ein Feuer anzündet. Sind die Dschinns glücklich, verleihen sie Ash die Kraft, die Finsternis zu vertreiben. Auch der Kampf gegen dunkle Wesen ist ein Teil des Spiels, dessen Geschichte sich im Laufe des Spiels vertieft und wendet.

Emotionale Bilder

"Concrete Genie" ist ein Spiel voller Metaphern und emotional aufgeladener Bilder. Ein Spiel, das sich einem ernsten Thema, dem Mobbing unter Jugendlichen, nähert - während es nicht vergisst, dass es ein Videospiel ist. Es nutzt die Mechaniken des Spiels gekonnt, um eine Geschichte zu erzählen. Der Spieler ist Teil des Spiels, er malt sich eine Welt schön, die von Finsternis durchzogen ist.

Dabei baut "Concrete Genie" jedoch keine Schwarz-Weiß-Welt auf. Die Bösen sind mehr als böse. Sie bekommen eine Geschichte, einen Grund, wieso sie nun auf einem einsamen Jungen rumhacken, der doch eigentlich nur in Ruhe malen möchte.

Im Katalog der Playstation-4-Exklusivspiele sticht "Concrete Genie" zwischen Titeln wie "God of War" oder "Spider-Man" heraus, weil es das Spiel gar nicht nötig hat, auf eine bombastische Inszenierung zu setzen. Es gibt dem Spieler keine Übermacht, wie er sie in vielen anderen Games bekommt, sondern nur die Macht über einen Pinsel. Und dabei zeigt sich, dass dieser mehr Wucht haben kann als jede Waffe.



insgesamt 2 Beiträge
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bernie86 gestern, 08:02 Uhr
1. Irgendwie komisch
Da titeln die öffentlich Rechtlichen gestern noch das Seehofer Zitat man müsse sich "diese Gamer" genauer anschauen - so als würde 1. kein "normaler" Mensch sich mit Videospielen befassen, 2. jedes Spiel immer Gewalt als Inhalt oder Ziel voraussetzen, 3. gleich wieder der Buhmann "Killerspiel" ausgekramt - während es der Spiegel schafft, Perlen zu erkennen, die eben jene Immersion des Mediums nutzen um emotionale Geschichten zu erzählen, die dem Konsumenten näher gehen als Buch oder Film es in ihrer Linearität könnten. Möge jemand Herrn Seehofer eine Kopie des Titels zukommen lassen und ihn daran erinnern, dass der deutsche Computerspielpreis von seinen Parteifreunden eingeführt und jährlich vergeben wird.
hubwood gestern, 08:16 Uhr
2. Kunst.
Wann wird das Medium Computerspiele endlich als das erkannt was es sein kann. Nämlich Kunst. Wie in jedem anderem Medium wie auch Papier, TV, Radio obliegt es nämlich dem Künstler daraus etwas wertvolles zu schaffen. Das wird von der breiten Masse Dank Fifa, CS:Fo und Co (keine schlechten Spiele, aber im Fokus) immernoch nicht erkannt.
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