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Online-Rollenspiel: Das ist "Fallout 76"

Foto: Bethesda

Game-Designer Todd Howard und Hideo Kojima "Sag nicht, dass wir faul sind"

Die Reihen "Metal Gear" und "The Elder Scrolls" machten Hideo Kojima und Todd Howard berühmt. Jetzt entwickeln die beiden Game-Designer neue Spiele - und plaudern über ihre Arbeit.

"Die wollen wissen, wo es spielt und wann es rauskommt." Todd Howard muss nicht lang überlegen, was Fans und Journalisten über "The Elder Scrolls VI" am liebsten wissen würden. Er weiß, wie die Branche tickt, seit 25 Jahren leitet er für die US-Firma Bethesda die Entwicklung von Blockbuster-Rollenspielen. Er ist der Mann hinter "Elder Scrolls V: Skyrim", das sich seit 2011 mehr als 30 Millionen Mal verkauft hat.

Am vergangenen Sonntag hat Bethesda der Welt eröffnet, dass es an "Elder Scrolls VI" arbeitet, mit einem 30-Sekunden-Video, das auf YouTube mehrere Millionen Abrufe hat. Ja, wir sind dran, das war die Botschaft - aber auch nur das.

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"Ich denke, die Fans wollen eigentlich immer alles wissen", sagt Howard drei Tage später auf der Spielemesse E3. "Aber sie wollen auch, dass der Moment, in dem sie etwas erfahren, besonders ist." Soll heißen: Für Details zum neuen "Elder Scrolls", das vermutlich nicht allzu bald erscheint, war die Zeit noch nicht reif.

Todd Howard

Todd Howard

Foto: Kevork Djansezian/ REUTERS

Bethesda steht dieser Tage vor denselben Fragen wie viele Spielefirmen, deren Branche Milliarden umsetzt: Wann verraten wir, woran wir arbeiten? Wie können wir Hype aufbauen, der nicht in Wartefrust umschlägt, sondern Vorbestellungen bringt? Und: Wie schaffen wir es in Zeiten der Online-Leaks, selbst diejenigen zu sein, die etwas publik machen?

Ein Genie, bekannt durch "Metal Gear"

Eine Messehalle von Howard entfernt sitzt Hideo Kojima, wie Howard eine Branchenlegende, die den Begriff sofort kommentiert: "Branchenlegende heißt nur, dass ich alt bin."

Kojima gilt als Genie, er beherrscht die Stilmittel von Games, aber auch die des Films meisterhaft. Lange Jahre hat er Konamis Spielereihe "Metal Gear" geprägt, 2015 dann verließ Kojima das Unternehmen und baute ein eigenes Studio auf.

Dessen erstes Spiel, "Death Stranding", erscheint für Sonys Playstation 4 - wann, ist unbekannt. Zum Spiel existieren bisher vor allem schicke, inhaltlich schwer zu durchdringende Trailer, mit einer Figur, die Schauspieler Norman Reedus nachempfunden ist und die ein Baby bei sich trägt.

"Death Stranding" von Hideo Kojima

"Death Stranding" von Hideo Kojima

Foto: Kojima Productions

Auch zwei Jahre nach seiner ersten Ankündigung ist Kojimas Spiel das größte Mysterium der Branche. Das eigentliche Rätsel sei, ob "Death Stranding" 2020 oder 2023 herauskomme, scherzt man online angesichts der spärlich vorhandenen Informationen.

Hideo Kojima sagt, angenehm sei es nicht, solche Sprüche zu lesen - zumal er sie nicht gerechtfertigt findet: "Ich habe diesmal von null angefangen. Ich musste ein Team zusammenstellen, eine Engine fürs Spiel finden, und wir hatten anfangs nicht einmal eigene Büros." Es dauere alles gar nicht so lange, wie manche Leute das darstellen.

Hideo Kojima

Hideo Kojima

Foto: ROBYN BECK/ AFP

"Wir arbeiten so hart"

Bethesdas Todd Howard sagt, wer mit seinen Titeln Zeit verbringe, habe jedes Recht, sich online über Dinge darin zu beschweren. Wirklich ärgern würde es ihn nur, wenn jemand sein Studio als 'faul' bezeichne: "Wir arbeiten so hart. Sag was du willst, aber sag nicht, dass wir faul sind."

Zuletzt arbeitete Bethesda vor allem an "Fallout", der neben "Elder Scrolls" zweitbekanntesten Reihe des Studios. 2015 kam "Fallout 4" raus, für November steht mit "Fallout 76" ein neues Online-Multiplayer-Spiel in diesem Universum an - erstmals erkundet man die Postapokalypse-Welt nicht mehr allein.

Bethesda hat das Projekt mehr als vier Jahre erfolgreich geheim gehalten, vor zwei Wochen erschien das erste offizielle Teaser-Video. "Jeder von außen, der mit so einem Projekt zu tun hat, kennt es nur unter einem Codenamen", sagt Todd Howard: "Und taucht ein Codename irgendwo auf, wissen wir, wo die undichte Stelle war, denn wir geben verschiedene Namen raus."

"Tausend Fragen"

Neben der Geheimhaltung scheint für Bethesda das Erwartungsmanagement wichtig. "Wir wissen, dass das für euch alle neu ist, dass es für uns selbst neu ist - ein bisschen beängstigend", sagte Todd Howard, als er "Fallout 76" am Sonntag erstmals detaillierter vorstellte.

Er wisse, sagte er den Fans, dass sie jetzt, bei Schlagwörtern wie Online, Multiplayer und Survival, "tausend Fragen" haben - daher würde er die wichtigsten nun beantworten. Howard referierte an diesem Abend über vieles, von der Größe der Spielwelt bis zum Geschäftsmodell hinter "Fallout 76" (mehr in der Fotostrecke).

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Online-Rollenspiel: Das ist "Fallout 76"

Foto: Bethesda

Gern macht Howard so etwas nicht. Er hasse auch "Factsheet-Interviews", sagt er, Gespräche, in denen er nur zu Details des Spiel befragt wird. Und eigentlich ist Howard auch kein Freund davon, Spiele so früh anzukündigen wie "Elder Scrolls VI": "Mein absolutes Wunschszenario wäre: Hier ist ein Trailer - ab morgen erhältlich", sagt er. Allein durch die Struktur des Handels sei das bei großen Spielen wie "Elder Scrolls" aber unrealistisch.

Warum aber wurde der sechste Serienteil genau jetzt angekündigt? Wäre ein Online-"Fallout" neben zwei weiteren frisch enthüllten Projekten - einem "Elder Scrolls"-Mobilspiel und dem Sci-Fi-Titel "Starfield" - für die Fans zu viel Ungewohntes auf einmal gewesen? Da sei etwas dran, sagt Howard. "Es ist gut für uns, dass wir sagen können: Wir machen weiter diese Dinge, die ihr von uns wollt."

Als wenn man nach dem Mörder fragt

Situationen, in denen seine Kunst auf Daten heruntergebrochen wird, versucht wie Howard auch Hideo Kojima zu entgehen. Fragen, die er nicht mehr hören will, sind etwa: Wie lang geht "Death Stranding"? Und: Was ist die Geschichte, was passiert im Spiel?

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Zur Länge müsse man nicht den Macher befragen, das könne auch jemand aus der PR-Abteilung beantworten, sagt Kojima. Und die andere Frage sei, "als würdest du fragen, wer in einem Kriminalroman der Mörder ist".

Am liebsten wäre es Kojima wohl, die Fans würden seine Spiele spielen, ohne zu wissen, was auf sie zukommt. Man sei in einer Ära, in der Menschen sofort Antworten haben wollten, sagt er. Leute würden sich gegenseitig Fragen stellen wie "Macht das Spaß, oder macht es keinen?" - dabei sei die Antwort an sich nicht wichtig. "Es ist wie in der Mathematik", sagt er. "Entscheidend ist, wie du zu der Antwort gekommen bist."

Spielszene aus "Death Stranding"

Spielszene aus "Death Stranding"

Foto: Kojima Productions

Kojima sagt, er verfolge, was in den sozialen Medien geschrieben wird. Er schätze es, durchs Netz immer wieder Feedback zu seinen Ideen zu bekommen.

"Meine grundlegende Motivation, Dinge zu erschaffen, sind immer die Fans", sagt er. "Ich will sehen, wie die Leute auf das reagieren, was ich tue. Es ist kein Kunstwerk, bei dem ich nur etwas tue, um mir selbst zu gefallen."

Allzu berechenbar will er nicht sein: "Würde ich nur machen, was die Leute erwarten, könnte das im Grunde jemand anderes als ich machen." Im Idealfall würden die Leute bei einem neuen Spiel später sagen: "Das ist anders, das ist interessant."

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