"Der Marsianer VR" im Test Kartoffeln sortieren auf dem Mars

In einem Virtual-Reality-Erlebnis zum Film "Der Marsianer" arbeitet ein gestrandeter Astronaut an seiner Rückkehr in die Zivilisation. Der Blick ins All fasziniert, doch das Spiel hat einen großen Haken.

The Martian

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Da bin ich schon mal als Astronaut auf dem Mars - und was muss ich machen? Kartoffeln sortieren. Naja, zumindest sitze ich in einer Raumstation, während ich eine der Aufgaben im Virtual-Reality-Erlebnis "Der Marsianer - Rettet Mark Watney" erledige. Die Erfahrung wird seit langem erwartet, jetzt ist sie zunächst für Playstation VR und die HTC Vive erschienen.

Als gestrandeter Botaniker muss ich in der Rolle des Mark Watney mehrere auffallend kurze Missionen erfüllen, um den unwirtlichen roten Planeten wieder in Richtung Menschheit verlassen zu können. Das ist in "Der Marsianer" eine Aufgabe, die sich in 20 Minuten erledigen lässt.

Die einzelnen Missionen sind zwar abwechslungsreich, aber nicht sonderlich fordernd oder komplex. Was "Der Marsianer" interessant macht, ist vielmehr der Blick auf die karge Marslandschaft und das funkelnde Weltall.

Einmal Matt Damon sein

Die Grundgeschichte mag Kinogängern bekannt vorkommen, und sie ist es auch: Das Spiel ist ein Spin-off zum gleichnamigen Films von Ridley Scott, der auch die VR-Erfahrung produziert hat. Der Film wiederum ist eine Adaption von Andy Weirs Weltraumroman "Der Marsianer".

Auf der Kinoleinwand wird der einsame Marsianer Watney von Matt Damon gespielt. Die Nasa-Mission Ares 3 hat ohne Watney den Planeten verlassen. Er ist auf sich allein gestellt und muss mit dem wenigen arbeiten, was er hat, um seiner Crew ein Lebenszeichen zu senden und eine Rettungsmission anzustoßen.

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"Der MarsianerVR": So sieht es auf dem Mars aus

Als hemdsärmeliger Botaniker macht sich Watney auch im Film erst mal an die Kartoffelzucht auf dem Mars, da bleibt das Spiel nahe am filmischen Vorbild. Was Matt Damon kann, kann ich schon lange, also werfe auch ich Kartoffeln in die vorgesehenen Bottiche. Das VR-Spiel streut auch einige Filmszenen ein, um Watneys Aufgaben in Kontext zu setzen.

Faszinierender Blick ins All

Neben dem Kartoffel-Sortieren in der Raumstation gibt es auch ungewöhnlichere Aufgaben zu bewältigen: Als Watney muss ich zum Beispiel ein Mars-Auto über eine steinige Mond- beziehungsweise Marslandschaft in Richtung Raumschiff steuern und einen Zylinder mit radioaktivem Material bergen.

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Zukunftstechnik: Was ist Virtual Reality?

Mit Hilfe eines Krans hieve ich in einer weiteren Mission Solarzellen auf einen Laster. Die Move Controller der Playstation 4 sind in dieser Szene dazu da, den Kran zu bedienen - die Hand-Steuerung macht einen großen Teil des Reiz des Spiels aus.

Sand wirbelt nach oben, es pfeift mir um die Ohren. "Ein Sandsturm ist im Anmarsch", warnt mich eine Stimme aus dem Funkgerät, nachdem sie mir erklärt hat, wie ich den Kran lenke. "Die Solar-Panels dürfen nicht kaputt gehen." Ja, vielen Dank, Funkstimme. Werd' du doch mal allein auf dem Mars zurückgelassen. No pressure.

20 extrem teure Minuten

Der Raumschiff-Start von der Marsoberfläche entlohnt mich zumindest optisch für meine Mühen. Ich sehe, wie der Planet hinter mir zurückbleibt, die Schwerkraft schwindet. Schrauben schweben vor mir durch die Luft, schade, dass ich sie nicht greifen kann. Der Blick nach oben aus einer Luke zeigt dafür das unendlich weite Weltall.

Vorher auf dem Mars, als ich noch mit Händen Geröll weggeschaufelt habe, war der Blick in den Sternenhimmel auch schon ein bedeutender Ablenkungspunkt, eingerahmt von den Rändern meiner kugeligen Astronautenhaube. Auch der Blick in die Ödnis auf dem Mars fesselt den Spieler.

Wie eine Fata Morgana erheben sich die Zeichen menschlicher Zivilisation, das Raumschiff zum Beispiel, aus dem Dunst vor mir. "Der Marsianer" besticht vor allem durch seine Optik, weniger durchs Spiel an sich.

Das Problem: Für eine schöne Optik gepaart mit einer relativ dünnen Handlung will die Filmfirma hinter dem Blockbuster und dem VR-Erlebnis vergleichsweise viel Geld. Als kostenlose Beigabe zum Film wäre "Der Marsianer VR" definitiv empfehlenswert. 20 Euro aber ist ein happiger Preis, für jede Spielminute muss man ungefähr einen Euro zahlen. Da überlegt man sich vielleicht doch, lieber auf der Erde zu bleiben.


"Der Marsianer - Rettet Mark Watney: Die VR-Erfahrung" von Twentieth Century Fox Film Corporation. Für HTC Vive, Playstation VR (Move-Controller vorausgesetzt, Testgerät für diesen Test), bald auch für Oculus Rift. 20 Euro.



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metzelkater 22.11.2016
1. Virtual Reality: teure Minispiele zum Maxipreis!
Der Marsianer ist eine so genannte Virtual Reality Erfahrung und zugleich ein gutes Beispiel für die Probleme der neuen Technik. Es ist einfach niemand bereit, ordentlich in ausreichend umfangreiche Software für die virtuelle Realität zu investieren und Spiele mit einer Akzeptablen Spieldauer zu entwickeln. Der Begriff "Erfahrung" wird hier als Synonym für ein kurzes Vergnügen missbraucht, der aufgerufene Preis von 20.- Euro ist in meinen Augen für die Spieldauer eine absolute Frechheit. Die geringe Verbreitung von Virtual Reality Headsets wie Playstation VR, Oculus Rift und HTC Vive macht die Entwicklung von Software im Verhältnis zum erwartbaren Umsatz sehr teuer. Daher sparen die Entwickler unter anderem an der Spieldauer. Das Ergebnis sind solche kurzen Minispiele, die dann als Erfahrungen teuer verkauft werden. Die Frage ist nur: Wie soll daraus ein Erfolg werden, wenn es kaum brauchbare Spiele für Virtual Reality gibt und die Kunden obendrein derart enttäuscht werden? Zumindest von den Herstellern der Brillen ist eigentlich zu erwarten, das man diese mit toller Software unterstützt, die einen Vergleich mit Spielen für Monitor und Fernseher nicht zu scheuen braucht. Das sind die Spieler nämlich gewöhnt.
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