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Online-Shooter: Das ist "Destiny 2"

Online-Shooter "Destiny 2" im Test Alles auf null

Aliens besiegen, Belohnungen sammeln, hübsche Kleider anziehen: Der Online-Shooter "Destiny 2" fühlt sich vertraut an - und ist für unseren Autor doch ein Neuanfang. Den Vorgänger hat er 1121 Stunden gespielt.

Sechs Schemen stehen vor einem mechanischen Riesen, emporgestiegen aus einer Techno-Gruft. Zwei einsame Vermummte kauern an einem Lagerfeuer. Dutzende Helden im Schatten einer gigantischen Kugel am Horizont. In der Erinnerung ist ja oft vieles schwarz und weiß. Auch hier.

"Destiny 2" beginnt leise. Mit Gemälden der wichtigsten Momente des ersten Teils. Meiner Momente. Unten in der Bildschirmecke tauchen Namen auf. Mal zwei, mal fünf. Es sind die Menschen, mit denen ich diese Momente geteilt habe. Der Sieg über Atheon im November 2014, der Abstieg ins Prison of Elders im April 2015, der Sieg über den Taken King im Januar 2016 und der Kampf gegen den Maschinengott am Anfang des Jahres. Das Destillat von 1121 Stunden, die ich in der Welt von "Destiny" verbracht habe, verpackt in ein paar Zeichnungen.

Eigentlich wollte ich schnell ein paar Aliens abschießen. Jetzt sitze ich vor dem Bildschirm und muss schlucken. Mit den meisten Menschen, die zu den Namen in der unteren Ecke gehören, habe ich seit Monaten nicht mehr gesprochen. Unter meine Laufbahn als Hüter des Universums hatte ich einen Strich gezogen - und "Destiny 2" zieht einen Strich unter mich.

Alles auf Anfang

Nach der Auswahl meines Charakters sind all die Errungenschaften aus drei Jahren Spiel weggewischt. All die Ausrüstung, Fähigkeiten, Erfahrung. Drei Klassen gibt es, die gleichen wie im Vorgänger. Ein Sci-Fi-Zauberer, der als Heiler fungiert, ein bulliger Titan, der mit einem Schild sich und andere schützen kann. Ich will lieber wieder die Jägerin sein, die von fern Pfeile und Blei und Laserstrahlen auf die Gegner niederregnen lässt.

Im Gegensatz zum ersten Teil nimmt sich Entwickler Bungie diesmal Zeit, mir eine Geschichte zu erzählen. Mir wird erklärt, warum ich alles verloren habe: Die Kabale, bullige Außerirdische, haben die Erde gestürmt, um den mechanischen Halbgott namens Traveler zu kidnappen, der über die Menschheit wacht. Dabei haben sie auch alle meine Sachen kaputt gemacht.

"Trostland"

Ich werde also erneut losgeschickt, um die Welt zu retten - und wieder zu dem übermächtigen Helden zu werden, der ich am Ende von "Destiny" mal war. Auf den ersten Schritten dieser Reise begrüßt mich ein großes Straßenschild. "Trostland" steht darauf, das Autobahnschild daneben verkündet A5 Richtung Graubünden. Die Architektur der Trümmerwelt vor mir hat einen deutschen Einschlag.

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Online-Shooter: Das ist "Destiny 2"

In der Ich-Perspektive laufe ich durch die European Dead Zone, dann reise ich auf den Saturn-Mond Titan, den Planetoid Nessus und den Schwefelmond Io.

Dort schieße ich auf Monster, die ich aus dem ersten Teil kenne, bekomme Ausrüstung, die ich aus dem ersten Teil kenne und steigere meine Fähigkeiten, die ich aus dem ersten Teil kenne. Im Netz hat das Spiel schon vorab viel Spott eingefahren, als "Destiny 1.5". Eine zum Vollpreistitel aufgeblasene Erweiterung, schimpften Internetnutzer. Und trotzdem fühlt sich alles irgendwie neu an.

Nicht alles neu, aber fast alles besser

Viele kleine Verbesserungen (Schnellreisen, mehr Belohnungen, mehr Aktivitäten, mehr Geheimnisse, überarbeitetes Waffensystem, bessere Geschichte, größere Welt) machen das Spiel spielbarer, als sein oftmals sperriger Vorgänger es war.

"Wir haben uns mal mit den Designern von 'Diablo 3' zum Austausch getroffen", hat mir Chefdesigner Mark Noseworthy erzählt. Gute Idee, denke ich, während ich wieder in die Spirale aus Herausforderung und Belohnung hineingezogen werde, die sich "Destiny" mit dem Action-Rollenspiel von Blizzard teilt.

Hörtipp: Der Netzteil-Podcast

Nach dreißig Stunden "Destiny 2" habe ich die Hauptstory und zahlreiche Nebenmissionen durchgespielt, die Welten erkundet und mit anonymen Anderen öffentliche Herausforderungen gemeistert. Jetzt bereite ich meinen Charakter auf die großen Aufgaben vor, die erst nach dem "Ende" des Spiels für mich anstehen. Die Strikes, Missionen für drei eingespielte Helden. Der große Schlachtzug für sechs Spieler, der erst diesen Mittwoch freigeschaltet wird.

Mit Freunden macht es mehr Spaß

Aber mit wem soll ich das machen? Es gibt zwar jetzt auch im Spiel selbst eine Vermittlungsbörse für diese Aktivitäten. Trotzdem: "Destiny 2" ist ein gutes Spiel, aber erst mit Freunden wird es brillant.

Am Ende einer Mission klingelt es an der Tür. Mein Freund Hannes steht da. Er setzt sich in den Sessel und schaut zu, während ich ihm die Spielmechanik erkläre. Als ich zwei Stunden später anfange, für uns zu kochen, hat er sich einen eigenen Charakter erstellt und spielt die erste Mission.

Während er schießt und ich brate, vibriert mein Handy. Nils. Er schreibt: "Hast du schon angefangen 'Destiny 2' zu spielen? Vielleicht wollen wir ja zusammen?" Vor meinem geistigen Auge tauchen drei Schemen auf einem schwarz-weißen Gemälde auf. Ist wohl Schicksal.


"Destiny 2", Multiplayer-Online-Shooter für PlayStation 4, Xbox One und ab 24. Oktober 2017 für PC, ab 16 Jahren, ca. 60 Euro

Hintergrund: Produkttests im Netzwelt-Ressort

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