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Weltraumspiel "Destiny" Lauter Shooterlative

Hunderttausende Spieler gleichzeitig, eine gewaltige Spielwelt, Hunderte Millionen Dollar für die Entwicklung: Am Dienstag startet der Weltraum-Shooter "Destiny" - wohl eines der teuersten Spiele der Geschichte. Halten die Server?

Kein anderes Videospiel wird diesen Herbst mit so viel Spannung erwartet wie der Weltraum-Shooter "Destiny". Der Titel bedeutet übersetzt "Schicksal", und als schicksalhaft könnte sich das Projekt auch für das Entwicklerstudio Bungie erweisen - bekannt durch die enorm erfolgreiche und sehr humorlose "Halo"-Reihe. "Destiny" gilt als eines der teuersten Spiele der Geschichte. Der Chef des Publishers Activision, Bobby Kotick, sprach bei einer Konferenz im April von einer "500-Millionen-Dollar-Wette". Ganz so viel dürfte die Entwicklung des Startpakets dann aber doch nicht gekostet haben.

Die Entwicklungsausgaben lägen "nicht einmal in der Nähe von 500 Millionen", sagte Bungie-Spitzenmanager Pete Parsons vor einigen Monaten dem Branchenportal Gamesindustry.biz . Bislang galt "Grand Theft Auto V" mit einem Budget von 265 Millionen Dollar als teuerstes aller Spiele, aber Kotick bezog in die genannte Summe vermutlich auch Marketing- und Vertriebsausgaben ein - und womöglich die Tatsache, dass "Destiny" als Langzeitprojekt ausgelegt ist: Die Geschichte eines postapokalyptischen Universums, in dem die letzten Menschen ums Überleben kämpfen, soll sich über die kommenden zehn Jahre hinweg weiterentwickeln, mit neuen Inhalten und Enthüllungen.

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Weltraum-Shooter "Destiny": Superlative überall

Foto: Activision

An Ehrgeiz herrscht bei Bungie und Activision kein Mangel, die Manager dort vergleichen "Destiny" schon jetzt mit "Der Herr der Ringe", "Star Wars" und " Harry Potter". "Destiny" soll das erste globale Epos des Videospielzeitalters werden.

Ob das Spiel diesen Anspruch erfüllen kann, konnte bislang niemand wirklich überprüfen - auch die Fachpresse konnte die Spielwelt vor dem offiziellen Start am 9. September stets nur in abgeschlossenen Testbereichen besuchen. Hunderttausende oder gar Millionen Spieler sollen nun gleichzeitig gegen- oder miteinander spielen können. Das Multiplayer-Spiel läuft vorerst nur auf den Konsolen von Microsoft und Sony, Xbox One und 360 und Playstation 3 und 4.

Schon im zweiwöchigen Betatest spielten in der Spitze über 850.000 Spieler gleichzeitig, insgesamt 4,6 Millionen nahmen Bungie zufolge an der Testphase teil. Drei Milliarden Computergegner wurden bereits niedergemacht, 164 Millionen Mal starben von Testern gesteuerte Spielfiguren.

Wenig originelles Szenario

Das Ausgangsszenario kommt Kennern der Branche bekannt vor: Das Sonnensystem ist von mächtigen und sehr bösartigen Aliens überrannt worden, auf der Erde gibt es eine letzte Menschenstadt, verteidigt von den sogenannten Hütern. Der Spieler schlüpft in die Rolle eines dieser Hüter, der auf der Erde, dem Mond, dem Mars und anderen Planeten die Menschheit gegen die Eindringlinge verteidigen muss. Garniert ist das Ganze mit einer mysteriösen Hintergrundgeschichte über eine Riesenkugel namens "Der Reisende", die der Menschheit einst Zugang zu neuen Technologien verschaffte, sich dann aber den Mächten der Dunkelheit opfern musste, um die Menschheit zu retten.

Was bislang von der Spielwelt zu sehen und zu erkunden war, sieht für ein Onlinespiel in der Tat atemberaubend aus. Bungie hat weite Landschaften erschaffen, mit dramatischen Lichtstimmungen, halbzerstörter Science-Fiction-Architektur und leuchtenden Planeten am Horizont. Die Spielertypen, "Jäger", "Titane" und "Warlocks", entsprechen funktional Standardfiguren aus der Rollenspielwelt, lassen sich aber mit einer unüberschaubaren Vielfalt an Einstellungen ganz den Wünschen der Spieler anpassen. Das ist deshalb wichtig, weil "Destiny" eben auch ein Ort der sozialen Interaktion sein soll, wie jedes Online-Rollenspiel: der Avatar eines Spielers ist seine Visitenkarte, sein Gesicht in der Spielwelt.

Dabei sieht der Spieler seine eigene Figur nur in wenigen Ausnahmefällen: Die Mechanik von "Destiny" ist die eines klassischen Ego-Shooters, die Standardperspektive ist der Blick über den Lauf der eigenen Waffe. Doch die Verfeinerung der eigenen Spielfigur, der Ausbau des Waffenarsenals und die Betonung auf einer übergeordneten, epischen Geschichte erinnern an Titel wie " World of Warcraft" oder "Star Wars: The Old Republic".

Die Spieler können sich allein durch die Haupthandlung des Spiels schießen, gemeinsam mit Freunden oder ihnen durch ein Matching-System zugeteilten Partnern bestimmte Aufgaben erledigen oder sich in speziellen Player-versus-Player-Ereignissen mit anderen Spielern messen. All das müssen Hunderttausende gleichzeitig tun können, die Bewegungen all ihrer Spielfiguren und der computergenerierten Gegner müssen über das Netzwerk hinweg synchronisiert werden. "Destiny" ist nicht zuletzt eine technische Herausforderung - es bleibt abzuwarten, ob auch die ersten Server-Crashes episch werden.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels war zu lesen, "Destiny" liefe auf den aktuellen Konsolen von Sony und Microsoft, es gibt jedoch auch Versionen für Playstation 3 und Xbox 360. Wir bitten, diesen Fehler zu entschuldigen.

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