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Zeitreise nach Deutschland: So sieht es in "Trüberbrook" aus

Foto: Headup Games

Deutscher Computerspielpreis "Trüberbrook" räumt doppelt ab

In Berlin sind die besten Videospiele des Jahres ausgezeichnet worden. Der Hauptpreis ging an das Adventure "Trüberbrook", das ins Deutschland der Sechzigerjahre entführt. Das erzählt viel über die Branche.

"Trüberbrook" ist das beste deutsche Videospiel 2019, meint die Jury des Deutschen Computerspielpreises (DCP). Das Point-and-Click-Adventure mit seinem ungewöhnlichen Grafikstil ist am Dienstagabend im Berliner Admiralspalast als "Spiel des Jahres" sowie in der Kategorie "Beste Inszenierung" ausgezeichnet worden. In "Trüberbrook" steuert man einen Quantenphysiker durch eine idyllisch-irre Dorfwelt, die mit Klischees über das Deutschland der späten Sechzigerjahre spielt.

Hinter dem Spiel für Windows, Mac und Linux, das am 17. April auch für Spielkonsolen erscheint , steckt ein kleines Studio in Berlin, das zur bildundtonfabrik gehört. Die wiederum sitzt in Köln und ist verantwortlich für Fernsehproduktionen wie Jan Böhmermanns "Neo Magazin Royale". Die Macher von "Trüberbrook", denen eine Kickstarter-Kampagne bei der Spielfinanzierung half, erhalten insgesamt 150.000 Euro Preisgeld.

In der Hauptkategorie setzte sich ihr Werk gegen das Buchstaben-Physik-Rätselspiel "supertype" von Kamibox sowie gegen "Unforeseen Incidents" von Backwoods Entertainment durch. Letzteres Spiel gewann einen Preis in der Kategorie "Bestes Jugendspiel" - und ist ebenfalls ein Point-and-Click-Adventure.

Interessante Optik, altbewährtes Spielprinzip

Diese Erfolge sagen etwas über die deutsche Videospielbranche aus: Als Vorzeigetitel gelten hier 2019 zwei Games, die zwar beide eine interessante Optik bieten: "Unforeseen Incidents" setzt auf handgezeichnete Kulissen, "Trüberbrook" auf mittels Fotogrammetrie ins Spiel übertragene Miniaturkulissen. Aber beide sind keine Blockbuster, sondern eher etwas für Liebhaber des Genres. Hinzu kommt, dass sie, was das eigentliche Gameplay angeht, kaum etwas wagen.

Point-and-Click-Adventures sind seit den Achtzigerjahren hierzulande ein beliebtes Genre voller Klassiker. Und vor allem "Trüberbrook" musste sich von vielen Testern den Vorwurf gefallen lassen, bei Spielablauf sowie Rätsel-Design eher zu enttäuschen. Neben der Optik ist an dem Spiel immerhin sein Szenario interessant, für deutsche Spieler und damit auch Juroren: die deutsche Provinz.

In der Branche gibt es Erklärungen dafür, warum es Spielen aus Deutschland - ähnlich wie es lange bei Fernsehserien der Fall war - noch immer schwerfällt, sich mit der weltweiten Konkurrenz zu messen. Verwiesen wird darauf, dass nur wenige deutsche Studios Budgets haben, wie sie für Blockbuster mit internationaler Durchschlagskraft nötig wären. Etwas Hoffnung macht manchem der Games-Fonds der Bundesregierung, der im November 2018 auf den Weg gebracht wurde.

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Foto: Rockstar Games

Preise für "Laika" und "see/saw"

Innovative Projekte mit Potenzial finden sich in den Gewinner- und Nominiertenlisten des Computerspielpreises aber durchaus. Auszeichnungen samt Preisgeld gingen am Dienstagabend noch an die Macher der Games "see/saw" (Kamibox, "Bestes mobiles Spiel") und "Laika" (Mad About Pandas, "Bestes Kinderspiel"). Das Virtual-Reality-Spiel "Tower Tag" von den VR Nerds hat in den Augen der Jury das "beste Gamedesign" und ihr Preis für "Beste Innovation" ging diesmal nicht an ein Spiel, sondern an "Bcon - The Gaming Wearable" von CapLab.

Nachwuchspreise erhielten die Projekte "Elizabeth", "AnotherWhere" und "Meander Book" der HTW Berlin sowie "A Juggler's Tale" (Filmakademie Baden-Württemberg), "Orbital Bullet" (SRH Hochschule Heidelberg) und "Sonority" (HdM Stuttgart).

"State of Mind" ist kein klassisches "Serious Game"

"State of Mind"

"State of Mind"

Foto: Daedalic

Als "bestes Serious Game" wurde auch noch "State of Mind" von Daedalic Entertainment prämiert. Das Spiel, das im Berlin des Jahres 2048 spielt, dürfte jenseits der Berliner Gala allerdings kaum jemand als "Serious Game" verstehen, also als eine Art Lehr- oder Aufklärungsspiel.

Undotierte Preise erhielten die Macher bekannter Spiele aus dem Ausland wie "Thronebreaker: The Witcher Tales", "God of War", "Read Dead Redemption 2" und "Super Smash Bros. Ultimate". Ein Sonderpreis der Jury wurde an das Indiegame-Festival "A MAZE." verliehen, das vom 10. bis 13. April in Berlin stattfindet .

Ausgerichtet wird der Computerspielpreis von der Bundesregierung - vertreten durch die Staatsministerin für Digitalisierung, Dorothee Bär, und das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur - sowie dem Spielebranchenverband game. Von den Veranstaltern heißt es, die Auswahlkriterien für die nominierten oder ausgezeichneten Spiele seien "Spielspaß und Unterhaltung, die künstlerische Qualität, der Innovationscharakter oder der pädagogisch-didaktische Wert".

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