"Nächste mediale Stufe" Marbacher Literaturarchiv sammelt künftig Videospiele

Eine bedeutende Kulturinstitution öffnet sich Videospielen: Das Deutsche Literaturarchiv Marbach will sich fortan auch Games widmen, wenn sie "in hohem Maße Erzählstrukturen enthalten".

"State of Mind", ein storylastiges Spiel aus Deutschland (Symbolbild)
Daedalic

"State of Mind", ein storylastiges Spiel aus Deutschland (Symbolbild)


Das Deutsche Literaturarchiv Marbach bei Ludwigsburg sammelt künftig auch Computerspiele. "Es handelt sich um die nächste mediale Stufe von Literatur", sagte die neue Direktorin des Archivs, Sandra Richter, der "Augsburger Allgemeinen"."Früher gab es Dramen auf der Bühne, dann kam der Film, jetzt gibt es Computerspiele - das sind Wandlungsformen von Erzählungen."

"Computerspiele haben zudem die Eigenschaft, dass sie den Spieler als Mit-Akteur einbeziehen", betonte Richter im Interview mit der Zeitung, "als einen, der nicht nur rezipiert, sondern etwas tut." Das sei etwas Neues, "und wir müssen lernen, dieses Neue zu beschreiben".

Das Literaturarchiv will Richter zufolge nicht jedes Computerspiel verwahren, "wohl aber die, die in hohem Maße Erzählstrukturen enthalten". Auch früher habe man nicht nur gelesen, sondern ebenfalls gespielt, sagte Richter: "Goethe beispielsweise hat das Gänsespiel gespielt und darüber gedichtet. Heute erfüllen Computerspiele ähnliche Funktionen." Das Gänsespiel ist ein in Europa weit verbreitetes Brettspiel.

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Im 1955 gegründeten Deutschen Literaturarchiv in Marbach am Neckar werden literarische und philosophische Werke verwahrt, die seit 1750 erschienen sind. In rund 44.000 Archivkästen ruhen mehr als 1000 Nachlässe, Sammlungen von Schriftstellern oder Übersetzern, dazu Archive von Verlagen und Redaktionen. Die Bibliothek ist nach offiziellen Angaben mit rund einer Million Bänden die größte Spezialsammlung zur neueren deutschen Literatur.

Lesetipp aus dem Archiv

mbö/dpa



insgesamt 1 Beitrag
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Seite 1
benmartin70 28.02.2019
1.
Finde ich gut. Was dazu aber die ewig gestrigen sagen die in Computerpsielen immer noch den Abgrund der Unkultur und den Untergang des Abendlandes sehen...? Frei nach Schiller: Der Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des Wortes Mensch ist, und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt.
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