20 Jahre "Die Sims" Es war einmal das Digitalleben

Häuser bauen und darin den Alltag meistern: Die Simulation "Die Sims" zählt zu den bekanntesten Games überhaupt. Hier erzählen zwei langjährige Spieler, warum die Reihe sie bis heute fasziniert.
"Die Sims"-Spielwelt von Fiona: Dieses Tropenparadies ist für sie perfekte Eskapismus

"Die Sims"-Spielwelt von Fiona: Dieses Tropenparadies ist für sie perfekte Eskapismus

Foto: Electronic Arts

"Die Personen-Simulation vom Schöpfer von 'Sim City'": Mit diesem Spruch auf dem Karton ist 2000 der erste Teil von "Die Sims" in die Läden gekommen. 20 Jahre später sind längst die "Sims" die bekanntere Marke, aus der Reihe wurden 200 Millionen Spiele verkauft. Und noch immer erschaffen unzählige Spieler in "Die Sims" eigene Häuser und Familien. Spielen Leben, Berufe, Identitäten durch. Lassen vielleicht auch mal einen Sim grausam im Pool verenden.

Mit "Die Sims" feierte das Genre der Lebenssimulation seinen Durchbruch. Der Erstling hat eine Spielart etabliert, die in etlichen Serienablegern weitergetrieben wurde und die auch viele andere Spiele beeinflusst hat. Seinen Ursprung hatte "Die Sims" dabei tatsächlich in "SimCity" aus dem Jahr 1989: In diesem Spiel konnten Spieler Städte bauen und managen. In "Die Sims" standen später die Bewohner von Städten und ihr jeweiliges Zuhause im Mittelpunkt.

Was aber ist der Reiz dieses Mikromanagements? Warum wollen Spieler auch noch am Rechner oder an der Konsole mit den Sorgen des Alltags konfrontiert werden? Im Folgenden erzählen zwei Fans der Serie, warum sie seit vielen Jahren "Die Sims" spielen.

Fiona, 28, Social-Media-Managerin: "Gestorben ist noch nie einer"

"Zwei meiner Grundschul-Freundinnen hatten das erste 'Die Sims'. Damals war ich ungefähr zehn und ständig bei ihnen zu Besuch, damit wir an ihrem Familien-PC spielen konnten. Das war gar nicht so einfach: Andauernd war der PC besetzt, oder uns wurde gesagt, dass wir schon zu lange spielen. Aber für uns war das einfach die größte Freude. Ein Jahr später haben mir meine Eltern das Spiel geschenkt.

Damals wie heute baue ich am liebsten Häuser. Sims zu erstellen und Familien aufzubauen fand ich immer eher lästig – lieber verbringe ich Stunden damit, die richtigen Möbel an die richtigen Stellen zu setzen. Meine Sims werden nicht alt, gestorben ist noch nie einer. Bevor das passieren kann, arbeite ich schon wieder am nächsten Haus. In der Grundschulzeit haben wir immer den Geld-Cheat benutzt, um uns die größten Häuser bauen zu können.

Ich erinnere mich noch gut daran, als meine Freundinnen und ich zum ersten Mal den Trailer für 'Die Sims 2' gesehen haben. Wir waren total aufgeregt, das sah so viel besser aus. Den Trailer haben wir uns dann noch Dutzende weitere Male angeschaut; das Spiel hatten wir alle, kurz nachdem es dann erschienen war. Das war dann das wichtigste Thema für die nächsten Wochen.

Fiona verbringt viel Zeit damit, ihre Häuser bis ins kleinste Detail zu dekorieren

Fiona verbringt viel Zeit damit, ihre Häuser bis ins kleinste Detail zu dekorieren

Foto: Electronic Arts

Eine wichtige Neuerung von 'Die Sims 2' war, dass man die Kamera frei bewegen konnte. So habe ich mir meine frisch gebauten Häuser dann aus jeder erdenklichen Position angeschaut, habe rangezoomt und die Animationen der Sims beobachtet. Und mit 'Die Sims 3' kamen so viele Gestaltungsmöglichkeiten für Häuser dazu, dass die Zeit, die ich mit dem Bauen verbracht habe, ins Exorbitante wuchs.

'Die Sims 4' mache ich heute mindestens einmal die Woche an. Diesen Teil habe ich mir nicht zum Start gekauft, ich hatte Let’s-Play-Videos gesehen und gedacht, dass das Spiel unfertig aussieht. Aber nach einigen Updates habe ich es mir dann doch gekauft, heute besitze ich alle Erweiterungen. Besonders gefällt mir die tropische Inselwelt. Das hat Urlaubsflair. 'Die Sims' ist für mich auch heute noch die schönste Art des Eskapismus."

Milan, 20 Jahre alt, Student: "Wir konnten uns da richtig rein vertiefen"

"Ich spiele nun schon seit gut zehn Jahren 'Die Sims'. Das hat mehrere Gründe: Ich komme aus einer Familie mit geringen finanziellen Mitteln. 'Die Sims' gab mir die Möglichkeit, luxuriöse Häuser zu bauen. So konnte ich mir ein Leben mit Pool, schicker Einrichtung, allen technischen Finessen vorstellen. Als ich 13 war, habe ich mir einen Sim gebaut, der zur Uni geht. Das war immer mein Ziel, zu studieren.

Ich bin ein Transmann. Das Spielen war sicherlich nur ein kleiner Teil des Erkundens meines Geschlechts, aber unwichtig war es nicht. So habe ich mir einen männlichen Sim erstellt und gemerkt, dass das echt etwas hat. 'Die Sims' war für mich immer auch ein Ausprobieren von Identitäten.

Szene aus dem Spiel von Milan: Er spielt seit gut zehn Jahren "Die Sims"

Szene aus dem Spiel von Milan: Er spielt seit gut zehn Jahren "Die Sims"

Foto:

Electronic Arts

Mit 15 hatte ich eine gute Freundin, wir waren beide in den gleichen Typen in der Schule verknallt. Zu Hause haben wir eine 'Sims'-Familie erstellt und ihn, nachdem wir ihn im Editor entworfen hatten, da reingesetzt. Wir haben Stunden damit verbracht, diese Familie zusammen zu entwickeln. Haben uns getroffen und gemeinsam vorm Laptop gesessen. Wir konnten uns da richtig rein vertiefen.

Besonders gefreut hat es mich, als 2016 die Geschlechtergrenzen im Editor von 'Die Sims 4' aufgehoben wurden. Nun kann ich unabhängig vom Geschlecht entscheiden, wer Kinder bekommt oder wer im Stehen pinkelt. Ich habe mich dann auch selbst nachgebaut – so wie ich gern sein würde. Das hat einige Stunden gedauert.

Heute wohne ich mit meiner festen Freundin zusammen. Wenn der Tag rum ist, spielen wir noch immer gern 'Die Sims' - die Version für die Playstation 2, in der es einen Splitscreen-Modus gibt. Dann sitzen wir zusammen auf der Couch, mit den Controllern in der Hand. Das ist richtig entspannend. Und es gibt uns die Möglichkeit, verschiedene Menschen zu erstellen und sie in einem großen Haus zusammenkommen zu lassen, als soziales Experiment."