"Doom Eternal" Splatter der Spitzenklasse

Retro, ohne in der Vergangenheit zu schwelgen: "Doom Eternal" bedient sich bei seiner eigenen Geschichte und weist trotzdem weit nach vorn.
Die nicht ganz verlassene U-Bahn: Warum nicht? Funktioniert ja immer noch als Gruseleffekt

Die nicht ganz verlassene U-Bahn: Warum nicht? Funktioniert ja immer noch als Gruseleffekt

Foto: Bethesda

Die Erde wird von Dämonen überrannt, Höllenpriester haben die Macht über große Landstriche übernommen, das Ende ist nahe. Oder so ähnlich. Weil: Was genau eigentlich in "Doom Eternal" die Geschichte ist, ist eher unwichtig. Wichtig ist nur, dass es einen Mann gibt, der sich den Horden entgegenstellt und sie wieder in die Hölle zurückschießt: Der Doom Slayer, oder schlicht: Doomguy. Was eine selten dämliche Bezeichnung für einen Protagonisten ist, aber "Doom" hat sich noch nie um höhere kulturelle Weihen beworben. Im Gegenteil.

"Doom" war immer laut, geschmacklos und brutal. Schon seit 1993. Seit id Software mit dem Titel eines der markantesten Genres der Videospielgeschichte populär machte: First-Person-Shooter, oder wie man auf Deutsch so schön sagt: Ego-Shooter. Es hat Eltern und Jugendschützer entsetzt, Spieler erschreckt und ist damit zur Legende geworden. Was nicht möglich gewesen wäre, wenn "Doom" nicht auch immer technisch an der Spitze des Möglichen und Machbaren gewesen wäre. John Carmack und Mitstreiter wie John Romero, die damals in Texas ein kleines Studio gründeten, sind nicht umsonst zu den prominentesten Spieleentwicklern überhaupt geworden. Keiner der Gründer ist mehr im Studio, viele sind im Streit gegangen, aber der Anspruch an sich selbst ist weiterhin hoch.

Technisch ist "Doom Eternal" eines der besten Spiele, das man zurzeit kaufen kann. Es sieht großartig aus und spielt sich sehr schnell. Die einzelnen Level sind in große Kampfareale aufgeteilt, in denen man gegen die verschiedensten Dämonen der Hölle antritt, sie mit der Schrotflinte wegschießt, mit der Kettensäge zerteilt oder ihnen den Kopf in den Hals rammt. Das ist so splattercomichaft, dass man es nicht ernst nehmen kann, für Nichtsahnende kann es trotzdem extrem verstörend aussehen. Aber wer spielt schon nichts ahnend "Doom"?

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"Doom Eternal": Lebensbejahend ist hier nicht viel

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Man rennt, lässt sich durch die Luft katapultieren, weicht aus, berechnet, wie viel Munition, wie viel Gesundheit man noch hat, und plant so seinen nächsten Angriff. Fast instinktiv. Schießt auf einen Dämon und hofft, dass er zu blinken beginnt. Dann nämlich hat man die Chance, ihn besonders schön zu erledigen und dadurch neue Munition oder Gesundheit zu bekommen - und einen kleinen Moment zum Durchatmen.

Das alles galt so ähnlich schon für den Vorgänger, den 2016 erschienenen und schlicht "Doom" genannten Reboot der Serie. Was auch id Software gemerkt und deshalb neue Elemente eingebaut hat. Immer wieder gibt es Kletterabschnitte, in denen man die Wege zwischen einzelnen Arealen zurücklegt. Das ist letztlich eine ziemlich überflüssige und zudem nicht sonderlich gut umgesetzte Mechanik, die eher nervt als Spaß macht. Noch schlimmer ist das - zum Glück nur sehr selten geforderte - Schwimmen, in dem man sich zwei Jahrzehnte in der Spieleentwicklung zurückgesetzt fühlt.

Allerdings sind das nur kleine Macken in einem ansonsten hervorragenden Spiel, das Ego-Shooter zwar nicht neu erfindet, aber eine sehr gute Idee davon gibt, was an dem Genre noch immer aufregend ist. Es reduziert den Thrill auf Schießen, Rennen und Ausweichen. Und verstört hauptsächlich damit, dass ein Spiel noch heute auf Schockoptik setzt - und damit durchkommt.

"Doom Eternal" - Preis: ca. 60 Euro - erscheint am 20. März für Playstation 4, Nintendo Switch, Xbox One, Google Stadia und Microsoft Windows.

Hinweis: Der Protagonist "Doomguy" wird offiziell Doom Slayer genannt, wir haben die Information ergänzt.