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04. Mai 2011, 15:25 Uhr

"Duke Nukem Forever"

Die Rückkehr des Schürzenjägers

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Dumpfe Gewalt und nackte Haut: Der Spieleheld Duke Nukem soll nach 15 Jahren Pause bald wieder losziehen, um die Welt vor bösen Aliens zu bewahren. Das Spiel zelebriert einen rauen Rambo - sein gestriger Sexismus sorgt schon jetzt für Empörung.

Der Duke thront über allem, die blonden Haare zum Bürstenschnitt rasiert, den Patronengurt über die Brustmuskeln gespannt. Zu seinen Füßen räkeln sich zwei Mädchen in Schuluniformen. Seine Markenzeichen: Er pinkelt immer im Stehen, zerdrückt rülpsend Bierdosen, reißt Aliens die Köpfe ab und raucht dabei Zigarren. Die Rede ist von Duke Nukem, dem wohl bekanntesten Pixel-Macho und Hauptdarsteller Kult gewordener PC-Spiele. Sein letzter großer Auftritt liegt bereits 15 Jahre zurück, doch nun soll die Videospiel-Ikone der neunziger Jahre auf den Bildschirm zurückkehren.

Und das tut er zwar technisch kräftig aufpoliert, ansonsten reichlich gestrig: Schon vor der Veröffentlichung der "Duke Nukem Forever" genannten Neuauflage des Spieleklassikers sorgt der darin zelebrierte Sexismus für Aufregung. Aus dem Trailer und ersten veröffentlichten Spielszenen wird klar, dass sich der alte Macho offenbar ständig mit barbusigen Frauen umgibt. Besonders umstritten ist ein "Capture the Babe" genannter Mehrspielermodus, dessen Ziel es ist, eine Frau des gegnerischen Teams zu entführen und ins eigene Lager zu bringen.

Der Stein des Anstoßes: Wenn das auf dem Rücken des Duke festgeschnallte Entführungsopfer anfängt zu zappeln und sich zu winden, soll es per Mausklick mit einem "beschwichtigenden Klaps" ruhiggestellt werden, wie das "Official Xbox Magazine" feststellt.

Bomben, Blut und barbusige Frauen

In den USA kritisieren deswegen Feministinnen das Macho-Ballerspiel: "Diese Darstellung von Frauen ist sehr verletzend, besonders für junge Frauen", sagte Jamia Wilson von der Organisation Women's Media Center gegenüber Fox News. Das Spiel sei schon damals anstößig gewesen und sei es heute immer noch.

Der Chef des "Duke Nukem Forever"-Studios Gearbox, Randy Pitchford, verteidigt dagegen den umstrittenen Babe-Spielmodus: "Es ist nicht unser Ziel, die Menschen zu schockieren, aber ich denke es gibt ein paar Inhalte, die ein wenig gewöhnungsbedürftig sein könnten."

Die "Duke Nukem"-Saga begann 1991 mit einem klobigen Jump'n'Run-Spiel. Richtig bekannt wurde der Alien-Jäger allerdings erst fünf Jahre später mit dem First-Person-Shooter "Duke Nukem 3D". Das Spiel war ein Verkaufsschlager, richtungweisend für sein Genre. Die Entwickler nahmen sich selbst nicht sonderlich ernst, spendierten ihrem Helden einen derben Humor und persiflierten mit Macho-Sprüchen die Spiele der Konkurrenz. "Duke-Nukem"-Spieler ballerten sich durch zweidimensionale Monsterhorden und verfeuerten dabei Unmengen virtueller Munition.

Doch mit der Zeit stiegen die Ansprüche der Spieler. Bereits in den späten neunziger Jahren ließen sie sich nicht mehr mit stupiden Ballerorgien abspeisen. Titel wie "Half-Life" eroberten den Spielemarkt, punkteten bei den Gamern mit stimmungsvollen Pixelwelten und durchdachten Geschichten. Aktuelle Titel wie "Portal 2" verzichten gar komplett auf gewalttätige Monster und Aliens und setzen allein auf die kreative Spielidee.

Die Illusion vom perfekten Spiel

Diese Entwicklung des Genres, haben die Entwickler von "Duke Nukem Forever" allerdings nicht mitgemacht. Und so erscheint der neue Shooter reichlich unzeitgemäß - was kaum wundern wird. Denn eigentlich war die Fortsetzung schon für 1998 angekündigt worden. Doch jahrelang schaffte es das Spiel nicht bis zur Marktreife. Vereinzelt sickerten Bilder und Videos vermeintlicher Spielszenen ins Netz. Die Programmierer der texanischen Softwareschmiede 3D Realms vertrösteten die wartenden Fans immer wieder und verschoben die Veröffentlichung ein ums andere Mal. Ein perfektes Spiel sollte es werden - das vielen Mitarbeitern bei 3D Realms zum Verhängnis wurde.

Im Laufe der Zeit wechselten die Programmierer die Spiele-Engine aus, nutzten zunächst Quake-Technologie, später dann Unreal-Code. Sobald die Konkurrenz erfolgreiche First-Person-Shooter auf den Markt warf, justierten die Programmierer nach. So gingen Jahre ins Land und Tausende Zeilen teuer programmierter Code wurden regelmäßig verworfen. Nach 13 Jahren platzte dem Geldgeber Take-Two der Kragen. Der Spielevertrieb zog gegen die Programmierer vor Gericht und fror das Geld für die weitere Entwicklung ein. 3D Realms stoppte die Entwicklung von "Duke Nukem Forever" und entließ mehrere Mitarbeiter.

Das Projekt galt seit Mai 2009 als gestorben, bis vor einem halben Jahr das Entwicklerteam von Gearbox einsprang, um das Projekt endlich abzuschließen. Bis zur Auslieferung werde sein Team die Arbeit von 2500 Personenmonaten in das Spiel investiert haben, schreibt Gearbox-Chef Randy Pitchford im Playstation-Blog. Wohlgemerkt: Zusätzlich zu den 4500 Personenmonaten, die schon von 3D Realms investiert worden waren. "Ich war niemals an einem so großen Projekt beteiligt", schreibt Pitchford.

Die Erwartungen sind gewaltig

Dem Spielprinzip aber sind die Entwickler über all die Jahre hinweg offenbar treu geblieben. Die Story klingt ähnlich wie die des Vorgängers. Nachdem Duke Nukem die Welt gerettet hat, ist er ein Star. Er signiert Bücher, lebt ein Leben im Luxus. Doch die Aliens kehren zurück. Als sie anfangen Frauen zu entführen, mischt der Rüpelrambo sich wieder ein - und feuert wie früher aus Pumpgun, Raketenwerfer und Schrumpfkanone. Wie der Vorgänger soll auch der neue Duke Nukem zynisch, brutal und blutig sein.

Nach 15 Jahren sind die Erwartungen der Fans an den Titel gewaltig. Ob allein der Nostalgie-Bonus ausreicht, um dem gerecht zu werden, darf man bezweifeln. Ob da ausreicht, das angestaubte Konzept des Spiels mit den markigen Sprüchen von Duke Nukem anzureichern, um daraus einen Hit zu machen, wird sich zeigen. Erscheinen soll der Titel am 10. Juni.

Ganz sicher ist das allerdings nicht.

Anmerkung der Redaktion: Leser haben uns darauf hingewiesen, dass "Duke Nukem Forever" nicht für 1996, wie es ursprünglich in diesem Text hieß, angekündigt worden war, sondern für 1998. Wir haben die Jahreszahl entsprechend korrigiert.

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